23/09/2022
IG Ickten nach der Ortsbegehung „Icktener Bachtal“ am
22.9.22
Selbst bessere Argumente und Anschauungsunterricht – helfen nicht gegen
politische Position.
Die IG Ickten weiter enttäuscht und verärgert über die Politik zur Bebauung des
Icktener Bachtales.
Die Bereitschaft von Mitgliedern des Rates der Stadt Essen zum Dialog mit den
Bürgern von Ickten zur Rettung der Natur und damit ihrer Segnungen für die
Menschen zeigte sich erstmals in dem seit mehr als 8 Jahre dauernden
Verfahren. Alle waren auf die Einladung der IG Ickten zur Ortsbegehung am 22.
09.22 gekommen. Alle? Nicht die Grünen. Die hatten auf den verschiedenen
Stationen des Verfahrens mal so, mal so votiert. Jetzt aber, wo es um
Machterhalt mit der CDU im Rat geht, vergessen sie ihre grünen Wurzeln,
belügen sich und die anderen über die Situation im Icktener Bachtal und sind
nicht bereit, sich mal anzuschauen, dass sie ihr eigenes Parteiprogramm mit
den Füßen treten.
Ein traditioneller Grünwähler aus Ickten und Wissenschaftler mailt die Essener
Grünen an und bringt es auf den Punkt: „Wenn man schon die grünen Ideale
verrät, dann sollte man sich doch bitte auch der Kritik stellen und erklären,
welche Gründe es rechtfertigen, ein Grundstück zu bebauen, das nur
aufwändig und teuer zu bebauen ist“. Und die baupolitische Sprecherin der
Grünen erfährt von ihm:“ … es ist eine Frechheit, ein Foto von 2009 zu
verwenden, um die Schutzwürdigkeit des Icktener Bachtals (ehemaliger
Tennisplatz) in Zweifel zu ziehen“. Schlampig oder Täuschung??
Und die SPD: Drei Mitglieder des Rates stellen sich. Es sind die, die die
eingefahrenen Gleise in der Fraktion nicht mitgehen wollten. Die aber trotz
Parteiprogrammversprechen, Landschaftsschutzgebiete und Grünflächen nicht
zu bebauen, gegen die Mehrheit aus dem Norden und Alteingefahrenen
verloren haben und jetzt dem Fraktionszwang unterliegen. Weil an den Zeichen
der Zeit vorbei, stimmen sie die Natur kaputt.
Die FDP: Nur einer, aber sehr wortgewaltig. Klammert weiter an widerlegten
Argumenten, hat aber den einen und anderen Rat, was wir im Streit um die
Bebauung hätten besser machen können und noch versuchen sollten.
Die CDU: Sie hat den Stein ins Rollen gebracht und mit Besetzung aller
Entscheidungsstellen daraus eine unaufhaltsame Entscheidung erreicht. Was
wir gezeigt haben, war nicht interessant, weil störend. Hochwasser,
Schmutzwasser im Icktener Bach, vorhandener Wald, nachwachsender Wald,
Ortsunüblichkeit der geplanten Bebauung wurde nicht wahrgenommen.
Wohnraumbedarf und Wirtschaftlichkeit, das wurde mit uns streitig diskutiert.
Und es wurde eingeräumt, dass die Bedarfsprognosen alle falsch sein können.
Wieso dafür dann ein Landschaftsschutzgebiet geopfert werden soll? Selbst bei
der Wirtschaftlichkeit ließ sich die Behauptung nicht halten, dass sie
vergleichbar sei mit anderen Standorten.
Die Bürger machten Dampf. Der eine mit Sachargumenten, die nächste
emotional und ein anderer politisch.
Die CDU will nicht, die SPD kann nicht und die Grünen tauchen ab.
Die Linken und die Gruppe Tierschutz, die haben bei dem Thema die Zeichen
der Zeit verstanden. Und besser als die Bürger dazu in der Lage sind, haben sie
alle ihre Gründe gegen die Umwidmung des LSG und gegen die Bebauung
vorgebracht und versichert, dass sie gegen den Vorschlag der Verwaltung
stimmen werden und auch bei den nächsten Verfahrensschritten ihre
Zustimmung verweigern. Es könnte ja auch sein, dass ein möglicher Investor
das alles als zu teuer, zu aufwändig, nicht wirtschaftlich usw. empfindet.
Die Icktener legen nach: Die Verwaltung selbst verwickelt sich in viele
Widersprüche und zeigt auf, warum dort nicht gebaut werden kann.
So redet sie allein wegen der Kleinheit des Areals die (ökologische)
Schutzwürdigkeit herunter und andererseits die Wirtschaftlichkeit herauf,
nachdem sie zu Beginn des Verfahrens geklagt hatte, dass nur mit 90
Wohneinheiten das Projekt wirtschaftlich sei. Nun stehen im Plan noch 30 WE
(oder gibt es vielleicht schon Überlegungen einem Investor mehr
zuzugestehen?)
Und die Verwaltung sieht wegen des Waldes (den sie zerstört) die Lage als
lokalklimatisch günstig. Gleichzeitig sieht sie in dem Niederungsbereich das
Schwülepotenzial als bioklimatischen Ungunstraum. Schmückende Worte, die
in einer früheren Fassung der Verwaltung deutlicher waren: Schwüle und
Nebelbildung können eine gesundheitliche Beeinträchtigung werden.
Welcher Investor will seinen Mietern solche Gesundheitsbelastungen zumuten
und welcher Mieter sich und seinen Kindern.
Auch wenn die Politik dies alles übersieht, um endlich den Beschluss
durchzudrücken, es bleiben noch Argumente und Gelegenheiten diese
politische Fehlentscheidung zu revidieren
Die IG Ickten