02/06/2026
Bild des Monats Juni 2026
Die Entstehung einer zweiten katholischen Pfarrgemeinde in Gronau ist eng mit dem Wirken Hubert Vietmeiers verknüpft, der am 10. September 1938 seine Stelle als Kaplan in Gronau antrat. Der damalige Ortspfarrer Josef Reukes übertrug ihm die Seelsorge für den im Gronauer Stadtosten gelegenen „Bezirk Eilermark“. Dort waren nach dem Ersten Weltkrieg mehrere neue Wohngebiete entstanden: Bauverein, Freiheits-, Heidekamp-, Bismarck- und die Drilandsiedlung.
Um den Bewohnern der Eilermark den weiten Weg zur Pfarrkirche St. Antonius zu ersparen, war bereits zwischen den Weltkriegen mit den Planungen für einen Kirchbau in diesem Wohnbezirk begonnen worden. Der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges verhinderte jedoch die für 1940 geplante Grundsteinlegung für das neue Gotteshaus. Im Verlauf des Krieges konnte jedoch ersatzweise eine „Barackenkirche“ auf dem vorgesehenen Kirchengelände errichtet werden.
Da die Interimslösung „Barackenkirche“ nach dem Krieg in keinster Weise den Anforderungen entsprach, begannen schon bald die Vorbereitungen für den Bau einer neuen Kirche. Im Rahmen von Grundstückstauschen konnte der notwendige Bauplatz zwischen der Bentheimer Eisenbahn und der Kaiserstiege bereitgestellt werden. Mit der Planung für den die Kirche samt Nebengebäude wurde der Eper Architekt Franz Jakobs beauftragt.
Bereits 1947 konnte mit dem Bau des Pfarrhauses begonnen werden, für das Kirchenprojekt waren die Voraussetzungen (Planung und Finanzierung) erst 4 Jahre später erfüllt. Am Sonntag, den 15. April 1951, konnte schließlich der Grundstein durch Domkapitular Franz Vorwerk unter Anwesenheit zahlreicher kirchlicher und weltlicher Repräsentanten gelegt werden.
Während der Bauphase ereignete sich im Dezember 1951 ein schlimmes Unglück. Im Innern des Rohbaus brach ein Gerüst ein und zehn Bauleute stürzten aus etwa 10 Meter Höhe in die Tiefe. Durch den ungebremsten Fall erlitten die Männer schwere Verletzungen.
Nach knapp einjähriger Bauzeit war die Kirche schließlich fertiggestellt, wodurch einer Einweihung nichts mehr im Wege stand. Die Benedizierung (Segnung) nahm am 19. März 1952 Domkapitular Karl Alexander Cantauw vor, sodass alle kirchlichen Feiern über Karfreitag und Ostern bereits im neuen Gotteshaus gefeiert werden konnten. Die Konsekration (Einweihung) der Kirche nahm dann Weihbischof Banken am 4. Mai 1952 vor. Schon bald entwickelte sich danach rund um die neuerbaute Josefkirche ein reges Vereinsleben. Die nun abgängige Baracke diente fortan der Gemeinde als Pfarrheim.
In den Jahren 1964 – 1966 wurde die Kirche renoviert und ein mächtiger Kirchturm aus roten Ziegelsteinen angebaut. Der durchaus markante Dachreiter hatte nun keine Funktion mehr, sodass er abgebaut wurde. Der Chorraum im Innern erfuhr eine völlige Neugestaltung , die Wände im Kirchenschiff wurden verklinkert und die Fenster höher gelegt. Im nächsten Jahr kann die Josefkirche ihren 75. Geburtstag feiern. Ob ihr Bestand weiterhin gesichert bleibt, wird die Zukunft zeigen.
Die Postkartenansicht aus dem Jahr 1958 zeigt die an der Kaiserstiege gelegene katholische Josefkirche in ihrer ursprünglichen Bauausführung. Das sakrale Bauwerk aus Ibbenbürener Bruchsteinen mit seinen schlichten Formen spiegelt die typische Architektur der Nachkriegsära wider. Das bogenförmige Eingangsportal befand sich damals am straßenseitigen Giebel; der um 1965 errichtete Kirchturm fehlt noch. Ursprünglich hatte die Pfarrkirche, wie auf dem Bild gut zu erkennen ist, für die Glocken lediglich einen sogenannten Dachreiter.
PS: Über Ergänzungen/Korrekturen oder sonstige wohlwollende Hinweise, gerne auch per PN, freuen wir uns natürlich auch weiterhin; Ihr/Euer Heimatverein Gronau. (EWB)