09/09/2026
Unsere Follower wissen mittlerweile, dass der Fotobestand des Standarchivs auch seltene und interessante Fotografien zur Eisenbahngeschichte enthält. W***y Lehmacher war ein, so würde man es heute sagen, Eisenbahnfan. Mit seiner Kamera war er häufig dabei, wenn in Hagen und in der Region neue Fahrzeuge und Betriebsmittel vorgestellt wurden oder seiner Heimatstadt einen Besuch abstatteten. Heute präsentieren wir eine weitere Rarität. 1938/39 machte der auch „Kruckenberg-Schnellzug“ oder „Fliegener Silberling“ genannte Triebwagenzug SVT 137 155 im Hagener Hauptbahnhof einen Halt.
Der Anfang 1938 in den Vereinigten Westdeutschen Waggonfabriken („Westwaggon“) in Köln-Deutz fertiggestellte, durch den Schiffsbauingenieur Franz Kruckenberg (1882-1965) konstruierte Schnelltriebwagenzug war eine innovative und richtungsweisende Entwicklung. Kruckenberg fertigte auch die Entwürfe für den mit einem Flugzeugpropeller-Motor angetriebenen „Schienenzeppelin“, der am 26. Juni 1931 dem Hagener Hauptbahnhof einen Besuch abgestattet hatte.
Von dem Prototyp des SVT 137 155 wurde nur ein Exemplar hergestellt, der nach Testfahrten bis in den Juli 1938, als eine Treibradwelle gebrochen war und erst fast ein Jahr später ersetzt werden konnte, von Mai bis Juni 1939 verschiedene Schäden aufwies, sodass er stillgelegt werden musste; 1958 wurde der Zug verschrottet, die Reste sind heute im Verkehrsmuseum Dresden zu sehen. Doch die Konstruktionsmerkmale beeinflussten in der Nachkriegszeit die Schnellzüge Baureihen VT 10.5 („Senator“ und „Komet“) und VT 11.5 („TEE“) der Deutschen Bahn sowie in der DDR die Baureihe VT 18 der Deutschen Reichsbahn.
Die seltenen Fotografien von W***y Lehmacher, aufgenommen mit einer zweiäugigen Roleiflex-Mittelformatkamera, entstanden wohl im Frühjahr 1938 bei einer Testfahrt des SVT 137 155 auf der „Kölner Strecke“ vom Herstellerwerk in Köln-Deutz aus. Eine andere, vielleicht auch wahrscheinlichere Aufnahmezeit war nach der Reparatur der Treibradwelle die Überführungsfahrt des Zugs von Köln über Hagen, Hamm und Hannover nach Berlin. Dort wurde der SVT 137 155 für Testfahrten zwischen Berlin und Hamburg stationiert war. Am 23. Juni 1939 erreichte der Zug auf der Strecke zwischen Berlin und Hamburg die Geschwindigkeit von 215 km/h, ein Rekord, doch bereits zwei Tage danach brachen wieder Teile vom Drehgestell, was zur Stilllegung führte.
© Text Dr. Ralf Blank; Stadtarchiv Hagen. Digitalisate von den originalen 6x6 Mittelformat-Negativen, Bildrechte © Stadt Hagen / Stadtarchiv Hagen (durch Wasserzeichen und Merkmale geschützt!) Teilen erlaubt, kopieren wird verfolgt.
Links
https://maybach.org/the-kruckenberg-train-with-maybach-go-6-engine-a-milestone-in-high-speed-train-history/
https://www.hermann-foettinger.de/flugbahn/flugbahn.htm
https://www.facebook.com/Verkehrsmuseum.Dresden/posts/heute-nehmen-wir-den-svt-137-155-unter-die-lupe-oder-besser-ausgedrückt-franz-kr/1041193279292629/
https://de.wikipedia.org/wiki/DR_137_155