22/05/2026
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„Das apokalyptischste Klima-Szenario wurde von Experten verworfen“ titelte die Times vor wenigen Tagen. Die Schlagzeile bezog sich auf die Meldung eines internationalen Klimamodellierungs-Konsortium, dass den worst case von 4.5 °C Temperaturanstieg bis zum Jahr 2100 nicht (mehr) für wahrscheinlich hält.
Nur Stunden später feierten Leugner des menschengemachten Klimawandels diese Meldung in den sozialen Netzwerken als Beleg für den übertriebenen Hype um die Erderwärmung. Viele machten sich auf unverschämte Weise lustig über die Wissenschaftler.
Es lohnt sich jedoch, den Bericht genau zu lesen. Er kommt nämlich zu dem Schluss, dass der Grund für den etwas geringeren Temperaturanstieg die gemeinsamen Kraftanstrengungen der letzten Jahre gewesen sind, erneuerbare Energien auszubauen, fossile Brennstoffe zu reduzieren und CO2-Emissionen zu senken. Das über die letzten Jahre gewachsene wirtschaftliche und gesellschaftliche Bewusstsein für das Klima trägt erste Früchte.
In diesem Zusammenhang ist die spöttische Reaktion mancher Leute der Beleg für ein Verhalten, das wir in der Medizin häufig beobachten: Die erfolgreiche Vorsorge führt dazu, dass Menschen die ursprüngliche Gefahr im Nachhinein negieren.
Solche „Präventions-Paradoxa“ lassen sich täglich beobachten, sei es in der Diskussion um Masernimpfungen, FCKW-Verbote oder rauchfreie Restaurants. Die Risiken sinken durch konsequentes vorbeugendes Handeln, aber im Nachhinein führt niemand den Erfolg auf die Prävention zurück, sondern entwertet die Sorge im Vorfeld als übertrieben.
Der aktuelle Bericht löst bei mir gemischte Gefühle aus. Eine Erderwärmung von 2-3°C ist definitiv zu viel, es gibt also noch viel zu tun. Aber es stimmt mich zuversichtlich, dass wir auf dem richtigen Weg zu sein scheinen. Abermals wird mir klar, wir können etwas bewirken, wenn wir wollen!
Auch wenn wir die (glücklicherweise) oft vermiedenen schlimmsten Katastrophen mit unseren Sinnen im Nachhinein nur schwer spüren können, bleibt rechtzeitige Vorsorge unser wichtigstes Überlebensprinzip.
Beim Blutdruck wie beim Klima.