11/06/2026
Stadtgeschichte als Programm
Vor den Mitgliedern des Heimatvereins Gronau referierte Stadtarchivar Gerhard Lippert am Montag, den 1. Juni, unter dem Titel „Sachstand Stadtgeschichte“. Im Mittelpunkt standen die Tätigkeitsfelder des Vereins, welche sich mit der Pflege der Gronauer Geschichte beschäftigen. Die in Gronau heimatkundlich und stadtgeschichtlich tätigen Vereine haben sich thematisch und programmatisch der Vergangenheit verschrieben. Sie vermitteln die Geschichte aber unter heutigen Voraussetzungen und Bedingungen, oft mit aktuellen Bezügen zur Gegenwart.
Die Vereinstätigkeit erfolgt grundsätzlich im Allgemeininteresse und trägt auf zahlreichen Ebenen zur positiven Identität der Stadt Gronau bei. Daher wird sie von den kommunalen Gremien, der Stadtverwaltung, ihren Gesellschaften und der Politik in besonderem Maße unterstützt. Als ein Beispiel dafür beschrieb Lippert die städtische Förderung bzw. die Bereitstellung und Unterhaltung von Vereinsräumlichkeiten. Typische Tätigkeitsfelder insbesondere der Heimatvereine seien die Erforschung und das Archivieren der lokalen Geschichte, die Pflege des Brauchtums, der Sprache, der Denkmäler und des Ortsbildes sowie der Natur und der Landschaft.
Lippert führte zahlreiche konkrete Beispiele an, welche die Agenda des Heimatvereins Gronau in den vergangenen Jahren gefüllt hatten. Dazu gehörten u.a. der Betrieb des Drilandmuseums (bis zum Rückbau des Gebäudes), die Gestaltung des umliegenden „Klein-Venedig“ durch geschichtliche Reminiszenzen, die Bemühungen um den Erhalt der historischen Substanz am alten Rathaus, die jährlich herausgegebenen Buchpublikationen des Vereins, die Informations- und Gedenkveranstaltungen zur NS-Diktatur und dem Schicksal der Gronauer jüdischen Familien, die Beteiligung an stadtgeschichtlichen Jubiläen (125 Jahre Stadt Gronau, 50 Jahre kommunale Neugliederung) sowie zahlreiche Vorträge zur Geschichte des Gronauer Raums
Ein besonderer Schwerpunkt des Vereins liege, so Lippert, in dem Erhalt des Wissens und der Quellen zur Geschichte der Gronauer Textilindustrie. Dazu hatte der Verein ein eigenes umfassendes Archiv aufgebaut, welches durch das Stadtarchiv ergänzt und mitbearbeitet wurde. An vielen Themen der aktuellen Tagespolitik, die sich mit dem Denkmalwert historischer Bauten der Textilindustrie beschäftigen, war der Heimatverein beteiligt.
Der in Kürze aus seiner beruflichen Tätigkeit ausscheidende Stadtarchivar regte gegenüber den erschienenen Mitgliedern an, das Wirken des Vereins insbesondere in stadtgeschichtlichen Angelegenheiten weiterhin zu fördern und aktiv zu unterstützen, und mit diesem Anliegen auch durchaus initiativ auf die Gronauer Politik und die Stadtverwaltung zuzugehen. An den Vortrag schloss sich eine lebendige und interessante Diskussion mit den Anwesenden an.