07/10/2024
Der 7.Oktober 1944 - ein Schicksalstag für Freiberg - Gedenken heißt erinnern - aber auch Zukunft gestalten!
Als Vertreter der Stadt Freiberg nahm ich heute an der Gedenkveranstaltung anlässlich der Bombardierung Freibergs teil.
Ich habe meine Rede dazu hier eingestellt - Ein solcher Tag macht traurig und nachdenklich und alles formuliert sich in einem einzigen Begriff: Frieden!
Gedenkfeier 80. Jahrestag des Bombenangriffes auf Freiberg
Meine sehr geehrten Damen und Herren,
Als Stellvertreter des Oberbürgermeisters bin ich heute beauftragt, mit Ihnen gemeinsam jenes schrecklichen Tages in der Geschichte unserer Heimatstadt zu gedenken, der so viele Freiberger Bürger zum Opfer gefallen sind.
Das für Freiberg herausragende Ereignis ist eingebettet in einem Großen und Ganzen und ich möchte als Historiker zunächst eine Einordnung in die Lage Deutschlands im Herbst 1944 versuchen:
Militärisch gesehen war das Ende des Dritten Reiches im Oktober bereits absehbar:
Die im Sommer 1944 begonnene Invasion in Frankreich zwang Deutschland in einen zwei Fronten Krieg, bereits Ende August ist Paris an die Alliierten kampflos übergeben worden und am 21. Oktober 1944 fiel mit Aachen die erste deutsche Großstadt.
Die Lage im Osten sah nicht anders aus. Auch hier geriet das Deutsche Reich militärisch in Bedrängnis. Nach einer weiteren Offensive überschritten Sowjetische Armeen erstmals am 10. Oktober die Reichsgrenze in Ostpreußen. Auch wenn dieser Vorstoß noch einmal abgewehrt wurde, konnte dies das letztlich unvermeidbare nicht verhindern.
In Warschau scheiterte der Aufstand der Heimatarmee am 2.Oktober und Polens Hauptstadt wurde in Schutt und Asche gelegt.
Und der Luftkrieg? Hier wurden die ohnehin massiven Bombardierungen durch die Alliierten Luftstreitkräfte nochmals erheblich intensiviert.
In der Bombennacht vom 5. Oktober 1944 wird Saarbrücken in nur einer halben Stunde so derart zerstört, dass 45.000 Einwohner obdachlos wurden.
Am 7. Oktober wird Kleve durch zwei britische Bombenangriffe zu etwa 80 % zerstört. Es folgte der Bombenangriff auf Braunschweig am 15. Oktober 1944 und der erste schwere Luftangriff auf die Stadt Bonn verwüstet die Innenstadt vollständig.
Freiberg war dabei „nur“ eine Randnotiz.
Doch etwas steht fest – der Bombenkrieg auf die Zivile Bevölkerung mit dem Ziel eben diese zu zermürben verfehlte seine Wirkung vollkommen. - Nutzlos - Sinnlos!
Und im Deutschen Reich – wie sah es da aus?
Ende September wurde von der Reichsregierung bestimmt, dass alle Waffenfähigen Männer im Alter von 16-60 in den sog. Volkssturm einberufen werden. Im Oktober begann die Aufstellung der ersten Einheiten, schlecht ausgerüstet und noch schlechter motiviert. Das Reich sammelte sein letztes Aufgebot – für viele Menschen ein Signal, dass ein Endsieg – an dem viele Menschen noch fest glaubten - nicht mehr zu erreichen ist. Nutzlos - Sinnlos!!
In der Reichshauptstadt wurden selbst unter dem Eindruck unablässiger Bombardierungen auch im Oktober 44 weiter unzählige Todesurteile gefällt und die sog. Verschwörer vom 20.Juni 1944 reihenweise Abgeurteilt und Hingerichtet.
Was wäre uns erspart geblieben, wenn die Männer und Frauen des 20. Juni Erfolg gehabt hätten – unter anderem eben auch die Bombardierung unserer Heimatstadt.
Und dennoch: verbissen meisterten die Menschen in Freiberg ihren Alltag, kamen zurecht mit den Unzulänglichkeiten, Einschränkungen und Lebensmittelknappheiten. Der Krieg war als reales Erlebnis für Freiberg noch weit weg.
Mit dem Bombenangriff auf die Stadt änderte sich das komplett.
Nun war der Krieg in seiner ganzen grausamen Wucht gegenwärtig, mit all seinen Leiden, seiner Not und vielen Toten.
Unmittelbar- Real!
Dies veränderte auch unsere Heimatstadt – nicht nur äußerlich durch die Zerstörungen – auch im inneren der Menschen. Gefühle der Ohnmacht und Verbitterung machten sich breit aber auch Mitempfinden und Hilfsbereitschafts – die Menschen rückten zusammen!
Die sichtbaren Wunden in unserer Heimatstadt waren bald geschlossen. Für die Wunden im inneren der Menschen brauchte es viel mehr Zeit.
Deswegen sind und bleiben die Opfer unserer Stadt immer auch eine zeitlose Mahnung für uns alle und dies gilt insbesondere in dieser unseren Zeit, in der der Krieg näher an uns selbst und näher in unser Bewusstsein gerückt ist:
Lasst uns gemeinsam die Herausforderungen meistern – lasst uns zusammenstehen und jede Anstrengung unternehme Frieden zu stiften und von den politisch verantwortlichen Frieden zu fordern.
Denn ohne Frieden haben wir, haben unsere Kinder keine Zukunft!
Herzlichen Dank!