09/09/2026
In Gedenken an Enver Şimşek
Am 9. September 2000 wurde Enver Şimşek in Nürnberg vom sogenannten „Nationalsozialistischen Untergrund“ (NSU) niedergeschossen. Zwei Tage später, am 11. September, starb er an seinen schweren Verletzungen. Er wurde 38 Jahre alt und war das erste Mordopfer des NSU.
Enver Şimşek war Ehemann, Vater zweier Kinder und selbstständiger Blumenhändler. 1985 war er nach Deutschland gekommen. Nachdem er zunächst bei einem Automobilzulieferer gearbeitet hatte, machte er sich Mitte der 1990er Jahre im Blumengroßhandel selbstständig. Er betrieb ein Geschäft im hessischen Schlüchtern und mehrere mobile Blumenstände. Eigentlich wollte er künftig weniger arbeiten und mehr Zeit mit seiner Familie verbringen.
Am 9. September 2000 vertrat er einen Mitarbeiter an einem seiner Blumenstände in Nürnberg. Während er in seinem Lieferwagen Blumen sortierte, schossen die Täter auf ihn. Enver Şimşek wurde von acht Kugeln aus zwei verschiedenen Waffen getroffen. Zwei Tage später erlag er seinen Verletzungen.
Seine Angehörigen vermuteten früh einen rassistischen Hintergrund der Tat. Doch statt dieser Spur konsequent nachzugehen, richteten sich die Ermittlungen gegen Enver Şimşek selbst und seine Familie. Jahrelang suchten die Behörden nach vermeintlichen Verbindungen zur organisierten Kriminalität und zum Drogenhandel. Die Angehörigen mussten nicht nur um einen geliebten Menschen trauern, sondern wurden gleichzeitig verdächtigt und stigmatisiert.
Erst mit der Selbstenttarnung des NSU im Jahr 2011 wurde öffentlich bekannt, dass Enver Şimşek aus rassistischen Motiven ermordet worden war. Das jahrelange Versagen der Sicherheits- und Ermittlungsbehörden ist Teil des NSU-Komplexes. Auch nach dem Ende des NSU-Prozesses bleiben zentrale Fragen zum Unterstützungsnetzwerk der Täter und zum Wissen staatlicher Behörden offen.
Wir erinnern an Enver Şimşek. Wir erinnern an die Opfer des NSU und stehen an der Seite ihrer Angehörigen.
Erinnerung bedeutet für uns auch, weiter Aufklärung zu fordern. Kein Schlussstrich unter den NSU-Komplex. Kein Vergessen der Opfer rechter und rassistischer Gewalt.
Niemand wird vergessen.