25/07/2026
Aktenzeichen XY, am Mittwoch 29.07. um 20.15 Uhr im ZDF
Burgaltendorf - eigentlich ein idyllischer Stadtteil im Südosten Essen. Hier lebte die Rentnerin und mehrfache Millionärin Lieselotte Hohlmann. Seit dem Tod ihres Mannes 1987 wohnte sie zurückgezogen in ihrem Haus in der Charlottenstraße, fast wie in einer Festung. Niemanden ohne Vorankündigung oder Termin ließ sie auf ihr Grundstück, geschweige denn in ihr Haus. Selbst dann schaute sie vorher jedesmal durch ein kleines Fenster, wer am Eingangstor klingelte, bevor sie öffnete. Nie und nimmer hätte sie einen Fremden herein gelassen. Jeden Besuch trug sie akribisch in ihr Tagebuch ein - wann, wer, warum und zu welcher Zeit. Eigentlich sollte der Tag im August ein schöner Sommertag mit bis zu 26 Grad werden, doch es kam ganz anders.
Am frühen Abend des 27.08.1997 wurde die 78 Jahre alte Lieselotte Hohlmann tot in ihrem Haus aufgefunden. Ihre Freundin Christa Pieper versuchte seit geraumer Zeit Lieselotte Hohlmann telefonisch zu erreichen. Da sie auch zum wiederholten Male nicht auf die Anrufe reagierte, verließ Christa Pieper aus Sorge ihren Friseursalon und fuhr zur Charlottenstraße, klingelte und machte sich laut am Eingangstor zum Grundstück bemerkbar. Keine Antwort. Daraufhin eilte sie zu einem Nachbarn, der ihr behilflich war ein Kippfenster zu öffnen und in das Haus einzusteigen. Das was sie dann zu sehen bekam, kann sie bis heute nicht vergessen. "Ihr Körper lag auf einer Bettdecke kopfüber mit eingeschlagenem Schädel und blutüberströmt auf der Treppe des Eingangsbereichs, die Wände entlang der Treppe blutverschmiert, als hätte Lieselotte versucht sich irgendwie festzuhalten, als man sie von oben herunterzog“, erinnert sich die heute 80jährige an diesen schrecklichen Tag. Der damals ermittelnde Hauptkommissar Frank Vogt sprach von einem Gewaltausbruch in rasender Wut, bei der der Täter mit allem, was er im Flur fand auf den Kopf des Opfers eingeschlagen hat. Eine der Tatwaffen, die immer neben der Eingangstür im Schirmständer stand könnte ein dreiteiliger verifizierter Spazierstock mit goldenem Pferdekopf gewesen sein, der nach der Bluttat verschwunden war, sagte Frank Vogt im weiteren Verlauf der Ermittlungen.
Zum Zeitpunkt des Auffindens der Leiche war Lieselotte Hohlmann schon seit Stunden tot, wie sich später bei der Obduktion herausstellte. „Sie muss morgens noch das Haus verlassen haben. Die Mülltonnen in der Charlottenstraße wurden recht früh geleert. In der Mülltonne befand sich allerdings noch ein Verband, den sie jeden Morgen wechselte. Niemand außer ihr durfte aus Scham den Verband entsorgen. Sie hatte sich beim Schließen einer Garage an ihrem Haushaltswarengeschäft an der Viehofer Straße verletzt, eine langwierige Sache. Dieser Verband war der einzige Gegenstand in der Mülltonne. Wenn sie zur Mülltonne ging, ließ sie ihre Haustür immer für einige Momente geöffnet“, weiß Christa Pieper weiter zu berichten.
War das die Gelegenheit für den Täter, um in das Haus zu gelangen, nachdem er sich vorher über den Zaun Zutritt zum Grundstück verschafft und sich dort versteckt gehalten hat? War er es, der sich in die Kellerräume zurückzog, dort alle Geräte wie die lauten Kühltruhen und Kühlschranke aus der Steckdose zog, um alles im Haus hören zu können? Hat er sich nach der Tat in diesen Räumen noch geduscht und die zahlreichen Fingerabdrücke an den Wänden der Dusche hinterlassen?
Da Frank Vogt nach 10 Jahren Ermittlung glaubte, die Tatzeit mit elf Uhr halbwegs genau bestimmen zu können, muss das grausame Verbrechen zwischen den Leerungen der Mülltonnen und dieser Zeit geschehen sein.
Im Zusammenhang mit dem Mord berichtete eine Nachbarin zu diesem Zeitpunkt von Schreien aus dem Haus, andere Zeugen von der zweimaligen Beobachtung eines nahe dem Haus parkenden
unbekannten Mercedes mit Fahrer, den sie gesehen haben.
Die Spurensicherung konnte nirgendwo am Haus Einbruchspuren finden. Der Haustürschlüssel steckte von innen. War es also entweder der Unbekannte aus dem Vorgarten oder ein Bekannter, den Lieselotte Hohlmann einließ? Die Beute übrigens waren bis zu 10000 Mark, die sie immer in der Handtasche bei sich führte und ausgerechnet ihre zwei Tagebücher mit allen Einträgen und Terminen des Opfers. Augenscheinlich wurden sie aus ihrem auf dem Grundstück geparkten Auto entwendet. In diesen Tagebüchern wird sie wohl auch vermerkt haben, dass an diesem Tag der Notar kommen wollte, um ihrem Willen nach einer Änderung im Testament zugunsten ihrer Nichten nachzukommen, alle nötigen Unterlagen waren in der Wohnung schon bereit gelegt. War dort noch ein anderer Termin vermerkt, der unbedingt beseitigt werden musste? Der Termin mit dem Täter und kannte sie ihn? Wer hatte Interesse an ihrem Tod?
Im Verdacht stand der damals 31-jährige Adoptivsohn Axel B., Erbe des beträchtlichen Vermögens. Laut seiner Aussage war er zur Tatzeit allerdings für Lieselotte Hohlmann geschäftlich unterwegs gewesen, wie auch seine Eltern bestätigen. Doch ein Restverdacht blieb, denn Zeugen wollten wissen, dass die Millionärin nicht mit seinem Lebenswandel einverstanden war.
Der Mord an der Millionärin Lieselotte Hohlmann lässt vielen Burgaltendorfern bis heute, allen voran Christa Pieper, keine Ruhe. Ihr sehnlichster Wunsch ist es zu erleben, dass es der Polizei nach all den Jahren gelingt mithilfe neuer Methoden den Täter zu ermitteln, zu überführen und ihn der gerechten Strafe zuzuführen. Für den Fall, dass aufgrund neuer sachdienlicher Hinweise der oder die Täter gefunden und der Tat überführt werden können, wird von ihr eine Belohnung von 5000 Euro ausgelobt. Jeder Hinweis, sei er für den Betrachter auch noch so unbedeutend, nimmt die Polizei unter der Telefonnummer 829-0 entgegen.
Hoffnung in diesem Mordfall macht eine im November 2023 gegründete Ermittlungsgruppe „Cold Cases“. Dank neuer Ermittlungsansätze und neuen technischen Untersuchungsmitteln gelingt es vielleicht doch noch den Täter zur Rechenschaft zu ziehen.
Die derzeit über 50 ungelösten Fälle werden in 3 Phasen unterteilt. In der Phase 1 werden Verbrechen aus den Jahren 1990 bis 2015 wieder aufgenommen und abgearbeitet. Dazu gehört vielleicht auch der „Cold Case Lieselotte Hohlmann“.
Da die Kriminal- und Labortechniken in den letzten Jahrzehnten weiter entwickelt wurden, können die Ermittler nun mit anderen Standards arbeiten, um Täter zu überführen.
So sind sogenannte Leichenfolien (Haft-streifen, die auf die Toten geklebt wurden) auch nach Jahrzehnten in der Asservatenkammer heutzutage eine Petrischale für Forensiker. Kleinste auf den Folien gefundene Hautschuppen können mit dem Picking-Verfahren zu einer erfolgreichen DNA-Analyse führen. Demnach kann mithilfe dieser Methode eine sogenannte Phänotypisierung, Aussagen über die Augen-,
Haut- und Haarfarbe, als auch das chronologische Alter des Täters zur Tatzeit festgestellt werden.
Bis dato wurden aus DNA-Spuren bisher lediglich Geschlecht und genetische Identität hergeleitet.
Dank einer europaweiten DNA-Analyse-Datei (DAD) wird anschließend geprüft, ob Treffer vorliegen und Personen zugeordnet werden können.
So hofft die Ermittlungsgruppe, dass sich Zeugen melden, die sich an den damaligen Mordfall erinnern können oder dass sich Zeugen melden, die ihre Einstellung geändert haben und darauf warten ihre Aussagen machen zu können.
Für die Aufklärung können auch heute noch folgende Fragen von Bedeutung sein:
• Wer kann Hinweise auf den Täter geben?
• Wer hat die Getötete am Morgen bzw. frühen Vormittag des 27.08.1997 gesehen?
• Wer hat zur Tatzeit oder zu anderen Zeiten auffällige Beobachtungen gemacht oder von auffälligen Beobachtungen gehört, die mit dem Vorfall in Verbindung stehen könnten?
• Wer hat am Tattag den parkenden PKW gesehen?
• Wer kann Angaben zu der Person machen, die sich im Fahrzeug befand?