07/09/2026
Helena Barop
Der große Rausch:
Warum Drogen kriminalisiert werden.
Eine globale Geschichte vom 19. Jahrhundert bis heute
Siedler Verlag, 2023
ISBN: 3827501725,
9783827501721
26,00 €
Dieses Buch begeistert bereits auf den ersten Blick. Das Inhaltsverzeichnis verspricht eine übersichtliche, gut nachvollziehbare Erzählstruktur. Doch es hält mehr, als erwartet. Die Lesenden werden Schritt für Schritt auf eine Reise mitgenommen, die in diverse kulturelle, politische und juristische Ebenen entführt. Dabei bleibt die historische Zeitleiste ein Kompass, der sicher davor bewahrt, sich in Details zu verlieren.
Im Gegensatz zum Buchtitel wirkt die Lektüre maßlos ernüchternd. Mit analytischem Scharfsinn, kritischem Hinterfragen und kompetenten Einordnungen werden wesentliche Begründungen, mit denen die aktuell praktizierte Drogenprohibition gerechtfertigt wird, auf den Prüfstand gestellt. Und, ich darf spoilern, diese Begründungen bestehen diese Prüfung nicht. Ungenügend, setzen – so würde ich gern den Apologeten der Repression sagen und ihnen die Hausaufgabe mitgeben, das Buch von Helena Barop gründlich zu studieren.
Bereits auf den ersten Seiten macht Helena Barop deutlich, dass Prohibition bereits im Ursprung von Willkür, sachfremden Argumenten und ideologischen Prämissen geprägt war. Die in der aktuellen Situation oft vorgetragene Behauptung, das Verbot diene dem Schutz der Gesundheit, erweist sich nach aufmerksamer Lektüre als Illusion. Moralische und rassistische (Vor)Urteile waren und sind wesentlich entscheidender bei der Einführung, Umsetzung und Beibehaltung der modernen Drogenprohibition.
So erweist sich „Der große Rausch“ als intensive Zeitreise, einer Fahrt durch eine von Politik, Medien und Gesellschaft eingerichtete Geisterbahn, die schließlich hart im Heute aufschlägt.
Dabei gelingt Helena Barop das Wunder, diese Reise nicht nur sachlich-kompetent und verständlich darzustellen, sondern dabei auch spannend und unterhaltsam zu erzählen.
Zur Autorin
„Helena Barop, geboren 1986, studierte in Freiburg und Rom Geschichte und Philosophie. Ihre Doktorarbeit »Mohnblumenkriege. Die globale Drogenpolitik der USA, 1950-1979« hat viel Beachtung in den Medien gefunden und wurde mit gleich drei renommierten Preisen ausgezeichnet: Mit dem Deutschen Studienpreis der Körber-Stiftung (2. Platz Geistes- und Kulturwissenschaften), dem Gerhard-Ritter-Preis der Universität Freiburg und dem Preis der AG Internationale Geschichte im Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands. Helena Barop lebt in Freiburg und arbeitet seit 2021 als freie Autorin.“