05/09/2026
Manchmal braucht es viele unterschiedliche Akteure, damit aus einem akut vom Verfall bedrohten Denkmal wieder ein lebendiger Ort der Erinnerung wird. Das Sinti-Mausoleum in Osendorf ist dafür ein außergewöhnliches Beispiel.
Das 1915 für den Sinto Josef „Nauni“ Weinlich und seine Familie errichtete Mausoleum gehört zu den wenigen steinernen Zeugnissen der langen Geschichte der Sinti und Roma in Mitteldeutschland. 2024 war sein Zustand so schlecht, dass das Gebäude einsturzgefährdet war. Inzwischen wurde die Grabstätte umfassend saniert und am 23. August im Beisein von Nachfahren Weinlichs sowie des Vorsitzenden des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, feierlich wieder eingeweiht.
Möglich wurde die Rettung nicht durch einen einzelnen großen Wurf, sondern durch viele ineinandergreifende Beiträge: durch den jahrelangen Einsatz von Weinlichs Ur-Urenkel Dr. Henk van Iterson ebenso wie durch engagierte Menschen aus der Zivilgesellschaft vor Ort, die sich für die Bewahrung dieses besonderen Ortes eingesetzt haben. Die Stadt Halle hat die Sanierung auf den Weg gebracht, das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie hat das Projekt fachlich begleitet. Das Land Sachsen-Anhalt steuerte 157.000 Euro bei, der Bund weitere Mittel aus dem Denkmalschutz-Sonderprogramm.
Besonders hervorzuheben ist das ausdauernde Engagement der Schüler*innen des Elisabeth-Gymnasiums, die gemeinsam mit der Deutschen Stiftung Denkmalschutz daran gearbeitet haben, aus dem Baudenkmal zugleich einen Ort für Bildungs- und Erinnerungsarbeit zu machen.
Gerade in der aktuellen Zeit hat die Mahnung von Romani Rose besonderes Gewicht: Erinnerung bedeutet auch, heute Verantwortung zu übernehmen und jeder Form von Ausgrenzung, Rassismus und Antiromaismus entschieden entgegenzutreten.
Wenn ihr diesen besonderen Erinnerungsort selbst entdecken möchtet, bietet sich demnächst beim Tag des offenen Denkmals am 13. September eine gute Gelegenheit.