02/09/2026
Am Dienstagabend haben Unbekannte das Umspannwerk in Bergheim-Rheidt angegriffen. Die Polizei geht nach aktuellem Ermittlungsstand von einer vorsätzlichen Straftat aus, nicht von einem technischen Defekt. Die allgemeine Stromversorgung blieb nach Angaben des Betreibers Amprion stabil, es kam jedoch zu Ausfällen an Kraftwerkszuleitungen. Getroffen wurde nicht irgendeine Anlage am Ortsrand, diese Umspannanlage ist einer der zentralen Knotenpunkte des rheinischen Höchstspannungsnetzes. Von hier aus werden Teile des Amprion-Netzes überwacht und gesteuert, und hier sitzt ein gemeinsam mit dem Netzbetreiber Tennet betriebenes Zentrum für das Sicherheitsmanagement der deutschen und niederländischen Höchstspannungsnetze. Wer diese Anlage angreift, zielt auf das Rückgrat der Stromversorgung weit über den Rhein-Erft-Kreis hinaus.
Am Morgen desselben Tages wurden am Umspannwerk Turnow-Preilack bei Jänschwalde in Brandenburg mehrere Brand- und Sprengvorrichtungen entdeckt, die nach Angaben der Landesregierung einen großflächigen Stromausfall auslösen sollten. 2 Angriffe auf Umspannwerke an einem einzigen Tag. Bereits Anfang August war am Flughafen Leipzig/Halle erstmals eine mit Sprengstoff bestückte Drohne entdeckt worden, der Bundesinnenminister sprach von einem hybriden Anschlagsszenario. Wer hinter diesen Taten steckt, ist Gegenstand laufender Ermittlungen, und wir beteiligen uns nicht an Spekulationen. Aber der Befund ist unabhängig von der Täterfrage eindeutig: Kritische Infrastruktur in Deutschland wird gezielt angegriffen, und dieses Mal geschah es direkt vor unserer Haustür.
Wir sind hier nicht auf einer Insel, wir hängen an genau der Infrastruktur, um die es hier geht: am Stromverteilnetz der Westnetz, das das gesamte Stadtgebiet versorgt, an 2 Trinkwassersystemen der Stadtwerke Erftstadt und des Verbandswasserwerks Euskirchen, am Bahnhof Erftstadt an der Eifelstrecke, am Autobahnkreuz Bliesheim und an einer zunehmend digitalen Stadtverwaltung, deren IT genauso verwundbar ist wie jede Anlage hinter einem Zaun. Amprion selbst betreibt einen Standort im Wirtschaftspark, von dem aus Höchstspannungsleitungen gewartet werden. Und diese Systeme hängen voneinander ab: Fällt der Strom aus, stehen die Pumpen der Wasserversorgung still, die Kommunikation bricht nach und nach zusammen, die Verwaltung ist weder digital noch analog voll arbeitsfähig. Genau diese Kaskadeneffekte machen Anschläge auf einzelne Anlagen so gefährlich.
Sicherheit entsteht nicht durch Beruhigungsformeln, sondern durch überprüfbare Vorsorge. Ob Erftstadt auf den Ausfall zentraler Versorgungssysteme vorbereitet ist, ob Notstromkonzepte für Wasserversorgung, Gefahrenabwehr und Verwaltung bestehen und getestet sind, wie es um die IT-Sicherheit der Stadt steht und wie die Menschen hier im Ernstfall erreicht werden, wenn Telefon und Internet ausfallen: All das gehört jetzt auf die kommunalpolitische Tagesordnung, öffentlich und nachvollziehbar. Wir werden als Grüne in Erftstadt dafür sorgen, dass diese Debatte geführt wird, der richtige Zeitpunkt dafür ist jetzt, nicht erst nach dem nächsten Anschlag.
Nach der Störung an einem Umspannwerk bei Köln wird wegen verfassungsfeindlicher Sabotage ermittelt. NRW-Innenminister Reul sprach von einem Anfangsverdacht. Geprüft werde in zwei Richtungen - "fremdstaatlich gelenkte Sabotage" und Linksextremismus.