03/07/2026
+++ Ein Kompromiss zur Ganztagsbetreuung +++
Nach langen und intensiven Verhandlungen zwischen allen Parteien und der Verwaltung, bei denen jede Seite Federn lassen musste, haben wir nun einen Kompromiss zur Ganztagsbetreuung beschlossen. Wir beschließen einen Kompromiss zwischen der Verantwortung für den arg gebeutelten Haushalt einerseits und der Verantwortung für eine gleichberechtigte Teilhabe beider Eltern am Arbeitsmarkt, die in Zeiten der nicht immer nachvollziehbaren Sparpolitik des Bundes und Landes immer wichtiger wird.
Wenn es nach uns ginge, wäre Kinderbetreuung flächendeckend kostenlos, so wie in den SPD-geführten Ländern Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern oder dem Saarland, doch die Mehrheitsverhältnisse im Land lassen das leider nicht zu.
Die Umsetzung des gesetzlichen Rechtsanspruchs durch die Landesregierung - und letztlich auch die strukturelle Unterfinanzierung der Kommunen- zwingt uns leider in schmerzliche Kompromisse. So bestrafen die Förderbedingungen Modulangebote, die günstiger als 60 Euro sind. Wir haben uns deshalb mit den anderen Parteien darauf geeinigt, dass es kein Angebot geben darf, das diesen Beitrag von 60 Euro unterschreitet – Sozialstaffeln sind natürlich davon ausgenommen.
Gleichzeitig gelang es uns in den Abstimmungen mit den anderen Parteien und der Verwaltung in Bezug auf die bisherige Verwaltungsvorlage eine Einigung, die unterhalb der vorher anvisierten Maximalbeträge bleibt. Auch dem Wunsch der Eltern, die Ferienbetreuung optional zu machen konnten wir nachkommen. Diese Maßnahmen sind ein Schritt in die richtige Richtung im Vergleich zur bisherigen Vorlage.
Es bleibt zu unserem größten Bedauern für die Kinder und Eltern jedoch ein deutlicher Rückschritt im Vergleich zur bisherigen Regelung. Wir sind dankbar für die vielen Gespräche mit betroffenen Eltern und ihren konkreten Einwendungen und Hinweisen, da das Thema äußerst komplex ist. Wir können das Unverständnis der Eltern verstehen, die bisher für viele Angebote gar keinen Beitrag oder lediglich 50 Euro im Monat zahlen mussten.
Aber wie ist das zu begründen? Auf der eine Seite steigen die Personalkosten massiv an und auf der anderen Seite kämpfen wir, wie alle Kommunen, trotz des Anstiegs der Fördergelder mit einer eklatant schlechten Haushaltslage. Auch uns ist klar, dass es hier kein „Weiter so“ geben konnte mit den niedrigen Beiträgen, die seit 10 Jahren nicht erhöht worden sind. Aber wir hätten uns von den Kosten sehr viel lieber noch eine Ecke weiter nach unten eingependelt, um gerade an dieser so wichtigen Ganztagsbetreuung nicht den städtischen Haushalt auf Kosten der Eltern entlasten zu müssen.
Es ist erklärtes Ziel aller Parteien, die Beiträge jährlich zu überprüfen und gegebenfalls anzupassen. Wir drängen inständig auf eine Bewegung in die richtige Richtung, weil sich die Fördersituation mit mehr anspruchsberechtigten Klassenstufen in den kommenden Jahren weiter verbessern sollte. Auch unseren Entwurf für eine übergreifende Geschwisterermäßigung zwischen Kita und Schule werden wir noch platzieren. Dies ist uns leider im jetzigen Entwurf nicht gelungen. Wir drängen zudem die Landesregierung, bei der Förderregelung nachzubessern.
Durch die gravierende Reduzierung der Lehrerstundenkontingente sind wir im Land in den letzten Jahren überhaupt erst in die Lage gerutscht, dass AGs nicht mehr kostenlos von Lehrern angeboten werden können sondern teuer zugekauft werden müssen. Dies ist generell eine äußerst besorgniserregende Entwicklung, zumal auch Schleswig-Holstein , was die bundesweiten Vergleichsarbeiten in Deutsch und Mathematik angeht, deutlich nach unten gerutscht ist.
Aber vielleicht schaffen wir es auch als engagierte Bürger:innen dieser Stadt, dieses Missmanagemt auszugleichen und hier in Zukunft selber ein kleines, ehrenamtliches und vor allem kostenloses Angebot außerhalb der Ganztagsbetreuung anzubieten?
Ein kleiner Lichtblick bleibt uns als Sozialdemokraten am Ende: In der neuen Regelung fallen mehr Familien in die Sozialstaffel , und diese müssen nun statt 20 Euro gar keinen Beitrag mehr zahlen. Das entlastet die Schwächsten und das ist richtig.