02/03/2026
Die Stadt Greiz plant, ein vom Einsturz bedrohtes Haus in der Bruno-Bergner-Straße zu kaufen, um es vor dem Abriss zu bewahren. Der Architekt Matthias Hamann begrüßt dieses Vorhaben ausdrücklich. Aus seiner Sicht steht bei jedem Abriss mehr auf dem Spiel als nur ein einzelnes Gebäude – nämlich das gesamte Stadtbild von Greiz.
Hamann betont, dass die Attraktivität von Greiz vor allem in seinem geschlossenen, historisch geprägten Stadtbild liege. Jede Baulücke schwäche dieses Erscheinungsbild und mindere langfristig die Vermarktungsfähigkeit der Stadt. Anders als größere Städte wie Leipzig, Jena oder Weimar könne Greiz entstandene Lücken nicht schnell durch attraktive Neubauten schließen.
Architektonisch sei das betroffene Haus kein Jugendstilbau, sondern dem Historismus bzw. der Gründerzeit zuzuordnen. Entscheidend sei jedoch nicht der exakte Stil eines einzelnen Hauses, sondern das Ensemble – also das Zusammenspiel aller Gebäude in einer Straße. Gerade die geschlossene Bebauung mit gründerzeitlichen Fassaden mache den Charakter der Stadt aus.
Als Möglichkeit zur Rettung solcher Gebäude nennt Hamann die sogenannte Gebäudesicherung. Dabei wird ein Haus zunächst stabilisiert (Dach, Konstruktion, Trockenlegung), um es vor dem Verfall und Abriss zu bewahren. Dieses Instrument wird in Sanierungsgebieten durch Städtebauförderung unterstützt, erfordert jedoch einen Eigenanteil der Kommune. Aufgrund der angespannten Finanzlage fällt es Städten schwer, diese Mittel aufzubringen.
Hamann betont, dass seine Kritik kein Vorwurf an die Stadtverwaltung sei, da Kommunen durch Pflichtaufgaben finanziell stark belastet sind. Dennoch plädiert er dafür, die Kräfte zum Erhalt des Stadtbildes zu bündeln. Greiz verfüge mit seinen Schlössern, dem Park und dem Gründerzeitensemble über ein besonderes Potenzial und werde nicht umsonst „Perle des Vogtlandes“ genannt. Zu viele Baulücken würden jedoch langfristig die Attraktivität der Stadt gefährden.