08/07/2026
🎊 Betriebsjubiläen in der Sängerstadt 🎊
70 Jahre Schuh-Naumann 💐💚
70 Jahre Schuhmachertradition – dieses Jubiläum steht in der Sängerstadt nicht nur für die Geschichte eines Betriebes, sondern auch für die Geschichte einer Familie und eines Handwerks, das heute seltener geworden ist als je zuvor. Die Schuhmacherwerkstatt Naumann feiert in diesem Jahr ihr 70-jähriges Bestehen. Für den heutigen Inhaber ist es zugleich ein ganz persönliches Jubiläum: Seit 50 Jahren trägt er den Meistertitel.
Das Handwerk wurde ihm praktisch in die Wiege gelegt. Vom Vater lernte er alles, was ein guter Schuhmacher wissen muss. 1956 entstand die heutige Werkstatt, in der er aufwuchs und die bis heute sein Lebensmittelpunkt geblieben ist. Dabei bilden Reparaturen nach wie vor den Schwerpunkt der Arbeit. Rund 90 Prozent der Aufträge bestehen darin, Schuhe, Taschen, Gürtel oder andere Lederwaren wieder instand zu setzen. Erst nach der Wende gewann auch der Verkauf an Bedeutung. Dennoch steht nach wie vor die Erhaltung im Mittelpunkt. Ein abgelaufener Sneaker kann oft schon für rund 15 Euro repariert werden, neue Absätze für Pumps kosten etwa 10 Euro. Auch hochwertige Wanderschuhe, etwa von Meindl, werden sorgfältig aufgearbeitet. Viele Kunden kommen mit ihren Lieblingsschuhen oder ihrer Lieblingstasche in die Werkstatt und hoffen auf Hilfe. „Kein Problem, ich kann das Problem lösen“, lautet in fast allen Fällen die zuversichtliche Antwort von Klaus Naumann.
Mittlerweile landen Anfragen von Kundinnen und Kunden aus den unterschiedlichsten Regionen bei Klaus Naumann: Während des Gesprächs brachte ein Ehepaar aus Senftenberg gleich drei Paar Schuhe – unter anderem Motorradstiefel - vorbei. In einer Woche geht es wieder auf Tour, die Stiefel werden dringend benötigt. Solche Geschichten gehören für Naumanns zum Alltag. Die Kundschaft kommt aber längst nicht nur aus der unmittelbaren Umgebung. Sogar aus den USA erreichte ihn ein Paar Schuhe: Der Enkelsohn einer Kundin hatte seine Lieblingsschuhe aus Amerika nach Finsterwalde geschickt, weil die Sohle ein Loch hatte. Die Reparatur kostete rund 140 Euro, anschließend gingen die Schuhe zurück über den Atlantik. Kurz darauf kam ein Foto aus Amerika – der glückliche Besitzer trug seine Lieblingsschuhe wieder an den Füßen.
Obwohl Schuhmacher-Meister Klaus Naumann offiziell längst Rentner ist, kann er sich ein Leben ohne Werkstatt kaum vorstellen. Mit brennender Leidenschaft und überwältigender Herzlichkeit erzählt er von seinem Beruf, der für ihn eine absolute Berufung ist. Auch viele prägende Erinnerungen sind für ihn mit diesem Ort verbunden: Aus der Kriegsgefangenschaft in Griechenland schickte sein Vater Heinz Naumann an dessen Mutter nicht nur Gewürze, sondern auch eine kleine Landschildkröte namens Lisette. In einer Streichholzschachtel gelangte sie nach Finsterwalde. Heute ist Lisette 82 Jahre alt. Gemeinsam mit drei weitere Schildkröten lebt sie bei Familie Naumann und kann von Mai bis Oktober im Vorgarten beobachtet werden. Viele Generationen verbinden damit Kindheitserinnerungen, die Schildkröten von den Naumanns sind mittlerweile eine richtig kleine Berühmtheit in der Sängerstadt.
Eine entscheidende Rolle für den Erfolg des Betriebes spielt seine Lebensgefährtin Sabine Wolf. Sie kümmert sich um Buchhaltung, Dekoration, Organisation und viele Aufgaben im Hintergrund. Für Klaus Naumann steht fest: Ohne sie wäre vieles nicht möglich gewesen.
Die Entwicklung des Handwerks hat Klaus Naumann über Jahrzehnte hinweg aufmerksam verfolgt. Einst gab es in der Region rund 120 Betriebe aus den Bereichen Orthopädie, Schuhmacherei, Sanitätshäuser und Schuhhandel. Heute sind davon nur noch etwa 16 übrig geblieben. Zwar wird der Beruf des Schuhmachers weiterhin ausgebildet, dies jedoch vor allem in größeren Städten, wo noch rahmengenähte Maßschuhe für anspruchsvolle Kundschaft gefertigt werden. Die Zukunft sieht der Finsterwalder vor allem in der Orthopädie-Schuhmacherei. Gleichzeitig ist er überzeugt, dass handwerkliche Berufe auch künftig gebraucht werden. „Die heutigen Handwerker sind alles Individualisten – sonst gäbe es die Betriebe nicht mehr“, sagt er.
Nach 70 Jahren Betriebsgeschichte und 50 Jahren Meisterschaft steht die Schuhmacherwerkstatt Klaus Naumann damit nicht nur für handwerkliches Können, sondern auch für Beständigkeit, Leidenschaft und die Fähigkeit, Dinge zu bewahren, die anderen längst verloren erscheinen.
📌 Credo des Chefs: Was einem etwas bedeutet, das lohnt sich zu reparieren – in einer Zeit, in der vieles schnell ersetzt wird, hat diese Überzeugung einen ganz besonderen Wert.
Kontakt 🗺☎💻
Schuh–Naumann-Finsterwalde
Schützenstraße 17
03238 Finsterwalde
03531-61504
[email protected]
📸 Klaus Naumann (Inhaber Schuh-Naumann) und Torsten Drescher (Wirtschaftsförderer Stadt Finsterwalde)
📝📞 Kennt ihr auch jemanden, der ein besonderes Betriebsjubiläum zu feiern hat und den wir unbedingt einmal vorstellen sollten? Dann lasst es uns gern telefonisch unter der 03531 783 501 oder per Mail unter [email protected] wissen.