19/08/2026
Modernisierter Judenhass.
Über den Zusammenhang von Antizionismus und Antisemitismus
Podiumsgespräch mit Volker Beck, Mirna Funk und Stephan Grigat
7. Oktober 2026 — 19 Uhr
Stadthaus in Halle, Marktplatz 2
Eine Veranstaltung des Landesverbandes Jüdischer Gemeinden Sachsen-Anhalt, des Bündnisses gegen Antisemitismus Halle und der Jüdischen Gemeinde Halle.
Ankündigung: https://bgahalle.wordpress.com/2026/08/19/podiumsgespraech-modernisierter-judenhass-uber-den-zusammenhang-von-antizionismus-und-antisemitismus/
Drei Jahre nach dem die Hamas, der islamische Dschihad und zahlreiche palästinensische Zivilisten das größte Massaker an den Juden seit dem Holocaust begingen, fällt die Bilanz erschreckend aus: Die Übergriffe auf Juden haben weltweit zugenommen. Eine Untersuchung für die sieben Länder mit den größten jüdischen Bevölkerungsanteilen – außerhalb von Israel – zählte in diesen Staaten nur 2025 über 23.000 antisemitische Vorfälle, 20 Juden wurden bei Angriffen allein in Australien, Großbritannien und den USA ermordet. Auch in Deutschland ist die Situation desaströs, hier zählt die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus über 8.700 judenfeindliche Vorfälle für das vergangene Jahr.
Was dabei auffällt: Der Judenhass – ob auf der Straße oder im Internet – wird oft als legitime Kritik an Israel dargestellt. Etwa von jenen Mitgliedern der Linkspartei, die sich im Frühjahr 2026 vor der Kamera damit brüsteten, der erste antizionistische Landesverband der Partei zu sein. Zugleich bestritten sie, selbst Antisemiten zu sein. Studenten der hiesigen Kunsthochschule Burg Giebichenstein schrieben sich selbst in einem Flugblatt die Opferrolle zu, da sie nur informieren würden und dafür als Judenhasser abgestempelt worden seien. Dabei beschimpften sie nicht nur die Jüdische Gemeinde Halle, sondern forderten von der Hochschulleitung auch deren Boykott. Das Vergehen der Gemeinde: Sie ist keine Stimme gegen den einzigen jüdischen Staat.
Auf Israel werden von den Antizionisten dieser Welt Vorstellungen, Motive und Absichten projiziert, deren Nähe zu alten antijüdischen Ressentiments kaum zu übersehen ist. Wo einst von Ritualmorden an Kindern, von Brunnenvergiftungen oder von Juden als Dämonen und Teufel die Rede war, erscheinen zeitgenössische Varianten derselben Erzählung: Israel als Kindermörder, als Völkermörder, als Ausgeburt kolonialer Unterdrückung, als gefräßiger Moloch oder als allmächtiger Störenfried des Weltfriedens. Die alten judenfeindlichen Legenden funktionieren noch heute, indem sie in die politische Sprache der Gegenwart übersetzt werden. An die Stelle religiöser Anklagen treten Begriffe wie „Genozid“, „Siedlerkolonialismus“ oder „Apartheid“; an die Stelle des als Inbegriff des Bösen imaginierten Juden tritt der vermeintlich von Boshaftigkeit getriebene jüdische Staat. Gemeinsam ist all diesen Zuschreibungen die Vorstellung, Israel stehe immer in Gegensatz zu allen anderen Staaten.
Woher rührt dieser Hass auf Israel? Lassen sich Antizionismus und Antisemitismus überhaupt unterscheiden? Diesen Fragen soll im Rahmen des Podiumsgespräches nachgegangen werden.
Volker Beck ist der Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft. Mirna Funk ist Schriftstellerin und Journalistin. Stephan Grigat ist Professor für Theorien und Kritik des Antisemitismus an der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen.
Podiumsgespräch mit Volker Beck, Mirna Funk und Stephan Grigat 7. Oktober 2026 — 19 Uhr Stadthaus in Halle, Marktplatz 2