Thüringer Landesbeauftragter zur Aufarbeitung der SED-Diktatur

Thüringer Landesbeauftragter zur Aufarbeitung der SED-Diktatur Beratung politisch Verfolgter der SBZ / DDR im Bereich der Rehabilitierung, psychosoziale Betreuung und politische Bildung Jahr nach 1989 vielfach gefragt.

Der Thüringer Landesbeauftragte (ThLA) ist eine Einrichtung beim Thüringer Landtag. Er unterstützt den Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR (BStU), der gemäß Stasi-Unterlagengesetz (StUG) die Unterlagen verwaltet und den Zugang gewährt. Ein gesetzlicher Schwerpunkt ist die Beratung der politisch Verfolgten im Umgang mit der sie belastenden Vergange

nheit und die Unterstützung auf dem Wege zu ihrer Rehabilitierung. Am 18.03.1993 beschloss der Landtag das Thüringer Gesetz über den Landesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR (GVBl S. 237) und wählte am 30.09.1993 – auf Vorschlag der Landesregierung – mit offener Stimmabgabe ohne Gegenstimme Jürgen Haschke zum ersten Landesbeauftragten. Die Amtszeit des Landesbeauftragten beträgt fünf Jahre bei Zulässigkeit einer einmaligen Wiederwahl. Ab Oktober 1993 baute er die Behörde der TLStU auf. Am 24.09.1998 wählte der Landtag Jürgen Haschke für weitere fünf Jahre zum Landesbeauftragten. In den Anfangsjahren ging es um Spezialfragen zu den umfangreichen Personalüberprüfungen aller Bereiche des öffentlichen Dienstes, um die vielfältige Aufklärung über die Arbeitsweise der DDR-Staatssicherheit, um diverse Aspekte des von der Volkskammer erlassenen Rehabilitierungsgesetzes und der vom Deutschen Bundestag erlassenen SED-Unrechtsbereinigungsgesetze. Die Bürger, die Beratung oder Unterstützung erwarteten und verlangten, trugen zur Ausrichtung der Behörde maßgeblich mit bei. Ab 1995 informierte die Behörde u.a. über die Staatssicherheit, die SED-Repressionen, das Funktionieren des SED-Staates, das Grenzregime mit Publikationen, Vortragsveranstaltungen und Ausstellungen. Die Auseinandersetzung mit den Rehabilitierungsfragen der verschiedenen Formen von SED-Unrecht führte im Laufe der Jahre zu differenzierten Zugängen. Stichworte dafür waren u.a.: Doping im DDR-Sport, Zwangsaussiedlung, politische Einweisung in Kinderheime/Jugendwerkhöfe, Opferrente, posttraumatische Belastungsstörungen. Als Träger politischer Bildung wirkte die Behörde mit bei der Entwicklung der dezentralen Aufarbeitungslandschaft: Verbändetreffen, Arbeitsgemeinschaft der Grenzmuseen, öffentlichen Foren, Lehrerweiterbildungen und Schülerprojekten. Nach aus damaliger Sicht letztmaligen Verlängerung der Antragsfristen auf Rehabilitierung nach den SED-Unrechtsbereinigungsgesetzen bis 2003 drängte der Landesbeauftragte im Januar 2002 den Ministerpräsidenten eine „Beratungsinitiative“ beim Landesbeauftragten zu schaffen, um Betroffene zu beraten und ihnen den Erhalt von Leistungen nach den Rehabilitierungsgesetzen zu ermöglichen. Mit Unterstützung de Thüringer Ministerium Soziales, Familie und Gesundheit und der Stiftung Aufarbeitung arbeitet die Beratungsinitiative bis heute.

2003 wählte der Landtag – wiederum auf Vorschlag der Landesregierung Hildigund Neubert zur Landesbeauftragten. Zu den ersten Dienstaufgaben Hildigund Neuberts zählten der Bundeskongress der Landesbeauftragten für die Stasiunterlagen mit den Opferverbänden, der 2004 zum zweiten Mal in Thüringen (in Jena) unter dem Titel „Vom Wert der Freiheit“ stattfand, sowie die Beförderung der laufenden Gesetzesinitiativen für eine „Opferrente“ von politischen Inhaftierten des SED-Regimes. Der drohende Abriss der zweiten von einstmals drei Stasi-Untersuchungshaftanstalten auf Thüringer Boden (Erfurt, Andreasstraße) im Jahre 2005 veränderte den Schwerpunkt der Arbeit der Behörde. Da die Stasi-Haft-Orte besonders herausragende Gedenkstätten für ganz unterschiedliche Schicksale in der SED-Diktatur sind, begann die Behörde hier eine „verortete“ politische Bildungsarbeit. Begonnen wurde mit einer Kunstausstellung und Gedenkstättenarbeit unter dem Motto „Einschluss“. Die Zeitzeugenarbeit bekam durch diese Bildungsarbeit am Haftgedenkort deutlichen Aufwind. Eine Ausstellungsetage wurde geschaffen und jährlich erneuert. Zeitzeugeninterviews zu allen DDR-Jahrzehnten entstanden und ausgewählt wurden auf Audio-CDs publiziert. Für Schulklassen wurden Projekttage und Projektwochen entwickelt, bei denen die Jugendlichen zunächst die Hintergründe und die persönlichen Stasi-Akten eines Verfolgtenschicksals kennen lernten, um dem jeweiligen Zeitzeugen dann intensiv und qualifiziert gegenüber treten zu können. Im Jahre 2012 wurde die Gedenkstätte mit der Stiftung Ettersberg als „Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße“ institutionell gesichert.

2009 war auch die dezentrale (nichtschulische) politische Bildungsarbeit durch das 20. Die Behörde beteiligte sich mit einer Open-Air-Ausstellung, die in Kooperation mit dreizehn Stadtverwaltungen thüringenweit viele Besucher erreichte. Mit demselben Konzept wurde 2011 das „Jahr der Mauer“ thematisiert. Die Behörde befasste sich mit der Frage von SED-Unrecht gegenüber Kindern und Jugendlichen, die aus politischen Gründen in Jugendwerkhöfe eingewiesen waren oder in Kinderheimen traumatische Gewalterfahrungen gemacht hatten. Dafür wurde mit Unterstützung der Landesbeauftragten die Heimkinder-Beratungsstelle beim Sozialministerium geschaffen. Die erste bundesweite Fachtagung zu diesem Thema wurde von Thüringen organisiert. Ende 2012 begann der Thüringer Landtag mit der Debatte eines Gesetzesentwurfs, in dem die Breite des realen Tätigkeitsfeldes klarer definiert werden sollte. Am 21. Juni 2013 beschloss der Landtag mit den Stimmen der CDU, der SPD und der GRÜNEN das Gesetz über den Beauftragten des Freistaats Thüringen zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, das am 20. Juli 2013 in Kraft trat.

𝗙𝗶𝗹𝗺𝘃𝗼𝗿𝗳𝘂̈𝗵𝗿𝘂𝗻𝗴 𝘂𝗻𝗱 𝗚𝗲𝘀𝗽𝗿𝗮̈𝗰𝗵 – „𝗘𝗹𝘁𝗲𝗿𝗻, 𝗞𝗶𝗻𝗱𝗲𝗿, 𝗦𝘁𝗮𝘀𝗶𝗵𝗮𝗳𝘁“𝗗𝗮𝘁𝘂𝗺: Dienstag, 08.09.2026, 19:00 Uhr𝗢𝗿𝘁: Grenzlandmuseum Ei...
05/09/2026

𝗙𝗶𝗹𝗺𝘃𝗼𝗿𝗳𝘂̈𝗵𝗿𝘂𝗻𝗴 𝘂𝗻𝗱 𝗚𝗲𝘀𝗽𝗿𝗮̈𝗰𝗵 – „𝗘𝗹𝘁𝗲𝗿𝗻, 𝗞𝗶𝗻𝗱𝗲𝗿, 𝗦𝘁𝗮𝘀𝗶𝗵𝗮𝗳𝘁“

𝗗𝗮𝘁𝘂𝗺: Dienstag, 08.09.2026, 19:00 Uhr

𝗢𝗿𝘁: Grenzlandmuseum Eichsfeld, Duderstädter Straße 7-9, 37339 Teistungen

Während die Haftbedingungen in den Gefängnissen der DDR-Staatssicherheit in den letzten Jahrzehnten intensiv erforscht wurden, blieben die Folgen der Repression für die Kinder der Inhaftierten lange unbeachtet. Der Dokumentarfilm „Eltern, Kinder, Stasihaft“ rückt erstmals diese zweite Generation in den Fokus und zeigt an vier Familienschicksalen, wie sich Ängste und Traumata der Eltern direkt auf ihre Kinder übertragen haben und bis heute nachwirken.

Um diesem sensiblen und oft verschwiegenen Erbe Raum zu geben, zeigt das Grenzlandmuseum Eichsfeld den bewegenden Film am Dienstag, dem 8. September 2026, um 19:00 Uhr in seiner Bildungsstätte. Nach der Filmvorführung bietet sich dem Publikum die Gelegenheit zum direkten Austausch mit Experten und Zeitzeugen. Als Diskussionspartner stehen der Regisseur und renommierte Filmproduzent Prof. Jürgen Haase sowie Dr. Karl-Heinz Bomberg bereit. Dr. Bomberg, dessen eigenes Familienschicksal im Film porträtiert wird, ist Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychoanalytiker und bringt daher sowohl seine persönliche Hafterfahrung als auch seine jahrzehntelange therapeutische Praxis ein.

Eine Veranstaltung des Grenzlandmuseum Eichsfeld in Kooperation mit dem Thüringer Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und mit dem Wilhelm Fraenger-Institut.

𝗗𝗶𝗲 𝗧𝗲𝗶𝗹𝗻𝗮𝗵𝗺𝗲 𝗮𝗻 𝗱𝗲𝗿 𝗙𝗶𝗹𝗺𝘃𝗼𝗿𝗳𝘂̈𝗵𝗿𝘂𝗻𝗴 𝘀𝗼𝘄𝗶𝗲 𝗱𝗲𝗺 𝗣𝘂𝗯𝗹𝗶𝗸𝘂𝗺𝘀𝗴𝗲𝘀𝗽𝗿𝗮̈𝗰𝗵 𝘀𝗶𝗻𝗱 𝗸𝗼𝘀𝘁𝗲𝗻𝗳𝗿𝗲𝗶.

08. September 2026 @ 19:00 - 21:30 - Der Dokumentarfilm „Eltern, Kinder, Stasihaft“ von Jürgen Haase und Angela Henkel beleuchtet die langfristigen Folgen der Stasi-Haft für Familien.

05/09/2026

Heute Tag der offenen Tür im Thüringer Landtag. Ministerpräsident Mario Voigt hat uns am Stand besucht und ein Statement zur Aufarbeitung der SED-Diktatur abgegeben.

𝙉𝑬𝙐𝑬𝙎 𝘼𝑵𝙂𝑬𝘽𝑶𝙏 𝙁𝑼̈𝙍 𝘽𝑬𝙏𝑹𝙊𝑭𝙁𝑬𝙉𝑬𝗭𝘄𝗮𝗻𝗴𝘀𝗲𝗶𝗻𝘄𝗲𝗶𝘀𝘂𝗻𝗴𝗲𝗻 𝗶𝗻 𝘀𝗼𝗴𝗲𝗻𝗮𝗻𝗻𝘁𝗲 𝗧𝗿𝗶𝗽𝗽𝗲𝗿𝗯𝘂𝗿𝗴𝗲𝗻 𝗱𝗲𝗿 𝗗𝗗𝗥  Zwangseinweisungen in geschlossene ...
02/09/2026

𝙉𝑬𝙐𝑬𝙎 𝘼𝑵𝙂𝑬𝘽𝑶𝙏 𝙁𝑼̈𝙍 𝘽𝑬𝙏𝑹𝙊𝑭𝙁𝑬𝙉𝑬

𝗭𝘄𝗮𝗻𝗴𝘀𝗲𝗶𝗻𝘄𝗲𝗶𝘀𝘂𝗻𝗴𝗲𝗻 𝗶𝗻 𝘀𝗼𝗴𝗲𝗻𝗮𝗻𝗻𝘁𝗲 𝗧𝗿𝗶𝗽𝗽𝗲𝗿𝗯𝘂𝗿𝗴𝗲𝗻 𝗱𝗲𝗿 𝗗𝗗𝗥

Zwangseinweisungen in geschlossene Venerologische Stationen (»Tripperburgen«) der DDR waren staatliches Unrecht. Nicht die betroffenen Frauen hatten Schuld, sondern der SED-Staat. Sind auch Sie betroffen? Dann haben Sie Anspruch auf Wiedergutmachung (Rehabilitierung), was auch bedeuten kann, dass Ihnen Ausgleichsleistungen zustehen.

Der Riebeckstraße 63 e.V. in Leipzig arbeitet die Geschichte der geschlossenen Venerologischen Stationen auf und ist die zentrale Anlaufstelle für betroffene Frauen. Wir bieten regelmäßig Erzählcafés an, bei denen Betroffene und Interessierte sich austauschen, helfen bei Recherchen und schaffen Öffentlichkeit. Wir sind dabei, eine Beratungsstelle und ein Archiv mit Zeitzeuginnen-Interviews aufzubauen.

Wenn Sie betroffen sind, können Sie sich an uns wenden. Wir hören Ihnen zu, unterstützen Sie bei der Einsicht von Akten und vermitteln Ihnen eine juristische Beratung oder ein psychosoziales Angebot. Auch Angehörige von Betroffenen können sich gerne an uns wenden.

𝗞𝗼𝗻𝘁𝗮𝗸𝘁: Annkathrin Richter
𝗔𝗱𝗿𝗲𝘀𝘀𝗲: Riebeckstraße 63 e.V., Riebeckstraße 63, 04317 Leipzig
𝗘-𝗠𝗮𝗶𝗹: [email protected]
𝗧𝗲𝗹𝗲𝗳𝗼𝗻: +49 17 77 80 59 73

Von Richard Herzinger hört sich das erste Mal Mitte der Neunzigerjahre. Sein Buch „Endzeit, Propheten oder die Offensive...
01/09/2026

Von Richard Herzinger hört sich das erste Mal Mitte der Neunzigerjahre. Sein Buch „Endzeit, Propheten oder die Offensive der Antiwester. Fundamentalismus, Anti-Amerikanismus und Neue Rechte“ fiel mir in die Hände, und ich las es mit Begeisterung.

So klar, so konsequent wurden in dem Buch die Bedrohungen der liberalen Demokratie durchargumentiert. Vieles von dem, was heute als „neue Erkenntnis“ in der Diskussion eingebracht wird, steht da schon drin.  Richard Herzinger vertrat die Freiheit, den Liberalismus, die Menschenrechte und die Demokratie. Er stritt gegen jene, die diese Kernpunkte menschlichen Zusammenleben infrage stellen wollte.

Zum 30. Jahrestag der Gründung des Thüringer Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der SED Diktatur, hielt er die Festrede im Thüringer Landtag. Es war mir eine Freude, dass er meiner Einladung zu dieser Rede nachgekommen war. Viel zu früh ist Richard Heringer dann letztes Jahr verstorben. Seine klaren Analysen fehlen.

Nun ist eine Auswahl seiner politischen Essays von 1992 bis 2025 erschienen. „Letztes Wort Freiheit“ - so  heißt das Buch. Seine Rede vor dem Thüringer Landtag 2023 ist auch mit dabei. Diese ist hier noch einmal nachzulesen und genauso zu emfehlen, wie alle anderen im Buch versammelten Texte.

𝐃𝐞𝐦𝐨𝐤𝐫𝐚𝐭𝐢𝐞 𝐞𝐫𝐥𝐞𝐛𝐞𝐧 𝐮𝐧𝐝 𝐆𝐞𝐬𝐜𝐡𝐢𝐜𝐡𝐭𝐞 𝐚𝐮𝐟𝐚𝐫𝐛𝐞𝐢𝐭𝐞𝐧!Am 𝟱. 𝗦𝗲𝗽𝘁𝗲𝗺𝗯𝗲𝗿 𝟮𝟬𝟮𝟲 öffnet der 𝗧𝗵𝘂̈𝗿𝗶𝗻𝗴𝗲𝗿 𝗟𝗮𝗻𝗱𝘁𝗮𝗴 seine Türen (10:00 bis ...
01/09/2026

𝐃𝐞𝐦𝐨𝐤𝐫𝐚𝐭𝐢𝐞 𝐞𝐫𝐥𝐞𝐛𝐞𝐧 𝐮𝐧𝐝 𝐆𝐞𝐬𝐜𝐡𝐢𝐜𝐡𝐭𝐞 𝐚𝐮𝐟𝐚𝐫𝐛𝐞𝐢𝐭𝐞𝐧!

Am 𝟱. 𝗦𝗲𝗽𝘁𝗲𝗺𝗯𝗲𝗿 𝟮𝟬𝟮𝟲 öffnet der 𝗧𝗵𝘂̈𝗿𝗶𝗻𝗴𝗲𝗿 𝗟𝗮𝗻𝗱𝘁𝗮𝗴 seine Türen (10:00 bis 17:00 Uhr) unter dem Motto „Du bist Souverän!“. Auch der 𝗧𝗵𝘂̈𝗿𝗶𝗻𝗴𝗲𝗿 𝗟𝗮𝗻𝗱𝗲𝘀𝗯𝗲𝗮𝘂𝗳𝘁𝗿𝗮𝗴𝘁𝗲 𝘇𝘂𝗿 𝗔𝘂𝗳𝗮𝗿𝗯𝗲𝗶𝘁𝘂𝗻𝗴 𝗱𝗲𝗿 𝗦𝗘𝗗-𝗗𝗶𝗸𝘁𝗮𝘁𝘂𝗿, 𝗗𝗿. 𝗣𝗲𝘁𝗲𝗿 𝗪𝘂𝗿𝘀𝗰𝗵𝗶, und sein Team sind den ganzen Tag für Sie vor Ort.

Das erwartet Sie bei uns:

𝗜𝗻𝗳𝗼𝗿𝗺𝗮𝘁𝗶𝗼𝗻𝘀- & 𝗕𝗲𝗿𝗮𝘁𝘂𝗻𝗴𝘀𝘀𝘁𝗮𝗻𝗱

• 𝗪𝗮𝗻𝗻:10:00 – 17:00 Uhr

• 𝗪𝗼: Funktionsgebäude (Erdgeschoss)

• 𝗪𝗮𝘀: Individuelle Beratung zu Rehabilitierungsmöglichkeiten, Aufarbeitung und Archivrecherche, psychosoziale Angebote sowie Infos zum Thüringer Härtefallfonds und Bildungsangeboten zur Demokratiebildung.

Der Thüringer Landesbeauftragte Dr. Peter Wurschi wird Ihnen für Fragen am Vormittag persönlich zur Verfügung stehen.

𝗕𝘂̈𝗵𝗻𝗲𝗻𝗽𝗿𝗼𝗴𝗿𝗮𝗺𝗺: „𝗧𝗲𝘅𝘁𝗲 𝗵𝗶𝗻𝘁𝗲𝗿 𝗱𝗲𝗿 𝗠𝗮𝘂𝗲𝗿“

• 𝗪𝗮𝗻𝗻: 11:20 – 11:30 Uhr

• 𝗪𝗼: Bühne im Innenhof

• 𝗪𝗮𝘀: Dr. Peter Wurschi spricht gemeinsam mit Projektleiterin Edda Buchspieß über das Projekt „Texte hinter der Mauer“. Direkt im Anschluss (11:30 Uhr) stellen Darstellerinnen und Darsteller des Erfurter Kinder- und Jugendtheaters „Die Schotte“ in einer szenischen Lesung vor, wie Kultur und Zensur in der DDR aussahen.

Kommt vorbei, stellt eure Fragen, kommt mit uns ins Gespräch und nutzt das vielfältige Rahmenprogramm im Landtag!

Freundlicher Hinweis: Nutzen Sie den Besuch auch für die Gesetzesrallye, Führungen oder das Familienprogramm im Beethovenpark.

Wir freuen uns auf den Austausch mit Ihnen!

𝗠𝗲𝗵𝗿 𝗜𝗻𝗳𝗼𝘀 & 𝗧𝗲𝗿𝗺𝗶𝗻𝗲https://www.thueringer-landtag.de/fileadmin/user_upload/TdoT_Landtag_2026_Programmheft_final__2_.pdf

𝗗𝗼𝗻𝗻𝗲𝗿𝘀𝘁𝗮𝗴, 𝟮𝟲. 𝗔𝘂𝗴𝘂𝘀𝘁 𝟭𝟵𝟳𝟲𝗕𝗲𝗶𝘀𝗲𝘁𝘇𝘂𝗻𝗴 𝘃𝗼𝗻 𝗣𝗳𝗮𝗿𝗿𝗲𝗿 𝗢𝘀𝗸𝗮𝗿 𝗕𝗿𝘂̈𝘀𝗲𝘄𝗶𝘁𝘇 𝗶𝗻 𝗥𝗶𝗽𝗽𝗶𝗰𝗵𝗮 (𝗕𝗲𝘇𝗶𝗿𝗸 𝗛𝗮𝗹𝗹𝗲 / 𝗵𝗲𝘂𝘁𝗲 𝗦𝗮𝗰𝗵𝘀𝗲𝗻-𝗔𝗻𝗵𝗮𝗹𝘁).Ach...
26/08/2026

𝗗𝗼𝗻𝗻𝗲𝗿𝘀𝘁𝗮𝗴, 𝟮𝟲. 𝗔𝘂𝗴𝘂𝘀𝘁 𝟭𝟵𝟳𝟲

𝗕𝗲𝗶𝘀𝗲𝘁𝘇𝘂𝗻𝗴 𝘃𝗼𝗻 𝗣𝗳𝗮𝗿𝗿𝗲𝗿 𝗢𝘀𝗸𝗮𝗿 𝗕𝗿𝘂̈𝘀𝗲𝘄𝗶𝘁𝘇 𝗶𝗻 𝗥𝗶𝗽𝗽𝗶𝗰𝗵𝗮 (𝗕𝗲𝘇𝗶𝗿𝗸 𝗛𝗮𝗹𝗹𝗲 / 𝗵𝗲𝘂𝘁𝗲 𝗦𝗮𝗰𝗵𝘀𝗲𝗻-𝗔𝗻𝗵𝗮𝗹𝘁).

Acht Tage nach seiner Selbstverbrennung in Zeitz und vier Tage nach seinem Tod wird der evangelische Pfarrer Oskar Brüsewitz auf dem Friedhof seiner Kirchengemeinde in Rippicha beigesetzt. Die Trauerfeier wird zu einem der am stärksten überwachten Ereignisse in der Geschichte der DDR und entwickelt sich jedoch zugleich zu einer eindrucksvollen Demonstration stillen Protests.

𝗗𝗲𝗿 𝗔𝗯𝗹𝗮𝘂𝗳 𝗱𝗲𝗿 𝗕𝗲𝗶𝘀𝗲𝘁𝘇𝘂𝗻𝗴
• 𝗠𝗮𝘀𝘀𝗲𝗻𝗮𝘂𝗳𝗴𝗲𝗯𝗼𝘁 𝗱𝗲𝗿 𝗦𝘁𝗮𝗮𝘁𝘀𝘀𝗶𝗰𝗵𝗲𝗿𝗵𝗲𝗶𝘁:
Das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) leitet unter der Operationsbezeichnung „Aktion Zora“ einen Großeinsatz ein. Über 300 Stasi-Mitarbeiter und Volkspolizisten riegeln das Dorf Rippicha und die Zufahrtsstraßen ab. Fahrzeuge werden kontrolliert, Personalausweise überprüft und etliche Bürger an der Anreise gehindert.

• 𝗧𝗲𝗶𝗹𝗻𝗮𝗵𝗺𝗲 𝘁𝗿𝗼𝘁𝘇 𝗕𝗹𝗼𝗰𝗸𝗮𝗱𝗲𝗻:
Dennoch gelingt es mehr als 400 Trauernden – darunter Familienangehörigen, Gemeindemitgliedern, zahlreichen Pfarrern in Amtstracht sowie jugendlichen Christen –, an der Beerdigung teilzunehmen. Auch westliche Journalisten und Diplomaten beobachten das Geschehen aus der Ferne.

• 𝗗𝗶𝗲 𝗧𝗿𝗮𝘂𝗲𝗿𝗳𝗲𝗶𝗲𝗿:
Der Bischof der Evangelischen Kirche der Provinz Sachsen, Werner Krusche, hält die Predigt. Er vermeidet eine direkte politische Instrumentalisierung, macht jedoch das schwere Leiden von Brüsewitz an den Verhältnissen deutlich und fordert Respekt vor dessen Gewissensentscheidung.

• 𝗣𝗿𝗼𝘁𝗲𝘀𝘁 𝗱𝗲𝗿 𝗣𝗳𝗮𝗿𝗿𝗲𝗿:
Als Zeichen der Solidarität und des Mitgefühls tragen zahlreiche anwesende Pfarrer während der Beisetzung ihre Amtsbekleidung (Talare) – ein Bild der Geschlossenheit, das die staatlichen Stellen tief beunruhigt.

𝗭𝗶𝘁𝗮𝘁
„Wir stehen an dem Grab eines Mannes, der in einer nicht mehr zu ertragenden Spannung gelebt und gelitten hat. Wir dürfen sein Handeln nicht einfach gutheißen, aber wir dürfen uns seiner Anklage nicht entziehen.“ - Sinngemäß aus der Ansprache von Bischof Werner Krusche am Grab in Rippicha (26. August 1976)

𝗙𝗼𝗹𝗴𝗲𝗻 𝘂𝗻𝗱 𝗔𝘂𝘀𝗯𝗹𝗶𝗰𝗸
• 𝗔𝘂𝘀𝗹𝗼̈𝘀𝗲𝗿 𝗱𝗲𝗿 𝗩𝗲𝗿𝗹𝗲𝘂𝗺𝗱𝘂𝗻𝗴𝘀𝗸𝗮𝗺𝗽𝗮𝗴𝗻𝗲:
Um die nach der Beisetzung anhaltende Erschütterung in der Bevölkerung zu unterdrücken, bereitet das SED-Regime eine Medienoffensive vor. Fünf Tage später, am 31. August 1976, erscheint im Neuen Deutschland der berüchtigte Artikel „Du sollst nicht falsch Zeugnis reden“, in dem Brüsewitz als „geisteskrank“ verunglimpft wird.

• 𝗣𝗿𝗼𝘁𝗲𝘀𝘁𝘄𝗲𝗹𝗹𝗲:
Der Zeitungsartikel führt zu einer Welle von Austritten aus dem FDGB (Freibund der Deutschen Gewerkschaften), aus der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft (DSF) und der FDJ (Freien Deutschen Jugend) aus Protest gegen die DDR-Presse sowie zu Tausenden von Beschwerdebriefen (Eingaben) an die Staatsführung.

• 𝗗𝗮𝘂𝗲𝗿𝗵𝗮𝗳𝘁𝗲 𝗕𝗲𝗱𝗲𝘂𝘁𝘂𝗻𝗴:
Das Grab in Rippicha wird in den folgenden Jahren zu einem Ort des stillen Gedenkens und Symbol für den Widerstand der evangelischen Kirche gegen die staatliche Bevormundung in der DDR.

Weitere Informationen zum Thema unter: https://www.bundesarchiv.de/themen-entdecken/online-entdecken/themenbeitraege/oskar-bruesewitz-selbstverbrennung-eines-pfarrers/

𝗦𝗼𝗻𝗻𝘁𝗮𝗴, 𝟮𝟮. 𝗔𝘂𝗴𝘂𝘀𝘁 𝟭𝟵𝟳𝟲𝗣𝗳𝗮𝗿𝗿𝗲𝗿 𝗢𝘀𝗸𝗮𝗿 𝗕𝗿𝘂̈𝘀𝗲𝘄𝗶𝘁𝘇 (𝟯𝟬. 𝗠𝗮𝗶 𝟭𝟵𝟮𝟵 – 𝟮𝟮. 𝗔𝘂𝗴𝘂𝘀𝘁 𝟭𝟵𝟳𝟲) 𝘀𝘁𝗶𝗿𝗯𝘁 𝗶𝗺 𝗕𝗲𝘇𝗶𝗿𝗸𝘀𝗸𝗿𝗮𝗻𝗸𝗲𝗻𝗵𝗮𝘂𝘀 𝗛𝗮𝗹𝗹𝗲-𝗗𝗼̈...
22/08/2026

𝗦𝗼𝗻𝗻𝘁𝗮𝗴, 𝟮𝟮. 𝗔𝘂𝗴𝘂𝘀𝘁 𝟭𝟵𝟳𝟲

𝗣𝗳𝗮𝗿𝗿𝗲𝗿 𝗢𝘀𝗸𝗮𝗿 𝗕𝗿𝘂̈𝘀𝗲𝘄𝗶𝘁𝘇 (𝟯𝟬. 𝗠𝗮𝗶 𝟭𝟵𝟮𝟵 – 𝟮𝟮. 𝗔𝘂𝗴𝘂𝘀𝘁 𝟭𝟵𝟳𝟲) 𝘀𝘁𝗶𝗿𝗯𝘁 𝗶𝗺 𝗕𝗲𝘇𝗶𝗿𝗸𝘀𝗸𝗿𝗮𝗻𝗸𝗲𝗻𝗵𝗮𝘂𝘀 𝗛𝗮𝗹𝗹𝗲-𝗗𝗼̈𝗹𝗮𝘂.

Vier Tage nach seiner öffentlichen Protesthandlung vor der Michaeliskirche in Zeitz erliegt der evangelische Pfarrer Oskar Brüsewitz im Bezirkskrankenhaus Halle-Dölau seinen extrem schweren Brandverletzungen. Er erlitt Verbrennungen zweiten und dritten Grades an über 80 Prozent seiner Körperoberfläche.

Die DDR-Behörden isolieren den Sterbenden bis zu den letzten Minuten vollständig. Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) kontrollieren das Krankenhaus und verwehren selbst der Ehefrau Esther Brüsewitz sowie den Kindern den Zutritt zu seinem Krankenzimmer. Oskar Brüsewitz stirbt, ohne seine Familie noch einmal gesehen zu haben.

𝗥𝘂̈𝗰𝗸𝗯𝗹𝗶𝗰𝗸: 𝗗𝗲𝗿 𝗪𝗲𝗴 𝘇𝘂𝗺 𝗙𝗮𝗻𝗮𝗹
18. August 1976 (Zeitz): Gegen 10:20 Uhr fährt Brüsewitz in seinem Wartburg vor die Michaeliskirche. Er trägt seinen Talar und befestigt auf dem Dachständer Transparente mit der Aufschrift: „Die Kirche in der D.D.R. klagt den Kommunismus an! Wegen Unterdrückung in Schulen an Kindern und Jugendlichen“. Anschließend übergießt er sich mit Benzin und zündete seine Kleidung an.

• Reaktion des Regimes: Während Passanten versuchen, die Flammen zu ersticken, greifen Stasi-Kräfte ein, reißen die Plakate ab und sperren den Bereich ab. Die Staatssicherheit leitet sofort eine Informationsblockade ein.

• Die Tage im Krankenhaus (18.–22. August): Nach der Erstversorgung im Kreiskrankenhaus Zeitz wird Brüsewitz unter strenger Stasi-Bewachung in die Spezialabteilung nach Halle-Dölau verlegt. Trotz des bevorstehenden Todes verweigert die Staatsmacht der Familie jeglichen Abschied.

𝗭𝗶𝘁𝗮𝘁
„Wenn in einem Land der Glaube an Gott nicht mehr frei ausgeübt werden darf und die Jugend staatlich zur Glaubenslosigkeit erzogen wird, dann muss die Kirche die Stimme erheben.“ - Oskar Brüsewitz (Aus seinen Schriften und Abschiedsbriefen an den Pfarrkonvent Zeitz)

𝗛𝗶𝘀𝘁𝗼𝗿𝗶𝘀𝗰𝗵𝗲 𝗡𝗮𝗰𝗵𝘄𝗶𝗿𝗸𝘂𝗻𝗴𝗲𝗻
• Propagandawelle der SED: Um die politische Wirkung des Suizids zu entkräften, startet das Regime eine Verleumdungskampagne. Das SED-Zentralorgan Neues Deutschland bezeichnet Brüsewitz am 31. August 1976 als „geisteskranken“ und „psychopathischen“ Mann.

• Protest und Wendepunkt: Das Fanal löst bei vielen Bürgern in Ost und West Entsetzen aus. Westliche Medien berichten ausführlich über die Hintergründe. Innerhalb der DDR-Kirchen führt die Verfechtung der staatlichen Propaganda zu Protesten und zu einer Welle der Solidarisierung unter Jugendlichen und Christen – die Tat wird zu einem zentralen Wendepunkt im Verhältnis zwischen Staat, Kirche und Bürgerrechtsbewegung in der DDR.

Weitere Informationen zum Thema finden Sie hier: https://www.mdr.de/geschichte/ddr/politik-gesellschaft/kirche/oskar-bruesewitz-pfarrer-marktplatz-zeitz-selbstentzuendung-protest-100.html

𝘝𝘦𝘳𝘢𝘯𝘴𝘵𝘢𝘭𝘵𝘶𝘯𝘨𝘴𝘵𝘪𝘱𝘱𝗨𝗻𝗿𝗲𝗰𝗵𝘁𝘀𝘀𝘁𝗮𝗮𝘁 𝗗𝗗𝗥 – 𝗜𝗻𝗵𝗮𝗳𝘁𝗶𝗲𝗿𝘁 𝗶𝗻 𝗱𝗲𝗻 𝗚𝗲𝗳𝗮̈𝗻𝗴𝗻𝗶𝘀𝘀𝗲𝗻 𝗱𝗲𝗿 𝗲𝗵𝗲𝗺𝗮𝗹𝗶𝗴𝗲𝗻 𝗗𝗗𝗥Die Gedenkstätte im Torhaus der ...
19/08/2026

𝘝𝘦𝘳𝘢𝘯𝘴𝘵𝘢𝘭𝘵𝘶𝘯𝘨𝘴𝘵𝘪𝘱𝘱

𝗨𝗻𝗿𝗲𝗰𝗵𝘁𝘀𝘀𝘁𝗮𝗮𝘁 𝗗𝗗𝗥 – 𝗜𝗻𝗵𝗮𝗳𝘁𝗶𝗲𝗿𝘁 𝗶𝗻 𝗱𝗲𝗻 𝗚𝗲𝗳𝗮̈𝗻𝗴𝗻𝗶𝘀𝘀𝗲𝗻 𝗱𝗲𝗿 𝗲𝗵𝗲𝗺𝗮𝗹𝗶𝗴𝗲𝗻 𝗗𝗗𝗥

Die Gedenkstätte im Torhaus der politischen Haftanstalt von 1933-1989 (Gedenkstätte Amthordurchgang) lädt zu den diesjährigen Dokfilmwochen am 𝟮𝟳. 𝗔𝘂𝗴𝘂𝘀𝘁 𝟮𝟬𝟮𝟲, 𝟭𝟴 𝗨𝗵𝗿, in das 𝗠𝗘𝗧𝗥𝗢𝗣𝗢𝗟 𝗞𝗶𝗻𝗼 𝗚𝗲𝗿𝗮, 𝗟𝗲𝗶𝗽𝘇𝗶𝗴𝗲𝗿 𝗦𝘁𝗿𝗮ß𝗲 𝟮𝟰 ein zum Film „𝗝𝗲𝗱𝗲𝗿 𝘀𝗰𝗵𝘄𝗲𝗶𝗴𝘁 𝘃𝗼𝗻 𝗲𝘁𝘄𝗮𝘀 𝗮𝗻𝗱𝗲𝗿𝗲𝗺“ (Regie: Marc Bauder) und 𝗮𝗻𝘀𝗰𝗵𝗹𝗶𝗲ß𝗲𝗻𝗱𝗲𝗺 𝗚𝗲𝘀𝗽𝗿𝗮̈𝗰𝗵 𝗺𝗶𝘁 𝗨𝘁𝘇 𝗥𝗮𝗰𝗵𝗼𝘄𝘀𝗸𝗶 (𝗲𝗵𝗲𝗺𝗮𝗹𝗶𝗴𝗲𝗿 𝗽𝗼𝗹𝗶𝘁𝗶𝘀𝗰𝗵𝗲𝗿 𝗛𝗮̈𝗳𝘁𝗹𝗶𝗻𝗴).

Sichern Sie sich ihr Ticket über (www.metropolkino-gera.de).

Anne, Utz, Tine und Matthias wurden wegen „staatsfeindlicher Aktivitäten“ inhaftiert. Sie kamen in Gefängnisse der DDR, weil sie die falschen Fragen gestellt, die falschen Bücher gelesen, oder die falschen Freunde hatten. Bis heute leiden sie unter ihren Erinnerungen und an der Wut über einen Staat, der ihnen Freiheit und Glück raubte. Der Film erzählt über seelische Wunden, Berührungsängste, die Sehnsucht nach Austausch und über ein Schweigen, das lauter ist als jede Rede.

𝗠𝗶𝘁𝘁𝘄𝗼𝗰𝗵, 𝟭𝟴. 𝗔𝘂𝗴𝘂𝘀𝘁 𝟭𝟵𝟳𝟲𝗗𝗶𝗲 𝗣𝗿𝗼𝘁𝗲𝘀𝘁𝗵𝗮𝗻𝗱𝗹𝘂𝗻𝗴 𝗱𝗲𝘀 𝗣𝗳𝗮𝗿𝗿𝗲𝗿 𝗢𝘀𝗸𝗮𝗿 𝗕𝗿𝘂̈𝘀𝗲𝘄𝗶𝘁𝘇 𝗶𝗻 𝗭𝗲𝗶𝘁𝘇Der Ablauf des 18. August 1976 ist dur...
18/08/2026

𝗠𝗶𝘁𝘁𝘄𝗼𝗰𝗵, 𝟭𝟴. 𝗔𝘂𝗴𝘂𝘀𝘁 𝟭𝟵𝟳𝟲
𝗗𝗶𝗲 𝗣𝗿𝗼𝘁𝗲𝘀𝘁𝗵𝗮𝗻𝗱𝗹𝘂𝗻𝗴 𝗱𝗲𝘀 𝗣𝗳𝗮𝗿𝗿𝗲𝗿 𝗢𝘀𝗸𝗮𝗿 𝗕𝗿𝘂̈𝘀𝗲𝘄𝗶𝘁𝘇 𝗶𝗻 𝗭𝗲𝗶𝘁𝘇

Der Ablauf des 18. August 1976 ist durch Stasi-Unterlagen, Zeugenaussagen und kirchliche Berichte historisch genau dokumentiert:

Oskar Brüsewitz verbrachte den Morgen des 18. August 1976 im Pfarrhaus in Rippicha gemeinsam mit seiner Familie. Er bat seine Tochter, auf der Orgel das Kirchenlied „So nimm denn meine Hände“ zu spielen. Einer Nachbarin übergab er zwei Abschiedsbriefe – darunter ein Schreiben an den Pfarrkonvent Zeitz, in dem er seine bevorstehende Tat als politisch-religiöse Anklage ankündigte.

Gegen 10:20 Uhr fuhr Brüsewitz in seinem PKW-Wartburg auf den Platz vor der Michaeliskirche im Zentrum von Zeitz. Er trug dabei seinen schwarzen Talar. Auf dem Dach seines Wartburgs befestigte er ein zweiteiliges Transparent (ca. 3,0 × 1,0 Meter). Mit folgenden Texten:

𝗧𝗲𝘅𝘁 (𝗩𝗼𝗿𝗱𝗲𝗿𝘀𝗲𝗶𝘁𝗲): „Funkspruch an alle … Die Kirche in der D.D.R. klagt den Kommunismus an! Wegen Unterdrückung in Schulen an Kindern und Jugendlichen.“

𝗧𝗲𝘅𝘁 (𝗥𝘂̈𝗰𝗸𝘀𝗲𝗶𝘁𝗲): „Funkspruch an alle … Die Kirche in der D.D.R. klagt den Kommunismus an! Wegen Unterdrückung der freien Ausübung des Glaubens.“

Aus dem Kofferraum entnahm er eine mitgebrachte 20-Liter-Milchkanne voll Benzin, übergoss sich damit auf dem Kirchenvorplatz und zündete seine Kleidung an. Binnen weniger Minuten versuchten umstehende Passanten, die Flammen mit Decken zu ersticken. Einsatzkräfte bzw. Mitarbeiter der Staatssicherheit griffen rasch ein und rissen die auf dem Auto platzierten Plakate ab, um die Aktion vor weiteren Passanten abzuschirmen.

Der schwerstverbrannte Pfarrer wurde umgehend in das Krankenhaus Zeitz gebracht und am selben Tag aufgrund der Schwere der Verletzungen in das Bezirkskrankenhaus Halle-Dölau verlegt. Dort wurde er isolationsgleich behandelt; Angehörigen wurde der Zutritt verwehrt.

Vier Tage nach seiner Fanal-Tat erlag er im Bezirkskrankenhaus Halle seinen schweren Verletzungen. Die Selbstverbrennung löste in der DDR und im Westen Bestürzung aus und entwickelte sich zu einem zentralen Wendepunkt im Verhältnis zwischen Staat und evangelischer Kirche in der DDR.

Es gab bereits vorher eine ganze Reihe ungewöhnlicher und öffentlichkeitswirksamer Protesthandlungen. Oskar Brüsewitz galt bei der Staatssicherheit, den SED-Behörden, aber oft auch innerhalb der eigenen Landeskirche schon lange vor 1976 als „Störenfried“ und unbequemer Provokateur.

Nach seinem Dienstantritt in Droßdorf-Rippicha im Jahr 1970 fiel er durch gezielte Aktionen auf:

𝟭. 𝗗𝗮𝘀 𝗡𝗲𝗼𝗻-𝗞𝗿𝗲𝘂𝘇 𝗮𝗺 𝗞𝗶𝗿𝗰𝗵𝘁𝘂𝗿𝗺 (𝟭𝟵𝟳𝟰)
Gegen den Widerstand der örtlichen staatlichen Organe installierte Brüsewitz am Turm der Dorfkirche in Rippicha ein drei Meter hohes, nachts weithin leuchtendes Kreuz aus Neonröhren. Da die Bundesstraße Gera–Zeitz direkt am Dorf vorbeiführte, war das leuchtende christliche Symbol für jeden Vorbeifahrenden unübersehbar. Als ein örtlicher SED-Funktionär drohte, das Kreuz herunterschießen zu lassen, ließ Brüsewitz sich nicht beeindrucken.

𝟮. 𝗗𝗶𝗲 „𝟮𝟬𝟬𝟬 𝗝𝗮𝗵𝗿𝗲 𝗞𝗶𝗿𝗰𝗵𝗲“-𝗣𝗹𝗮𝗸𝗮𝘁𝗲
Als das SED-Regime im Jahr 1974 das 25-jährige Bestehen der DDR großflächig mit Propagandaplakaten im öffentlichen Raum feierte, konterte Brüsewitz in seiner Gemeinde mit eigenen, handgemalten Transparenten:

„2000 Jahre Kirche Jesu Christi“

Damit stellte er der staatlichen Ideologie demonstrativ die Kontinuität des christlichen Glaubens gegenüber.

𝟯. 𝗗𝗮𝘀 „𝗞𝘂𝗰𝗸𝘂𝗰𝗸𝘀-𝗦𝘆𝗺𝗯𝗼𝗹“ 𝘂𝗻𝗱 𝗱𝗶𝗲 𝗔𝗸𝘁𝗶𝗼𝗻 𝗳𝘂̈𝗿 𝗝𝘂𝗴𝗲𝗻𝗱𝗹𝗶𝗰𝗵𝗲
Brüsewitz wandte sich gezielt an Kinder und Jugendliche, die von der staatlichen Pionierorganisation und der FDJ vereinnahmt wurden. Er baute unter anderem eigenhändig einen Kinderspielplatz im Pfarrgarten. Ein Schild mit einem Kuckuck und der Aufschrift „Hier ruft der Kuckuck“ diente als Einladung an Kinder zum Gottesdienst und zur Jungen Gemeinde – ein direkter Konkurrenzkurs zur staatlichen Erziehung, der ihm ständige Überwachung durch das MfS einbrachte.

𝟰. 𝗗𝗮𝘀 „𝗦𝘁𝗲𝗰𝗸𝗸𝗿𝗲𝘂𝘇“ 𝗶𝗺 𝗙𝗲𝗹𝗱
Um auf den Verfall von Kirchengebäuden und den Verlust christlicher Werte aufmerksam zu machen, stellte er auf Feldern und an Straßenrändern einfache Holzkreuze auf.

𝟱. 𝗨𝗻𝗴𝗲𝘄𝗼̈𝗵𝗻𝗹𝗶𝗰𝗵𝗲 𝗠𝗲𝘁𝗵𝗼𝗱𝗲𝗻 𝗶𝗻 𝗱𝗲𝗿 𝗦𝗲𝗲𝗹𝘀𝗼𝗿𝗴𝗲
Auch im Gottesdienst nutzte er teils drastische Mittel, um die Aufmerksamkeit seiner Gemeinde zu wecken: So ließ er etwa während Predigten Tauben oder Schafe in der Kirche frei oder läutete zu ungewöhnlichen Zeiten nachts die Kirchenglocken.

𝗗𝗲𝗿 𝗗𝗿𝘂𝗰𝗸 𝘃𝗼𝗿 𝗱𝗲𝗿 𝗧𝗮𝘁
Aufgrund dieser ständigen Konfrontationen geriet Brüsewitz unter enormen staatlichen Druck. Die Staatssicherheit beobachtete ihn intensiv, verhängte Geldstrafen und versuchte, die Kirchenleitung (Magdeburg) dazu zu bewegen, den unbequemen Pfarrer in eine andere, abgelegene Gemeinde zu versetzen oder ihn zu suspendieren.

Aus der Sorge, dass ihm seine Gemeinde entzogen und der Mund verboten werden sollte, wuchs in Brüsewitz im Sommer 1976 das Gefühl einer Ausweglosigkeit, das letztlich in seinem radikalen Fanal am 18. August mündete.

Weitere Informationen zum Thema finden Sie hier: https://www.mdr.de/religion/bruesewitz-sachsen-anhalt-gedenken-,selbstverbrennung-pfarrer-oskar-bruesewitz-michaeliskirche-zeitz-100.html

𝐃𝐞𝐫 𝟏𝟑. 𝐀𝐮𝐠𝐮𝐬𝐭 𝟏𝟗𝟔𝟏: 𝐀𝐥𝐬 𝐝𝐢𝐞 𝐒𝐄𝐃 𝐢𝐡𝐫 𝐕𝐨𝐥𝐤 𝐞𝐢𝐧𝐬𝐩𝐞𝐫𝐫𝐭𝐞 Am 13. August erinnert sich Deutschland an den Bau der Mauer. Die A...
13/08/2026

𝐃𝐞𝐫 𝟏𝟑. 𝐀𝐮𝐠𝐮𝐬𝐭 𝟏𝟗𝟔𝟏: 𝐀𝐥𝐬 𝐝𝐢𝐞 𝐒𝐄𝐃 𝐢𝐡𝐫 𝐕𝐨𝐥𝐤 𝐞𝐢𝐧𝐬𝐩𝐞𝐫𝐫𝐭𝐞

Am 13. August erinnert sich Deutschland an den Bau der Mauer. Die Aufmerksamkeit richtet sich dabei meist auf Berlin. Doch die Betonmauer mitten durch die Hauptstadt war nur der letzte Teil eines Systems, das Jahre zuvor auf den Feldern und in den Wäldern Thüringens begann. Wer den 13. August 1961 verstehen will, muss zunächst auf das Jahr 1952 blicken.

Am 26. Mai 1952 beschloss der DDR-Ministerrat, die Demarkationslinie zwischen DDR und BRD systematisch zu schließen. Innerhalb weniger Tage zogen die Grenztruppen Stacheldraht, später folgten dann ein zehn Meter breiter Kontrollstreifen und eine fünf Kilometer tiefe Sperrzone. Nachbarn wurden über Nacht zu Fremden, Höfe lagen plötzlich im Niemandsland. Thüringen traf dieser Schritt besonders hart: Kein anderes Bundesland hat heute mit rund 763 Kilometern einen so langen Abschnitt der innerdeutschen Grenze.

Die Abriegelung zerriss jedoch nicht nur die Landschaft – sie richtete sich gezielt gegen die Menschen. Unter dem zynischen Decknamen „Aktion Ungeziefer" vertrieb das SED-Regime im Mai und Juni 1952 Tausende Grenzbewohner. Wer als politisch unzuverlässig galt oder Kritik äußerte wurde zwangsausgesiedelt und musste seine Heimat innerhalb weniger Stunden verlassen.

Als am 13. August 1961 in Berlin die Mauer hochgezogen wurde, festigte das SED-Regime diesen Zustand. Es schloss die Grenzen und sperrte die Bevölkerung ein. In den Jahren danach wurde die innerdeutsche Grenze systematisch weiter ausgebaut und wurde zu einer undurchdringlichen Barriere. Viele bezahlten den Wunsch nach Freiheit mit ihrem Leben. An den Thüringer Abschnitten starben Dutzende Menschen bei Fluchtversuchen – sie verbluteten im Stacheldraht oder wurden von Grenzsoldaten erschossen. Das Gedenken an diese Opfer verpflichtet uns bis heute: Ihr Tod erinnert daran, was Unfreiheit bedeutet, und dass Freiheitsrechte und Rechtsstaatlichkeit nicht selbstverständlich sind.

Genau dort, wo einst dieser Todesstreifen verlief, ist nach 1990 etwas Neues entstanden: das Grüne Band. Entlang des ehemaligen Schutzstreifens hat sich die Natur das alte Sperrgebiet zurückerobert – auf über 1.400 Kilometern ist ein weltweit einmaliges Biotop gewachsen, ein lebendiges Denkmal der deutschen Teilung. Thüringen wies seinen Streifen 2018 als erstes Bundesland als Nationales Naturmonument aus. Inzwischen läuft der Antrag, das Grüne Band als UNESCO-Weltkulturerbe anerkennen zu lassen – als Symbol dafür, dass sich selbst die tödlichste Grenze mitten in Europa überwinden lässt.

„Die Mauer trennte nicht nur Berlin. Die Grenze teilte Deutschland und Europa. Heute entsteht mit dem Grünen Band dort ein Symbol der deutschen Einheit und der europäischen Freiheit. Ein von allen Bundesländern vorbereiteter Antrag, das Grüne Band als gemischtes UNSECO Welterbe zu gestalten, bietet die einmalige Chance die aus der ehemaligen Grenze dauerhaft als Symbol für Demokratie und die Bewahrung der Schöpfung zu entwickeln. Eine bessere Antwort auf den Versuch Menschen dauerhaft einzusperren, kann es nicht geben", so der Thüringer Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Dr. Peter Wurschi.

Mehr Informationen zum 13. August 1961 finden Sie unter:

Mit dem Mauerbau am 13. August 1961 wurden Millionen DDR-Bürger quasi über Nacht in der DDR eingesperrt - das letzte Schlupfloch für eine Flucht in den Westen und in die Freiheit wurde verschlossen. Die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur widmet sich in ihrer Arbeit der Auseinanderse...

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