29/05/2025
+++ Aktueller Jahresbericht antisemitischer Vorfälle für das Jahr 2024 vorgestellt +++
Gestern hat RIAS NRW - Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus ihren Jahresbericht für 2024 vorgestellt. Demnach wurden in NRW ingesamt 940 antisemitische Vorfälle erfasst, dies entspricht einer Steigerung von 42 % im Vergleich zum Vorjahr.
Zum ganzen Bericht 👇
🔴 Insgesamt wurden ein Fall von extremer Gewalt, 18 Angriffe, 22 Bedrohungen, 61 gezielte Sachbeschädigungen, 56 Massenzuschriften, 228 Versammlungen, fünf Diskriminierungen sowie 549 Fälle von verletzendem Verhalten registriert.
Mit 590 Vorfällen war der israelbezogene Antisemitismus auch im Jahr 2024 die am häufigsten dokumentierte Erscheinungs-form. Der Anteil des israelbezogenen Antisemitismus an allen erfassten Vorfällen stieg von 56 Prozent im Jahr 2023 auf knapp 63 Prozent. Während sich im Vorjahr die absolute Mehrheit dieser Erscheinungsform nach dem 7. Oktober 2023 ereignete, bot der Gaza-Krieg im Jahr 2024 eine ganzjährige Gelegenheitsstruktur für antisemitische Vorfälle, die durch aktuelle Kriegsereignisse und spezifische Aktivitäten wie die israelfeindlichen „Protestcamps“ an einigen Universitäten in NRW beeinflusst wurden. Sie äußerten sich vor allem in der Delegitimierung und Dämonisierung Israels und darin, dass Jüdinnen_Juden in NRW persönlich für das Handeln der israelischen Regierung verantwortlich gemacht wurden.
In 301 Vorfällen wurden Narrative des Post-Schoa-Antisemitismus bedient. Eine Erscheinungsform, die sich in der Leugnung, Relativierung oder Verharmlosung der Schoa artikuliert.
In 334 Vorfällen wurde das sogenannte antisemitische Othering erfasst, bei dem Jüdinnen_Juden als der Mehrheitsgesellschaft „fremd“ oder „nicht zugehörig“ markiert werden.
Häufig berührt ein Vorfall mehr als eine Erscheinungsform, so dass im Jahr 2024 vor allem der israelbezogene Antisemitismus in Kombination mit dem Post-Schoa-Antisemitismus (148 Vorfälle) und dem antisemitischen Othering (129 Vorfälle) auftrat. Dies ist vor allem auf den Charakter vieler antiisraelischer Versammlungen zurückzuführen, bei denen immer wieder Gleichsetzungen oder Relativierungen des Gaza-Krieges mit der Schoa vorgenommen wurden.
Die Erscheinungsform des modernen Antisemitismus trat in 92 Fällen auf und zeichnet sich insbesondere durch Ver-schwörungsmythen aus, etwa wenn Jüdinnen_Juden eine besondere Macht oder eine vermeintliche „Weltverschwörung“ zugeschrieben wird. In 97 Fällen wurde der religiös begründete antijudaistische Antisemitismus dokumentiert.
Die genannten Erscheinungsformen von Antisemitismus beziehen sich jeweils auf die inhaltliche Aussage oder Handlung, lassen aber nicht zwangsläufig Rückschlüsse
auf den politisch-weltanschaulichen Hintergrund der Täter_innen zu, da die verschiedenen antisemitischen Erscheinungsformen von allen politisch-weltanschaulichen Milieus ausgehen. Die meisten der 2024 in NRW dokumentierten Vorfälle konnten dem antiisraelischen Aktivismus zugeordnet werden (28 Prozent), gefolgt vom rechtsextremen/rechtspopulistischen Milieu (5,5 Prozent).
In jeweils 3,5 Prozent der Fälle konnte ein linker/antiimperialistischer Hintergrund beziehungsweise ein islamischer/islamistischer Hintergrund festgestellt werden. Jeweils weniger als 0,5 Prozent der antisemitischen Vorfälle konnten der politischen Mitte und dem Mileu des christ-
lich/christlichen Fundamentalismus zugeordnet werden. Der Anteil des verschwörungsideologischen Milieus, der 2023 noch bei 5 Prozent lag, ist 2024 auf 2 Prozent gesunken. Dies spricht nicht für einen tatsächlichen Rückgang antisemitischer Verschwörungserzählungen, die auch von anderen Milieus verbreitet werden, sondern eher für eine geringere öffentliche Präsenz des verschwörungsideologischen Milieus. Dies dürfte vor allem auf den weiteren Rückgang der sogenannten Querdenkerproteste zurückzuführen sein.
Mit 57 Prozent konnte der Großteil der erfassten Vorfälle keinem politischen Hintergrund zugeordnet werden. Im Vorjahr konnten noch 71 Prozent keinem politisch-weltanschaulichen Hintergrund zugeordnet werden.
👉 Melde antisemitische Vorfälle unter www.report-antisemitism.de
👉 Der Jahresbericht als PDF steht kostenlos unter folgendem Link zu Verfügunghttps://www.report-antisemitism.de/documents/Jahresbericht_2024_RIAS_NRW.pdf