08/07/2026
𝗡𝗶𝗰𝗵𝘁 𝗱𝗶𝗲 𝗕𝗲𝗵𝗶𝗻𝗱𝗲𝗿𝘂𝗻𝗴 𝘇𝗮̈𝗵𝗹𝘁 – 𝘀𝗼𝗻𝗱𝗲𝗿𝗻 𝗱𝗲𝗿 𝗠𝗲𝗻𝘀𝗰𝗵
𝘚𝘗𝘋-𝘒𝘳𝘦𝘪𝘴𝘵𝘢𝘨𝘴𝘧𝘳𝘢𝘬𝘵𝘪𝘰𝘯 𝘣𝘦𝘴𝘶𝘤𝘩𝘵 𝘥𝘦𝘯 𝘙𝘢𝘶𝘩𝘦𝘯 𝘉𝘦𝘳𝘨 𝘪𝘯 𝘎𝘦𝘭𝘯𝘩𝘢𝘢𝘳
Wie gelebte Inklusion, Teilhabe und Selbstbestimmung in der Praxis aussehen können, davon machte sich die SPD-Kreistagsfraktion des Wetteraukreises gemeinsam mit Vertretern der SPD-Fraktion der Ortenberger Stadtverordnetenversammlung im Rahmen ihrer Sommertour ein Bild. Ziel war der Rauhe Berg in Gelnhaar – eine Einrichtung, die seit vielen Jahrzehnten Menschen mit Behinderungen auf ihrem Weg zu einem möglichst selbstbestimmten Leben begleitet. Die Anregung für den Besuch kam von der Kreistagsabgeordneten und ehemaligen Ortenberger Bürgermeisterin Ulrike Pfeifer-Pantring.
Lisa Hölker, Carsten Rügner-Kipper und Winfried Krebs stellten den Gästen die Arbeit der Einrichtung vor und berichteten über aktuelle Herausforderungen. Der Rauhe Berg bietet weit mehr als Wohn- und Arbeitsplätze. Ziel ist es, Menschen entsprechend ihrer individuellen Fähigkeiten zu fördern und ihnen ein möglichst eigenständiges Leben zu ermöglichen. Die Einrichtung hat 64 Wohnplätze. Es werden aktuell 30 Menschen in der eigenen Häuslichkeit begleitet, diese wohnen auch teilweise nicht auf dem Einrichtungsgelände, insbesondere in Büdingen. Gleichzeitig wurde deutlich, dass geeigneter Wohnraum nach wie vor knapp ist und Menschen mit Behinderungen bei der Wohnungssuche leider immer wieder auf Vorbehalte stoßen. In diesem Zusammenhang wurde das Problem der unzureichenden Anbindung an einen attraktiven öffentlichen Personennahverkehr angesprochen. Dies schränkt die Mobilität der Bewohner stark ein.
Die Entwicklung der Werkstätten zeigt, wie sich die Eingliederungshilfe verändert. Aktuell arbeiten 96 Menschen in den unterschiedlichen Bereichen des Rauhen Bergs oder auf ausgelagerten Arbeitsplätzen in Unternehmen der Region. Die Zahl klassischer Werkstattplätze nimmt dabei zugunsten betriebsintegrierter Beschäftigung ab. Die Vielfalt der angebotenen Tätigkeiten ist beeindruckend: Von der Bioland-Landwirtschaft über Gärtnerei, Garten- und Landschaftspflege, Brennholzproduktion, Kelterei und Hofladen bis hin zu Wäscherei, Weberei, Großküche sowie Industrie- und Verpackungsarbeiten eröffnet der Rauhe Berg ganz unterschiedliche Möglichkeiten, Talente zu entdecken und weiterzuentwickeln.
„Der Rauhe Berg ist eine Einrichtung der Eingliederungshilfe, die den Menschen in den Mittelpunkt ihres Handelns stellt und in der Region als vorbildlich gilt“, so der Vorsitzende der SPD-Kreistagsfraktion Rouven Kötter. „Die angebotenen Dienstleistungen und Produkte sind sowohl für Privatpersonen als auch öffentliche Auftraggeber absolut interessant und tragen zur regionalen Wertschöpfung bei. Vielen Dank an alle, die hier engagiert sind und diesen besonderen Ort möglich machen.“
Besonders beeindruckte die Besucherinnen und Besucher die Haltung, mit der am Rauhen Berg gearbeitet wird. Nicht Defizite stehen im Mittelpunkt, sondern die Fähigkeiten jedes einzelnen Menschen. Ziel ist es, Selbstständigkeit zu fördern, Perspektiven zu eröffnen und gesellschaftliche Teilhabe ganz selbstverständlich zu ermöglichen.
„Der Rauhe Berg ist ein herausragendes Beispiel dafür, wie Inklusion gelingen kann. Hier wird tagtäglich mit großer Fachlichkeit, Herz und Überzeugung gearbeitet. Solche Einrichtungen sind unverzichtbar für unsere Gesellschaft“, betonte die Wetterauer Sozialdezernentin Marion Götz.
Die Wetterauer Landtagsabgeordnete und Kreistagsabgeordnete Lisa Gnadl ergänzte: „Mich beeindruckt besonders, wie konsequent hier die individuellen Stärken der Menschen in den Mittelpunkt gestellt werden. Jeder Mensch soll die Chance erhalten, seine Fähigkeiten einzubringen und möglichst selbstbestimmt am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Genau das wird hier jeden Tag mit großem Engagement gelebt.“
Zum Abschluss bedankte sich die Delegation herzlich für den offenen Austausch und die eindrucksvollen Einblicke. Die konkreten Anliegen des Rauhen Bergs wurden als Arbeitspaket mit in die politische Arbeit der unterschiedlichen Ebenen genommen. Neben der bereits angesprochenen Mobilität ging es dabei um einen verlässlichen und schnellen Breitbandanschluss, einen zusätzlichen elektrischen PKW, eine Stärkung der Werkstätten und eine Änderung im Bereich der Ausbildung, wie es bereits in Bayern gehandhabt wird. „Der Besuch machte deutlich, wie wertvoll die Arbeit des Rauhen Bergs für die Menschen und für die gesamte Region ist. Wir wollen aber nicht nur einen Eindruck bekommen, sondern unterstützen und wichtige Impulse für unsere politische Arbeit mitnehmen. Wir nehmen die Anregungen sehr ernst und werden uns im Rahmen unserer Möglichkeiten kümmern“, sagte Rouven Kötter abschließend zu.