24/06/2025
Ganztagsschule? Thema verfehlt.
Da ist es wieder dieses Unwort in Niedersachsen: "Ganztagsschule".
Zum Unwort gesellt sich unweigerlich das große Lamento, über den Bund und das Land, die ja alle ständig neue Aufgaben an die Schulträger/ Kommunen verteilen, ohne die nötigen Mittel finanzieller Art mitzuliefern. Was wirklich für mich kaum noch zu glauben ist. Wenn man der Sache auf den Grund geht, findet man erstaunliches, denn der Auslöser dieser ganzen niedersächsischen kommunalen Verzweiflung ist das sogenannte "Ganztagsbetreuungsgesetz" dass der Bund in Erkenntnis eines Bedarfes einfach erlassen hat.
Es ist mehr als erstaunlich, dass im chronisch unterfinanzierten Niedersachsen aus einem Betreuungsbedarf definitiv außerhalb der normalen Unterrichtszeiten (Nachmittags und Ferienzeiten) das Land einen Ganztagsschulbedarf konstruiert.
Das ganze garniert mit der aktuellen bzw. seit Jahren andauernden Unterrichtsunterversorgung behufs des Grundschullehrermangels.
Zu deutsch, Niedersachsen ist jetzt schon nicht in der Lage alle lehrerstunden für die Vormittage bereitzustellen, will aber auf Biegen und Brechen flächendeckend "Ganztagsschulen" installieren. Eine Ganztagsschule zeichnet sich allerdings dadurch aus, dass das pädagogische Konzept Lernen und soziales Miteinander, gesundes Essen und auch die charakterliche Bildung, Freiteitgestaltung plus das Vermitteln staatsbürgerlicher Kernkompetenzen vermittelt, alles durch eine ausreichende Anzahl entsprechend qualifizierter Lehrkräfte dargeboten.
Weil eine Erfüllung dieser Konzepte utopisch ist, geht unsere Ministerin Willie-Hamburg den Weg der Trickserei.
Den Grundschulen wird auferlegt Konzepte zu erarbeiten, wie sie den "Ganztagsschulbetrieb" organisieren wollen. In Wirklichkeit wird in Niedersachsen den Schulen auferlegt 5 Tage die Woche während der Unterrichtszeiten eine Nachmittagsbetreuung zu organisieren. Damit sie das tun können, sollen die Lehrerstunden, der für die Nachmittage nicht aufzutreibenden Lehrkräfte "kapitalisiert" werden. Das bedeutet, dass die Schulleitungen je 45 Minuten Nachmittag 30 € vom Land bekommen um Kräfte von außen anzuwerben, die dann unter Umständen völlig ohne pädagogische Erfahrung oder Talent im Umgang mit größeren Schülergruppen im Grundschulalter
auf diese losgelassen werden, um sie im besten Sinne zu beaufsichtigen, um sie am Ende des Tages pünktlich zum Bus zu schicken. Wer glaubt dass für 40 € in der Stunde eine qualifizierte Nachmittagsbetreuung für mehrere Grundschulklassen verlässlich zu realisieren ist, ist entweder zuständiger Minister oder glaubt auch an die jungfräuliche Empfängnis.
Das ist schon schlimm genug, aber es gibt immer noch eine Watschn extra: In den Ferienzeiten, die laut Bundesgesetz ebenfalls 5 Tage die Woche für je 8 Stunden mit einer Ausnahme von drei Wochen Schließzeit abgedeckt werden müssen, wechselt jetzt auch noch die Zuständigkeit von der Schule auf den Schulträger. Das hieße nun, dass diverse Freizeitaktivitäten und Ferienevents für die Kiddies von den jeweiligen Verwaltungen organisiert werden sollten.
Auch hier herrscht Ratlosigkeit erster Güte. Keine Zeit, kein Geld, keine Ahnung wie es weitergeht, um es mit Otto Waalkes auszudrücken.
Kommen wir jetzt noch zur Schlusspointe: Um dieses Kasperletheater auch stattfinden lassen zu können, ist es logisch, dass an allen (!) Grundschulen Niedersachsens in Zukunft eine Mensa für alle Kinder bereitgestellt werden soll, auch wenn die Kinder, wegen des "offenen Ganztags", nur zu 40 oder 50 Prozent ein Essen in der Schule einnehmen. Zudem sollen nach Möglichkeit die Klassenräume nicht für die Nachmittagsbetreuung verwendet werden (eigentlich klar, das technische Equipment und die Möbel kosten Geld, die Räume sind nach pädagogischen Gesichtspunkten gestaltet, die kann man nicht einfach am Nachmittag für eine Aufbewahrungssituation zweckentfremden.
Für die Finanzierung der Bauten ist, oh Wunder, auch kein Geld da.
Darum gibt es auch keine gesetzliche Regelung aus Hannover sondern hoffentlich einige Erlasse die etwas Klarheit schaffen könnten.
Die Kommunen, deren HVBs (Hauptverwaltungsbeamte) und ihre Spitzenverbände ergehen sich derweil regelrechte Jammer-Opern. Die die Opern handeln vom Geld und zwar nur vom Geld und davon dass es fehlt.
Diese Reduktion aufs Geld dir eigentlichen Bedarfslage in keinster Weise gerecht. Der Betreuungsbedarf besteht in Familien in denen der Elternteil oder die Eltern zur Arbeit gehen müssen um für den Lebensunterhalt der Familie genügend Einkommen generieren zu können.
Es geht hier mitnichten um eine freiwillige Leistung von Staat oder Kommune, wie das ja immer wieder von den HVBs betont wird, sondern um einen elementaren Bestandteil der Daseinsvorsorge eines Landes dass sich auf die Fahnen geschrieben hat, das Bildung nicht vom Einkommen der Eltern abhängen darf.
Von daher ist es traurig mit anzusehen wie wenig Interesse die zum Teil verzweifelte Situation der Eltern bei den Entscheidern weckt.
Es werden immer weiter spät 68er Schulutopien verherrlicht und sich über Jahrzehnte nicht ansatzweise um das eigentliche Problem gekümmert.
Wie immer von Leuten, die selbst dermaßen gut im Futter stehen, dass die sich überhaupt nicht vorstellen können, ihre Kinder in den Ferien oder nach der Schule betreuen zu lassen, außer auf dem Kreuzfahrtschiff natürlich.
Es gibt fast keine eigenen Initiativen aus den Kommunen heraus, weil zufriedene Eltern und gut erzogene Kinder selten als eigenes Ziel definiert werden.
Darum gibt es in Niedersachsen so wenige Hörte, die exakt den Betreuungsbedarf erfüllen, nicht mehr und nicht weniger.
Begründung: "Der Hort ist nicht kostenlos für die Eltern, die "Ganztagsschule" schon.
Der gesellschaftliche Effekt der "Ganztagsgrundschule" in Niedersachsen wird desaströs sein.
Anstatt den Hort zur Normalität zu erklären und die Finanzierung dafür zu sichern, kommt hier in der Presse, dass trotz 6 oder gar 7 Jahren Vorlauf bis nächstes Jahr noch beraten wird, wie die "Ganztagsschule" an den Start kommt.
Darum abschließend nochmal: Thema verfehlt, eine glatte 6 für Ministerium und Verwaltung.