Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes / Bund der Antifaschisten

Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes / Bund der Antifaschisten 1946 gegründet durch Überlebenden der faschistischen Haftstätten und Konzentrationslager

In Gedenken an Enver ŞimşekAm 9. September 2000 wurde Enver Şimşek in Nürnberg vom sogenannten „Nationalsozialistischen ...
09/09/2026

In Gedenken an Enver Şimşek

Am 9. September 2000 wurde Enver Şimşek in Nürnberg vom sogenannten „Nationalsozialistischen Untergrund“ (NSU) niedergeschossen. Zwei Tage später, am 11. September, starb er an seinen schweren Verletzungen. Er wurde 38 Jahre alt und war das erste Mordopfer des NSU.

Enver Şimşek war Ehemann, Vater zweier Kinder und selbstständiger Blumenhändler. 1985 war er nach Deutschland gekommen. Nachdem er zunächst bei einem Automobilzulieferer gearbeitet hatte, machte er sich Mitte der 1990er Jahre im Blumengroßhandel selbstständig. Er betrieb ein Geschäft im hessischen Schlüchtern und mehrere mobile Blumenstände. Eigentlich wollte er künftig weniger arbeiten und mehr Zeit mit seiner Familie verbringen.

Am 9. September 2000 vertrat er einen Mitarbeiter an einem seiner Blumenstände in Nürnberg. Während er in seinem Lieferwagen Blumen sortierte, schossen die Täter auf ihn. Enver Şimşek wurde von acht Kugeln aus zwei verschiedenen Waffen getroffen. Zwei Tage später erlag er seinen Verletzungen.

Seine Angehörigen vermuteten früh einen rassistischen Hintergrund der Tat. Doch statt dieser Spur konsequent nachzugehen, richteten sich die Ermittlungen gegen Enver Şimşek selbst und seine Familie. Jahrelang suchten die Behörden nach vermeintlichen Verbindungen zur organisierten Kriminalität und zum Drogenhandel. Die Angehörigen mussten nicht nur um einen geliebten Menschen trauern, sondern wurden gleichzeitig verdächtigt und stigmatisiert.

Erst mit der Selbstenttarnung des NSU im Jahr 2011 wurde öffentlich bekannt, dass Enver Şimşek aus rassistischen Motiven ermordet worden war. Das jahrelange Versagen der Sicherheits- und Ermittlungsbehörden ist Teil des NSU-Komplexes. Auch nach dem Ende des NSU-Prozesses bleiben zentrale Fragen zum Unterstützungsnetzwerk der Täter und zum Wissen staatlicher Behörden offen.

Wir erinnern an Enver Şimşek. Wir erinnern an die Opfer des NSU und stehen an der Seite ihrer Angehörigen.

Erinnerung bedeutet für uns auch, weiter Aufklärung zu fordern. Kein Schlussstrich unter den NSU-Komplex. Kein Vergessen der Opfer rechter und rassistischer Gewalt.

Niemand wird vergessen.

Jährlich am zweiten Sonntag im September gedenken wir der Opfer des Faschismus. Überlebende der Konzentrationslager und ...
08/09/2026

Jährlich am zweiten Sonntag im September gedenken wir der Opfer des Faschismus. Überlebende der Konzentrationslager und Zuchthäuser begründeten kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs diese Tradition: am 9. September 1945 versammelten sie sich zusammen mit hunderttausend Berlinerinnen und Berlinern, um an alle Opfer der Verbrechen der Faschisten zu erinnern. Es war eine kraftvolle Kundgebung gegen Krieg und Faschismus.

Die sich immer weiter verstärkende Gefahr von rechtsextremen Parteien und Bewegungen und ihre Wahlerfolge zeigen aus unserer Sicht, wie wichtig es ist, die Erinnerung an die Opfer des Faschismus wachzuhalten und immer wieder auf die Gefahren hinzuweisen, die von einem weiteren Erstarken dieser Kräfte in unserer heutigen Zeit ausgehen.

07/09/2026
Wir schauen nicht weg. Wir bleiben laut." – Zum Ergebnis der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt
06/09/2026

Wir schauen nicht weg. Wir bleiben laut." – Zum Ergebnis der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt

05/09/2026
29/08/2026

In Gedenken an Habil Kılıç – ermordet vom NSU

Am 29. August 2001 wurde Habil Kılıç in München-Ramersdorf vom sogenannten „Nationalsozialistischen Untergrund“ (NSU) ermordet. Er war 38 Jahre alt.

Habil Kılıç wurde 1963 in Borçka an der türkischen Schwarzmeerküste geboren. Anfang der 1990er Jahre zog er zu seiner Frau Pinar nach München, wo die beiden mit ihrer Tochter lebten. Er arbeitete in verschiedenen Reinigungs- und Speditionsfirmen und später auf einem Großmarkt. Gemeinsam mit seiner Frau eröffnete er außerdem den „Himmet Market“, einen kleinen Laden für Obst, Gemüse und türkische Spezialitäten.

Am 29. August 2001 arbeitete Habil Kılıç dort allein, während seine Frau in der Türkei war. Am helllichten Tag betraten die Täter den Laden und erschossen ihn hinter der Ladentheke. Er war das vierte Mordopfer des NSU.

Doch nach seiner Ermordung gerieten nicht die rechten Täter in den Fokus der Ermittlungen. Stattdessen ermittelte die Polizei im Umfeld von Habil Kılıç und seiner Familie und suchte nach Verbindungen zu organisierter Kriminalität und Drogenhandel. Selbst nachdem Angehörige einen rechtsextremen Hintergrund vermuteten, wurde dieser Spur nicht konsequent nachgegangen. Die Familie wurde durch die Ermittlungen zusätzlich stigmatisiert.

Erst mit der Selbstenttarnung des NSU im Jahr 2011 wurde öffentlich bekannt, dass Habil Kılıç aus rassistischen Motiven ermordet worden war. Das jahrelange Versagen der Sicherheits- und Ermittlungsbehörden gehört zur Geschichte des NSU-Komplexes. Bis heute sind Fragen nach dem Unterstützungsnetzwerk des NSU und dem Wissen staatlicher Behörden nicht vollständig beantwortet.

Wir erinnern an Habil Kılıç – an einen Ehemann, einen Vater und einen Menschen, der sich mit harter Arbeit gemeinsam mit seiner Familie ein Leben in München aufgebaut hatte.

Kein Schlussstrich!
Wir erinnern an die Opfer des NSU und stehen an der Seite ihrer Angehörigen. Wir fordern weiterhin vollständige Aufklärung über die rechten Netzwerke, ihre Unterstützer*innen und das Versagen staatlicher Behörden.

Habil Kılıç – niemand wird vergessen.

Gestern wurde die Wanderausstellung "Werner Seelenbinder - Ringer, Kommunist, Staatsfeind" in der, bis auf den letzten P...
29/08/2026

Gestern wurde die Wanderausstellung "Werner Seelenbinder - Ringer, Kommunist, Staatsfeind" in der, bis auf den letzten Platz besetzten Stadt- und Kreisbibliothek Bad Salzungen, organisiert durch die Kamerad:innen unserer Basisgruppe Bad Salzungen eröffnet.

Die Ausstellung wurde seit 2018 unter der Leitung von Dr. Oliver Rump mit seinen Studierenden an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin als Recherche- und Forschungsprojekt konzipiert. Ende 2023 wurde sie von ihm mit dem Leipziger Verein rasenballisten e.V. als Wanderausstellung realisiert.

Auch die Errichtung einer Gedenkstele für Werner Seelenbinder an der Bad Salzunger Werner Seelenbinder Halle, organisiert und realisiert durch die Kamerad:innen unserer Basisgruppe ist zu einem Teil der Ausstellung geworden.

Die Ausstellung kann bis 02. Oktober 2026 zu den Öffnungszeiten der Bibliothek besucht werden.

In der ukrainischen Stadt Kamjanez-Podilskyj (Kamenez-Podolsk) ermordeten deutsche Truppen, unter ihnen auch das Polizei...
26/08/2026

In der ukrainischen Stadt Kamjanez-Podilskyj (Kamenez-Podolsk) ermordeten deutsche Truppen, unter ihnen auch das Polizeibataillon 320 auf Initiative des SS- und Polizeiführers Friedrich Jeckeln ab dem 26. August 1941 etwa 23.000 jüdische Männer, Frauen und Kinder.

Etwa 12.000 Jüdinnen*Juden lebten bereits vor dem 2. Weltkrieg in Kamjanez-Podilskyj. Etwa 14.000 – 18.000 Jüdinnen*Juden waren kurz nach dem Überfall der Deutschen auf die Sowjetunion aus Ungarn in die von den Deutschen eroberten ukrainischen Gebiete deportiert worden.

Sie wurden ab dem 26. August unter dem Vorwand der Umsiedlung in langen Kolonen aus der Stadt geführt. Einige Kilometer nördlich von Kamjanez-Podilskyj mussten sie Ihr Gepäck abgeben, sich zum Teil entkleiden und mussten sich in einem Krater und vorab ausgehobenen Gräben auf den Boden und später auf die Leichen legen und wurden durch Kopfschüsse ermordet. Viele von ihnen wurden noch lebendig begraben.

Das Massaker von Kamjanez-Podilskyj war die erst Tötung von Jüdinnen*Juden in dieser Art und diesem Ausmaß. Es war der Übergang zur systematischen Ermordung der europäischen Jüdinnen*Juden.

Die etwa 5.000 noch in der Stadt und dem Umland verbleibenden Jüdinnen*Juden, die die Tage des Massakers überlebten wurden in einem Ghetto zusammengetrieben. Nach der Auflösung des Ghettos von August – November 1942 wurden sie ebenfalls ermordet.

Adresse

Eugen-Richter-Str. 45
Erfurt
99085

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