09/06/2024
Privileg und Verantwortung. Warum ich als Gemeinderat für Gengenbach kandidiere.
Privileg und Verantwortung, beschreibt für mich mein Weg zur Politik.Mit dem Begriffspaar als solchem ist zunächst wenig anzufangen.Was meine ich mit Privileg?
Ich verstehe darunter meine Erkenntnis über meine privilegierte Situation…Dass ich das Glück habe, in einer funktionierenden Demokratie aufzuwachsen, dass ich aufgrund meiner weißen Hautfarbe keine Diskrimination, Rassismus erfahren musste, dass ich mir keine Sorgen machen muss, was ich morgen esse oder geschweige denn anziehe.Mir stehen die Tore der Welt offen. Warum? Weil ich einfach Glück hatte.
Aber kann ich was dafür? Nein.
Das ist jetzt der Moment, wo die Verantwortung ins Spiel kommt.Ich absolvierte ein Sozialpraktikum, in wessen ich auf Claudias traf, ein Mensch mit sambianischer Herkunft. Ich durfte durch ihn erfahren, was es heißt, nicht privilegiert zu sein, wie es ist, Angst zu haben, dass dein Geld morgen nichts mehr wert ist, dass du dir morgen vielleicht kein Essen mehr leisten kannst.
Die verrückte Ironie an dieser Begegnung war, dass ich realisierte, dass es mir gut geht, weil es ihm schlecht geht… Harte These? Wie meine ich das?
Dafür muss man in die Vergangenheit blicken, ich genieße meine Privilegien, weil Europa in der Bismarckzeit, bei der Afrika Konferenz den afrikanischen Kontinent unter sich aufteilte, daraufhin eroberte und ihre Ressourcen ausbeutete, die afrikanischen Völker unterdrückte und dadurch die Länder in ihrer Entwicklung, ihrem Fortschritt immens ins Abseits katapultierte. Die Kolonialisierung ist der Hauptbestandteil meiner Privilegien, die ich etliche Jahre danach noch genieße, sie ist aber auch der Grund, warum Claudias jetzt noch leidet.
Aber, was kann ich denn dafür?? Was die da früher gemacht haben? Genau, nichts. Allerdings habe ich dadurch nicht nur meine Privilegien erhalten, sondern, wie ich feststellte, auch Verantwortung.Ich bin dafür verantwortlich, aus der Geschichte zu lernen, ich bin dafür verantwortlich, die Taten meiner Vorfahren aufzuarbeiten und dafür zu sorgen, jegliche Benachteiligung ehemals kolonisierter Länder durch Deutschland oder Europa zu verhindern.Ich bin dafür verantwortlich, meine Privilegien als solche zu verstehen und sie dafür einzusetzen, für Unprivilegierte wie Claudias einzustehen.
Viele schöne Worte, doch wie denn jetzt eigentlich?
Mein Ansatz besteht aus der Bekämpfung der Klimakrise, denn wer leidet am meisten darunter? Nicht nur ich in Deutschland, sondern am meisten Claudias, der aufgrund des Klimawandels verstärkt mit Dürre und Hitzewellen zu kämpfen hat, die seine Ernte zerstören.Und ihnen, aufgrund der geschwächten sozial- und wirtschaftspolitischen in seinem Land, fast völlig schutzlos ausgeliefert ist.
Meine Kandidatur für den Gemeinderat als Mitglied der Grünen Liste Gengenbach ist also mein Versuch, meiner durch Privilegien erhaltenen Verantwortung gerecht zu werden.