Hamburger Studienbibliothek

Hamburger Studienbibliothek Die HSB ist ein Zusammenschluss für die Aneignung und Entwicklung kritischer Gesellschaftstheorie.

Die Hamburger Studienbibliothek ist ein Zusammenschluss für die Aneignung und Entwicklung kritischer Gesellschaftstheorie. Sie tritt dabei nicht als Dienstleister für eine längst imaginär gewordene »Bewegung« auf, sondern will in tristen Zeiten den erreichten Stand kritischen Denkens bewahren, um ihn im Vorgriff auf bessere zu aktualisieren.

Der großartige Konzertfilm "Heute Abend Hopscotch" vom ersten Bibliothekskonzert in der HSB im April 2025 von Jo Larsson...
07/12/2025

Der großartige Konzertfilm "Heute Abend Hopscotch" vom ersten Bibliothekskonzert in der HSB im April 2025 von Jo Larsson ist online!

Der Generalausschuss empfiehlt: Unbedingt anschauen!


Hopscotch live in der Hamburger Studienbibliothek am 04.April 2025 Clémence Manachère Komposition & Flöte Piccoloflöte / Sopransaxophon Niklas Wer...

22/06/2025

Die HSB informiert:

Der Text "Im Namen der Opfer. Der erinnerungspolitische Angriff auf die Spezifik des Holocaust und den Zionismus", von Markus Heuer, ist jetzt auf unserer Homepage zu finden:

https://studienbibliothek.org/veranst/ImNamenDerOpfer.pdf

Der Text ist die überarbeitete Fassung eines am 5. 5. 2025 in der Hamburger Studienbibliothek im Rahmen der Hamburger Woche des Gedenkens gehaltenen Referats.

Die HSB informiert: Wir jetzt auch im Instagame!
12/06/2025

Die HSB informiert: Wir jetzt auch im Instagame!

17 Followers, 59 Following, 1 Posts - See Instagram photos and videos from ()

04/06/2025

Die HSB empfiehlt:
Die Alleycat der AG Ost: Fahrradfahrend den Hamburger Osten dekonstruieren!!

07/05/2025
24/01/2025

Die HSB informiert: Vergesellschaftung archäologischer Funde.

Wir haben eine Sammlung von 20 Tapes mit Aufnahmen verschiedenster FSK-Sendungen aus dem letzten Jahrtausend gefunden und geben diese gerne (am liebsten gegen eine kleine Spende) in interessierte Hände.

Bei Interesse schreibt uns gerne an.

31/12/2024

Die HSB informiert: 2024 praktisch schon geschafft!

***

Der Fortschritt in Richtung befreiter Gesellschaft ging auch im Jahre 2024 unaufhaltsam voran. In Montevideo übernahmen Tupamaros die Regierungsgewalt. In der Premier League befindet sich Manchester City, das Aushängeschild der arabischen Despotie, seit Monaten in einer tiefen Formkrise. Die Sozialdemokratie erwartet alsbald die Quittung für ihre verräterischen Umtriebe in Form einer krachenden Wahlniederlage. Vereinzelte Rückschläge für die gerechte Sache, die es dieses Jahr in einigen wenigen Weltregionen zu verzeichnen gab, können getrost als bedauerliche Ausrutscher des Weltgeistes verbucht werden. Und erwähnten wir bereits den Sieg der Frente Amplio in Uruguay?

Für den globalen Triumphzug der staaten- und klassenlosen Weltgesellschaft tat auch die HSB ihren Teil. Mit regelmäßigem Schichtbetrieb und allmonatlichen Negativen Nachmittagen zu Themen wie der Geschichte Eritreas, den Fallstricken des Ideologiebegriffs oder dem Rätselcharakter altangelsächsischer Dichtkunst wurden die Massen mit geistiger Nahrung versorgt. Gemeinsam mit der AG Ost wurde die Übernahme des so genannten »Elbtowers«, des Schandmals des Olaf-Scholz-Regimes, erfolgreich vorbereitet (Einzug in die neuen Räume wegen diverser Mängel der Mietfläche zeitweilig zurückgestellt). Und – Peak Preview für 2025! – unsere Arbeitsgruppe setzt mit den kurz vor ihrer Veröffentlichung stehenden Thesen zum Begriff der Freiheit zum entscheidenden theoretischen Stoß gegen den Spätspätkapitalismus an. Wie man im Internet zu sagen pflegt: Watch this space!

An Lektüre wird es auch 2025 nicht fehlen. Aus der Flut neuer Bücher, die letztes Jahr ihren Weg in die Bibliothek gefunden haben, möchten wir Euch wie immer zum Jahresabschluss eine kleine Auswahl präsentieren. Zuvor aber, leider auch wie fast immer, der dringliche Hinweis, dass die HSB nicht bloß Bücher braucht, sondern auch – steuerlich absetzbare! – Mitgliedschaften und Spenden. Die anhaltend hohen Nebenkosten haben uns reichlich geschröpft, und auf Dauer werden wir uns den Betrieb nur leisten können, wenn mehr allgemeines Äquivalent in die Kasse kommt. Und es wäre doch zu und zu schade, wenn wir nicht wenigstens bis zur Aufhebung der Ware-Geld-Beziehung durchhalten könnten. Für Unterstützung: gerne eine Mail schicken oder während der Öffnungszeiten vorbeischauen (Mi. & Do. 17:00 bis 20:00)!

Pro bono, contra malum!
Der Generalausschuss

***

Unsere Jahresliste:

* Umberto Eco, Der ewige Faschismus. Hanser, 2020. – Kernstück dieser kleinen Sammlung von politischen Essays ist der titelgebende Text, der eine Klassifizierung faschistischen Denkens und Handelns vornimmt. Dies tut Eco nicht in der Form einer festen Definition von Faschismus als vielmehr in der Herausarbeitung eines Katalogs an Merkmalen eines »Ur-Faschismus«. Das »Ur« bezieht sich hier nicht auf eine zeitliche Ur-Form als vielmehr auf einen verschiedenen Faschismen zugrunde liegenden Archetyp. Diese modulare Herangehensweise hat Eco explizit gewählt, um in der Betrachtung moderner Entwicklungen nicht quasi automatisch an den Punkt zu kommen, dass diese kein Faschismus seien, da Phänome x oder y des historischen Faschismus in den analysierten modernen Herrschaftssystemen nicht vorkommen. Vielmehr erlaubt der Rückgriff auf Wittgensteins Konzept der »Familienähnlichkeit«, Mischformen und besonders die Modernisierung von Faschismus in den Blick zu bekommen. Angesichts des momentanen weltweiten gesellschaftlichen Clusterf**ks ist das natürlich hochaktuell und hat auch die politische Arbeit der HSB höchstselbst sehr bereichert.

* Suzanne Maudet, Dem Tod davongelaufen: Wie neun junge Frauen dem Konzentrationslager entkamen. Assoziation A, 2021. – Vom Todesmarsch der Insassen des KZ-Außenlagers Leipzig-Schönefeld schlagen sich neun junge Frauen aus Frankreich, Spanien und den Niederlanden seitwärts in die Büsche, als die SS-Schergen aufgrund des allgemeinen Chaos gerade mal mit sich selbst beschäftigt sind. Ohne Ortskenntnis, Proviant, unverfängliche Zivilkleidung und Aussicht auf Hilfe von außen (die ihnen dann vereinzelt doch zuteil wird), aber mit umso mehr Tatkraft, Mut, Solidarität und einem untrüglichen Gespür für die ortsansässigen Ausprägungen des autoritären Charakters ausgestattet, laufen die Frauen auf wunden Füßen durch den nasskalten Frühling sächsischer Dörfer und nach acht Tagen unter Granatfeuer hindurch in die Arme amerikanischer Soldaten, die tatsächlich ziemlich genau dort sind, wo sie sie aufgrund sehr spärlicher Informationen vermutet haben. Von der bei der Flucht 22jährigen Suzanne Maudet kurz nach Kriegsende aus noch frischer Erinnerung niedergeschrieben und erst 2004, Jahre nach ihrem Tod, auf Initiative ihres Neffen veröffentlicht, liest sich die
Geschichte streckenweise wie ein etwas altmodischer Abenteuerroman für Jugendliche – und genau das ist die Stärke des Buchs. Denn die pathosarme, oft einfach knochentrockene Beschreibung der unglaublichsten Ereignisse kontrastiert immer wieder einem jugendlich romantischem Überschwang, der als Stilmittel von Lagerfeuer und Pfadfinderleben erkennbar bleibt. Und nur, dass hier aus der Vergangenheit der Freiheit zitiert wird, lässt als ihren Schatten den Weg durch die Hölle erkennen, den diese Unbeschwertheit inzwischen genommen hat. Das muss man gelesen haben.

* Arnold Metzger, Dämonie und Transzendenz. Neske, 1964. – Metzger ist einer der großen Sonderlinge der bundesdeutschen Philosophie. Als Husserl-Schüler unterstützte er den Umsturz 1918/19, dem er seine Schrift zur »Phänomenologie der Revolution« widmete (die sich ebenfalls in unserem Bestand findet). Nach seiner Rückkehr aus dem Exil kritisierte er die Restaurationsbestrebungen der Adenauer-Zeit und sympathisierte mit den revoltierenden StudentInnen – die er freilich vergeblich davon zu überzeugen suchte, statt auf den Marxismus doch lieber auf die antike griechische Philosophie zurückzugreifen. Kein Wunder, dass ihn niemand haben wollte. Bis auf die HSB: Seine in der vorliegenden Aufsatzsammlung enthaltene Studie über das »Dämonische im deutschen Denken« gehört zu den originellsten Dokumenten der frühen antideutschen Kritik.

* Der Hamburger Arbeiter- und Soldatenrat 1918/19. Eingeleitet und bearbeitet von Volker Stalmann. Droste, 2013. – Es war einmal, da haben Menschen es tatsächlich versucht mit der Revolution, auch in der Stadt der Pfeffersäcke. Der erfolgreichste Anlauf war vor gut hundert Jahren. Lange halten konnten die Räte sich nicht, aber die Hamburger Genossinnen und Genossen haben ihre Amtsgeschäfte penibel genau dokumentiert. Ein gut 1000-seitiges Schatzkästlein der Sozialgeschichte.

* Miles Davis (& Quincy Thorpe), Die Autobiographie. Hoffmann und Campe, 1990. – Miles Davis war ein Freak und ein Genie; das zeigt auch seine umfangreiche aber kurzweilige Autobiographie sehr deutlich. Besonders scheint er aber ein Mensch gewesen zu sein, dem vollkommen egal ist, was andere von ihm halten. Dies hat einige (teilweise sehr amüsante) Rants zur Folge sowie sehr deutliche Beschreibungen der Schattenseiten seines Lebens. Die Auseinandersetzung mit seiner Drogensucht, was sie aus ihm gemacht hat und wie das gesellschaftliche Drogenregime das Elend noch verstärkt, ist dabei sehr interessant. Die Darstellung seiner ausgeprägten und ziemlich stumpfen Mysogynie wird in Verbindung mit seiner sehr vernünftigen und bewundernswerten Auseinandersetzung mit dem alltäglichen Rassismus zu einem Paradebeispiel dafür, wie wenig doch eine progressive Einstellung gegenüber einem gesellschaftlichen Diskriminierungsfeld auf eine ebensolche in anderen Feldern schließen lässt…
Aber natürlich geht es zuallererst um Musik der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, auf die der Protagonist ja einen nicht eben geringen Einfluss hatte. Die Arbeit in den verschiedenen Musiker-Konstellationen (trotz aller Egozentrik rückt Davis im Bezug auf Musik immer die Zusammenarbeit in den Mittelpunkt) und wie daraus die Vielzahl an bahnbrechenden und genredefinierenden Werken entstanden ist, erzählt er in einer leidenschaftlichen Art, die seine Liebe zur Musik jederzeit spürbar werde, lässt. Das hervorragende diskographische Register, auf das im Text immer wieder verwiesen wird, ermöglicht es, die Veränderungen und Entwicklungen von Davis’ Musik auch aural mit zu verfolgen.

* Off the Wall: Fashion from East Germany, 1964 to 1980. Bloomsbury, 2005. – Ein Bildband, der schlagender als jede Abhandlung zeigt, warum es mit der DDR nichts wurde. Man wollte doch einfach nur so sein wie der Westen auch, quietschbunt und piefig zugleich; und lag doch selbst darin immer meilenweit daneben.

* Kenan Malik, Not so Black and White: A History of Race from White Supremacy to Identity Politics. Hurst, 2023. – Malik, Autor des vielbeachteten Buchs »From Fatwa to Jihad« (und 2011 auf Einladung der HSB in Hamburg zu Gast), untersucht hier die Geschichte des Rassismus und des Begriffs der Rasse in Beziehung zu den Kämpfen um soziale Gleichheit. Materialistisch begreift er Rassismus als Konsequenz daraus, den ideologischen Mehrwert des Universalismus einstreichen, dessen soziale Verwirklichung aber gleichwohl verhindern zu wollen. Als entsprechend wandlungsfähig erweist sich, wie die von Malik angeführten Beispiele verdeutlichen, was jeweils unter Rasse verstanden wird. So wurde von der besitzenden Klasse dereinst die arbeitende Masse der Menschen als andere Rasse betrachtet, ohne dass dies sichtbare Unterschiede vorausgesetzt hätte; und im Einwanderungsland par excellence, den USA, wurden mittels dieses Begriffs die verschiedenen europäischen Einwanderergruppen motiviert, sich nach je nationaler Herkunft voneinander abzusondern, um ihre Klassensolidarität zu untergraben. Maliks Kritik wendet sich dabei auch gegen ein Verständnis der sozialen Beziehungen, das sozusagen den Wagen vor das Pferd spannt, indem die soziale Ungleichheit als Resultat von »Rasse«-Beziehungen gesehen wird, statt in der Etablierung letzterer einen zeitweisen dominanten Modus zur Aufrechterhaltung ökonomischer Ausbeutungsverhältnisse zu erkennen. Entsprechend kann das Buch als Warnung vor einer Identitätspolitik verstanden werden, die sich von der Kritik der politischen Ökonomie losgesagt und damit die universalistische Stoßrichtung, die in dieser liegt, aufgegeben hat. Nicht zuletzt aufgrund der damit einhergehenden Gefahr für die Akteure dieser Politik selbst, sich in ökonomisch relativ folgenlosen Anerkennungskämpfen aufzureiben.

* James Q. Whitman, Hitlers amerikanisches Vorbild: Wie die USA die Rassengesetze der Nationalsozialisten inspirierten. Beck, 2018. – Als die N***s nach Blaupausen suchten, wie Jüdinnen und Juden juristisch hieb- und stichfest aus der Gattung auszuschließen seien, wandten sie ihren Blick in die amerikanischen Südstaaten: Dort definierten die so genannten »Jim Crow«-Gesetze, wer als Staatsbürger zweiter Klasse zu gelten hat. Whitman zeichnet nach, wie die NS-Juristen dieses Vorbild in die Form der »Nürnberger Rassengesetze« transponierten. Eine im Internet kursierende Lesart des Buches besagt dabei, Jim Crow sei ›selbst den N***s‹ zu radikal gewesen, weil sie die dort geltende »One-Drop-Rule« (ein afroamerikanischer Urahn in der 5. Generation stempelt einen schon zum »Farbigen«) verwarfen und sich auf »Halb-« und »Vierteljuden« beschränkten. Aber das ist mehr den Legitimationsbedürfnissen US-amerikanischer Linker als dem Autor selber anzulasten. Die Differenz zwischen den Gesetzen der Südstaaten und denen des Nationalsozialismus verweist vielmehr auf die Differenz zwischen Rassismus und Antisemitismus, die eben nicht eins zu eins ineinander übersetzbar sind; und zur Ergründung dieser Differenz bietet die Studie historisches Material.

* Corry Guttstadt (Hrsg.), Antisemitismus in und aus der Türkei. Hamburger Landeszentrale für politische Bildung, 2023. – Das Buch ist in den 13 Monaten seit seinem Erscheinen erwartungsgemäß zum Standardwerk geworden und mit seinen 29 Beiträgen in sieben Themenbereichen schlicht zu umfangreich, um hier seriös rezensiert zu werden. Beispielhaft sei auf den Beitrag von Şeyda Demirdirek über Efraim Hofstaedter Elrom verwiesen, der 1971 als israelischer Konsul in Istanbul von einem linken Kommando entführt und ermordet wurde. Die Autorin legt überzeugend dar, dass Elroms maßgebliche Rolle im Eichmann-Prozess den Entführern sehr wohl bekannt war, analysiert auf dieser Grundlage die bis heute andauernde Abfeierei des Mordes durch Teile der türkischen Linken und beschreibt, dann schon kaum noch überraschend, wie übergangslos antiimperialistische Parolen von Islamisten übernommen wurden. Bleibt zu hoffen, dass die angestrebte türkische Ausgabe des Bandes bald erscheint.

* Dirk Schindelbeck u.a., Zigaretten-Fronten: Die politischen Kulturen des Rauchens in der Zeit des Ersten Weltkrieges. Jonas, 2014.
* Tom Reichard, Die Zeit der Zigarette: Zur Beschleunigung des Rauchens in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. FU Berlin, Master-Arbeit, 2014
* Egon Caeser Conte Corti, Geschichte des Rauchens: Die trockene Trunkenheit. Ursprung, Kampf und Triumpf des Rauchens. Insel, 1986 [Nachdruck der Ausgabe von 1930] – Nach wie vor gilt: In der HSB gibt es Räume, in denen man gemütlich im Sessel sitzen und beim Lesen rauchen darf (man nennt das wohl heutzutage »Alleinstellungsmerkmal«). Und jetzt gibt es dazu auch die passende Lektüre dazu.

* Eva Müller, Scheiblettenkind. Suhrkamp, 2022. – In ihrem autobiographischen Graphic Novel erzählt die Autorin ihren Lebensweg als bildungsfernes Arbeiterkind vom Dorf, dem dieses Umfeld sowohl räumlich als auch gesellschaftlich zu eng wird. Die Protagonistin entflieht diesem in die Großstadt und dort in die Kunst- und linke Szene. Die durch diesen Weg vorgezeichneten Selbstzweifel und das Gefühl, nicht den jeweiligen Erwartungen der verschiedenen Milieus gerecht zu werden, ziehen sich (symbolisiert durch eine auf sie einflüsternde, allseits präsente Schlange) als roter Faden durch die Geschichte. Neben dem sehr passenden nüchternen, leicht minimalistischen Zeichenstil ist besonders die scharfe und entlarvende Beobachtung der verschiedenen sich selbst als emanzipatorisch verstehenden Milieus, in die sie gerät, beeindruckend. Die Szenen, in die sie Aufnahme findet, erschließen ihr ein Potential der Freiheit– bilden aber selbst wiederum eine neue Elite, die sich ignorant gegenüber der eigenen Privilegiertheit erweist. Nicht bahnbrechend neu natürlich, aber gerade durch den autobiographischen Bezug wie auch den lakonischen Erzählstil besonders eindrücklich.

* Gaston Dorren, In 20 Sprachen um die Welt: Die größten Sprachen und was sie so besonders macht. Beck, 2020. – Wer die zwanzig meistgesprochenen Sprachen beherrschte, könnte, Zweitsprachler mitgerechnet, sich mit immerhin drei Vierteln der Weltbevölkerung verständigen. Der Autor spricht zwar nur fünf davon (sowie zwei weitere, Niederländisch und Limburgisch, die es nicht in die Top Twenty geschafft haben), hat sich über die übrigen aber einiges angelesen und ist in der Lage, das präzise, konsistent und durchaus unterhaltsam zu referieren. Jenseits von Erläuterungen zu Grammatik und Wortschatz betrifft das vor allem Sprachpolitisches wie z.B. die Bedingungen, unter denen Mehrsprachigkeit innerhalb einer Nation ethnische Konflikte befeuert wie in Sri Lanka, oder eher nicht, wie in Indonesien, oder die Frage, warum Portugiesisch durch Kolonialismus zur Weltsprache wurde, Niederländisch trotz mancher ähnlicher Voraussetzungen aber nicht. Das Buch beginnt in Kapitel 20 (die Zählung läuft rückwärts) mit dem reflektiert dargelegten Scheitern des Autors bei dem Versuch, sich mit Vietnamesisch eine ostasiatische Sprache anzueignen, für die man als Europäer immerhin nicht auch noch eine fremde Schrift lernen muss. Um das Verhältnis von Sprache und Schrift sowie die Eigenarten von Tonsprachen geht es im Folgenden noch mehrfach, unter anderem in einem Zusatzkapitel 2a, das die äußerst widersprüchlichen Methoden des Umgangs mit der chinesischen Schrift in Japan beschreibt – während das Japanisch-Kapitel sich eher mit den Merkwürdigkeiten der althergebrachten, aber immer noch präsenten Frauensprache beschäftigt. Die feudalhierarchische Stratifizierung des Javanischen in drei Ebenen, die Wortschatz und Grammatik abhängig von der gesellschaftlichen Position vorschreibt, stammt dagegen nicht, wie zu erwarten wäre, aus dem Altjavanischen und spielte eine ausgesprochen ambivalente Rolle für die Unabhängigkeitsbestrebungen gegenüber dem niederländischen Kolonialismus. Das Kisuaheli-Kapitel wirft ein Schlaglicht auf die afrikanische Vielsprachigkeit und plädiert dafür, diese nicht ausschließlich als Hindernis aufzufassen. Und schließlich erfährt man auch, warum nach Ansicht nicht weniger Linguist:innen Deutsch einer der bizarrsten Sprachen überhaupt ist. Das alles ist stets hinreichend kontextualisiert, um weit über eine Ansammlung sinn- und nutzloser ›Fun Facts‹ hinauszuweisen, und taugt zuweilen gar zur Dekonstruktion mystifizierender Identitätsvorstellungen.

* Christiane Bürger u. Sahra Rausch, Der Prozess: Wie der deutsche Völkermord an den OvaHerero und Nama nicht vor Gericht kam. Mit Bildern von Tuavisiua Betty Katuuo. Maroverlag, 2014 [Maro-Heft Nr. 14]. – Die vielleicht derzeit schönste deutschsprachige Schriftreihe sind die (leider viel zu unbekannten) Maro-Hefte. Jede Ausgabe widmet sich, mit jeweils eigener ästhetischer Ausstattung, einem ungewöhnlichen oder unterbelichtetem Thema. Mit der Autorin Mira Landwehr bestritten wir im Frühjahr einen Negativen Nachmittag zur industriellen Blutverwertung; andere Hefte beschäftigen sich mit Jungfernhäutchen oder Phallushügeln. Weniger lustvoll ist der Gegenstand des vorliegenden Bandes: die andauernde Weigerung der Deutschen, für ihre Verbrechen in »Deutsch-Südwest« die finanzielle Verantwortung zu übernehmen. Ein Beleg mehr dafür, wie unsinnig es ist, Kolonialverbrechen und Shoah gegeneinander auszuspielen: Wie die Judenmörder von den Schlächtern der Nama und Herero lernten, so die Entschädigungsverweigerer von heute von den Entschädigungsverweigerern von einst.

***

Und apropos: Mehrere Veröffentlichungen zur hochtrabend »Historikerstreit 2.0« benamsten Kontroverse um das (insbesondere erinnerungspolitische) Verhältnis von Kolonialismus und Nationalsozialismus haben wir ebenfalls neu im Bestand, die wir demnächst gesondert vorstellen werden (und aus denen hoffentlich auch eine entsprechende Veranstaltung erwachsen wird). Maßgeblich aufstocken konnten wir zudem, dank einer großzügigen Spende, unsere Nationalsozialismus-Abteilung insgesamt, zudem auch Themenfelder wie Psychoanalyse, Philosophie der Aufklärung und Architekturgeschichte – und nicht zuletzt unsere ausgewählten Werkausgaben in Gestalt von mehreren Bänden des in Vergessenheit geratenen Schriftstellers Oskar Maria Graf, auf den Brechts schönes Wort, das Volk sei nicht -tümlich, ausnahmsweise tatsächlich einmal zutrifft.

Kurz vor unserem Einzug in den Elbtower
06/04/2024

Kurz vor unserem Einzug in den Elbtower

Die HSB ist Mitglied der AG Ost und weist auf diese Veranstaltung hin:Euer Ruin ist unser GewinnDie AG Ost vitalisiert d...
05/04/2024

Die HSB ist Mitglied der AG Ost und weist auf diese Veranstaltung hin:

Euer Ruin ist unser Gewinn
Die AG Ost vitalisiert den Elbtower

Die AG Ost übernimmt performativ den Elbtower und fordert radikaldemokratische und solidarische Stadtentwicklung im Hamburger Osten. Das Bündnis lädt am 6. April 2024 ab 17 Uhr zur Eröffnungsfeier am Billhafen-Löschplatz ein.

23/01/2024

2023 ist nun auch erfolgreich absolviert. Wie viele mitbekommen haben werden, war es auch dieses Jahr nichts mit dem Umsturz der kapitalistischen Produktionsweise und der Einführung der staaten- und klassenlosen Weltgesellschaft. Warum nicht, konnte man u.a. im Oktober erleben, als Linke weltweit den von einer theokratisch-faschistischen Bewegung begangenen Massenmord an israelischen Jüdinnen und Juden bejubelten. Wieder mal einer dieser Fälle, wo man lieber nicht Recht behalten hätte.

Dabei wäre es mit der Weltrevolution doch einigermaßen dringlich – schon aus Eigeninteresse: Die rasant gestiegenen Nebenkosten haben uns dieses Jahr an den Rand des Ruins gebracht. Wer sicherstellen möchte, dass es die Hamburger Studienbibliothek auch 2024 noch gibt, wird daher dringend um eine Spende oder eine Mitgliedschaft gebeten (beides steuerlich absetzbar). Auch für den Arbeitsplatz in der HSB wird weiterhin ein/e Nachmieter/in gesucht. Bei Interesse: gerne eine Mail schicken oder während der Öffnungszeiten vorbeischauen (Mi. & Do. 17:00 bis 20:00).

Zum Glück haben wir das letzte Jahr nicht nur mit Ächzen und Stöhnen, sondern auch einigen interessanten Veranstaltungen verbringen können – darunter die Filmvorführung zum Massaker in Lingiades am 3. Oktober und ein Tagesseminar zum Hamburger Aufstand und der »Schwarzen Schmach am Rhein«. Fürs nächste Jahr ist u.a. eine ausführliche Auseinandersetzung mit dem Freiheitsbegriff geplant. Anregungen für Negative Nachmittage und andere Veranstaltungsideen sind immer gern gesehen!

Und auch ein Schwung neuer Bücher hat es wieder einmal in die Bibliothek geschafft; so viele, dass wir sogar, trotz angespannter Finanzlage, neue Regale bauen mussten. Daher wie immer zum guten Schluss die besten Neuerwerbungen des Jahres:

* Elizabeth Sandifer, Neoreaction a Basilisk: Essays on and around the Alt Right. Eruditorum Press, 2017. – In der bedauerlicherweise immer noch hochaktuellen Essaysammlung setzt sich Sandifer mit zahlreichen Erscheinungen auseinander, die in ihrer Gesamtheit das politische Klima nachzeichnen, in dem Donald Trump Präsident der USA werden konnte. Hierbei fokussiert sie sich weniger auf die Entwicklung der republikanischen Partei als auf politische Randerscheinungen und Phänomene des sogenannten vorpolitischen Raumes des reaktionären Kulturkampfes. Unter anderem werden zu diesem Zweck Texte der beiden Leitfiguren der anti-egalitären Philosophie des Dark Enlightenment, Mencius Moldbug (bürgerlich Curtis Guy Yarvin) und Nick Land, ausführlich seziert. Sandifer arbeitet hierbei den prototypischen Charakter der beiden Autoren für eine rechte Denkweise heraus, die sich mit Statistiken, die von den Voraussetzungen ihrer Resultate nichts wissen wollen, rückversichert, sich nicht der diversen -Ismen schuldig zu machen, die zur politischen Reaktion gehören wie der Beichtstuhl zur Kirche. Unter den von ihr untersuchten kulturellen Phänomenen nehmen die toxisch-maskuline Gamergate-Bewegung und die politische Einflussnahme von rechts auf die Hugo Awards (einer Preisverleihung für Science-Fiction- und Fantasy-Literatur) eine besondere Stellung ein. An beiden Beispielen exemplifiziert Sandifer den Versuch rechter Autoren und ihrer Anhängerschaft, die eigene politische Agenda unsichtbar zu machen, während sie gleichzeitig ihren KritikerInnen vorwerfen, der emanzipatorischen Agenda ästhetische Wahrheit zum Opfer zu bringen. Das hier vorgelegte Panorama des neoreaktionären Grauens ist nicht zuletzt deswegen lesenswert, weil es sich aus Erscheinungen zusammensetzt, die in den Analysen des politischen Tagesgeschehens eher selten ins Blickfeld geraten, deren seismographischer Charakter jedoch kaum bestritten werden kann.

* Rudolf Wendorff, Zeit und Kultur: Geschichte des Zeitbewußtseins in Europa. Opladen: Westdeutscher Verlag, 1980. – In einer Gesellschaft des rasenden Stillstands erscheint Zeit mehr und mehr als Mysterium. Nicht bloß der Materialismus hat seit Erscheinen von Postones »Time, Labor, and Social Domination« den Gegenstand für sich entdeckt; auch in der Akademie ist die (historische, soziologische, anthropologische, …) Untersuchung des Phänomens Zeit längst zum Topthema avanciert. Der bis heute maßgebende Text erschien freilich bereits vor über 40 Jahren. Wendorffs mehr als 700-seitige Untersuchung stellt den Übergang vom feudalen Raum- zum modernen Zeitbewusstsein in allen Facetten, von der Philosophie- über die Architektur- bis zur Musikgeschichte, dar. Eine Bestandslücke, die wir dieses Jahr endlich schließen konnten.

* Dr. L. van der Weck-Erlen, Das goldene Buch der Liebe: ein Eros-Kodex für beide Geschlechter. Berlin: Rixdorfer Verlagsanstalt, 1983 (Repr. d. Ausg. Wien: Stern, 1907). – Eine Reminiszenz an jene gute alte Zeit, in welcher selbst die Ausschweifung noch systematisiert und katalogisiert wurde. Was darf es beim nächsten Kopulationsakt sein: die Nr. 54 (Wölbhocke)? Oder doch lieber Nr. 323 (Kniehebelhang)? Ein Spaß für Jung und Alt.

* Jonathan Krämer, Europa braucht humanitäre Hilfe: die europäische Doppelmoral beim Umgang mit Schutzsuchenden. Norderstedt: Books On Demand, 2022. – Der Autor untersucht den Umgang der Europäischen Union und ihrer Mitgliedsländer mit Menschen in humanitären Notsituationen und vergleicht diesen mit den hehren Worten über die Menschen und ihre Rechte, solange diese nicht an der EU-Außengrenze stehen. Wer dessen noch bedarf, findet hier eine sehr pointierte und detailreiche Entlarvung des EU-Menschenrechtsdiskurses als heuchlerische Doppelmoral, da einerseits weltweit sowohl mit vielen Ressourcen humanitäre Hilfe geleistet als auch mit dem Menschenrechtsargument politischer Druck ausgeübt wird, während im Inneren und an den Außengrenzen zur Abschreckung von Geflüchteten und illegalisierten Migrant:innen ähnliches Elend erzeugt bzw. stillschweigend hingenommen wird. Aber auch wer einer solchen Entlarvung nicht mehr bedarf, findet in dem Werk eine kenntnisreiche Studie zur Situation von Illegalisierten in und am Rande der EU sowie auch zu Diskursen und Entwicklungen der humanitären Hilfe allgemein. Dass das angesprochene Hinwegsehen auch die Funktion hat, ein herrenmenschliches Sich-Erhaben-Fühlen gegenüber den Elendsregionen der Welt aufrechtzuerhalten, wird ebenso deutlich.

* Jahrbuch für sexuelle Zwischenstufen, Bd. 1 & 2 (Auswahlband). Frankfurt am Main, Paris: Qumran, 1983. – Das Jahrbuch für sexuelle Zwischenstufen erschien von 1899 bis 1923 in Berlin. Sein Herausgeber Magnus Hirschfeld legte hiermit eine umfangreiche Materialsammlung zur Untermauerung seiner Theorie der sexuellen Zwischenstufen vor, welche entgegen der vorherrschenden Meinung die beiden Pole Männlichkeit und Weiblichkeit nicht als monolithische Blöcke, sondern als Extreme eines Kontinuums ansieht. Für Hirschfeld standen bei den Jahrbüchern allerdings nicht die akademischen Lorbeeren, sondern sein Beitrag zu gesellschaftlicher Veränderung im Vordergrund. Die Jahrbücher waren sowohl ein Aufruf an Menschen in den Zwischenstufen, sich selbstbewusst zu ihrer Identität zu bekennen, als auch der Versuch, alten Wahrheiten anhängende Mitglieder der Berliner und allgemein deutschsprachigen Intelligenzia dazu zu bringen, ihre Vorurteile abzubauen. Der vorliegende Doppelband präsentiert eine Auswahl biographischer, theoretischer und soziologischer Texte zu nicht-heterosexuellen Identitäten und Geschlechtsbeziehungen, die mit ihrem positiven Bezug auf das Thema ihrer Zeit voraus und ein wichtiger Wegbereiter einer weitgehend fortschrittlichen und von den Nationalsozialisten 1933 umgehend abgeräumten deutschen Sexualwissenschaft waren.

* Kardinal Josef Moser, Der Herr ist die Kraft meines Lebens: eine Schrift an die Gefangenen. Ohne Verlagsangabe, 1987. – 1971 schmuggelte Horst Mahler unter dem Titel »Die neue Straßenverkehrsordnung« eine Programmschrift der RAF aus dem Knast. Anderthalb Jahrzehnte später ging die Gefangenenzeitschrift »Haberfeldt« den umgekehrten Weg. Mit schmalzigem Titel und einem erfundenen Kardinal als Verfasser sollte bei der Zustellung die Knastzensur umgangen werden. Der Inhalt (hauptsächlich Berichte und Dokumente zu den alltäglichen und weniger alltäglichen Knastschikanen) mag aus heutiger Sicht zweitrangig erscheinen, die Form macht es zu einer kleinen Perle in unser Sammlung zur linken Geschichte.

* Fiona Giles (Hrsg.), Dick for a Day: What Would You Do if You Had One? New York: Villard, 1997. – Fiona Giles lässt eine illustre Schar von Künstlerinnen und Autorinnen der Frage nachgehen, was sie tun würden, hätten sie einen Tag lang einen P***s. Die Antworten fallen ebenso spielerisch wie unbekümmert um überkommene Vorstellungen vom weiblichen P***sneid aus. Während Janice Eidus sich einer entsprechenden Adaption des Märchens Schneewittchen annimmt, in der die sieben Zwerge kurzerhand durch die P***sse von Rockstars ersetzt werden, verbleibt Pat Califia in ihren Überlegungen auf der hypothetischen Ebene, um sich quasi im Vorbeigehen mit pornographischer Ikonographie und der je verschiedenen Problematik auseinanderzusetzen, in der männliche und weibliche Homosexuelle sich in ihrem Verhältnis zu den eigenen Eltern wiederfinden, so diese nicht zum liberaleren Teil der Gesellschaft gehören. Kim Addonizio findet ihren P***s mit einem Schleifchen verziert auf der Straße, während Luisa Valenzuela über das Angebot eines amerikanischen Literaturagenten sinniert, einen P***s zugesandt zu bekommen, um danach über ihre Erfahrungen im Rahmen eines Experiments zu berichten. Zu diesen und den vielen weiteren Texten in dem Sammelband gesellen sich gezeichnete Komik sowie graphisch-textliche Kollagen.

* Gabriel Ferreira Zacarias, Crítica do espetáculo: o pensamento radical de Guy Debord. São Paulo: Elefante, 2022. – Aus der Reihe »Crise & Critica«: kritische Gesellschaftstheorie aus Brasilien. Kann das jemand von uns Provinznasen lesen? Nö. Gibt es dafür trotzdem in der HSB einen Platz? Aber immer.

* Geoff Robertson, The Tyrannicide Brief: the Story of the Man Who Sent Charles I to the Scaffold. New York: Pantheon, 2005. – Die englische Republik (1649–1660) genießt auch unter Linken nicht eben den besten Ruf. Cromwell gilt weniger als Umwälzer denn als puritanischer Eiferer und blutiger Unterdrücker Irlands. Dass darin »the good old cause« nicht aufgeht, zeigt der Autor an einem ihrer wichtigsten (und heute vergessenen) Protagonisten. John Cooke, Chefankläger des Parlaments, entwickelte in seiner Anklageschrift gegen Charles I als erster die juristischen Prinzipien, die es erlaubten, einen Monarchen als Verbrecher an seinem Volk abzuurteilen – und kämpfte nebenbei für eine Reform des Rechts im Interesse der Armen. Nach dem Ende des Commonwealth fiel Cooke dem Rachefeldzug der Restauration an den »Königsmördern« zum Opfer. Aus dem Gefängnis schrieb er an seine Familie: »Wir kämpften für das allgemeine Wohl und hätten das Volk ermächtigt und das Wohlergehen der ganzen ächzenden Schöpfung gesichert, hätte die Nation sich nicht an Knechtschaft mehr erfreut als an Freiheit.« Ein großer Revolutionär, dem Robertson das verdiente Denkmal setzt.

* Tsveyfl: dissensorientierte Zeitschrift. Heft 3 (2022): Anarchismus und Autonomie. – Ein altes Vorurteil besagt, das einzige, was AnarchistInnen schreiben würden, seien Bücher über den spanischen Bürgerkrieg. Eine anarchistische Theoriezeitschrift stellt daher an sich schon eine erfreuliche Überraschung dar; und umso mehr, wenn sich darin kluge Texte über Entfremdung und Geschlechterverhältnis, über »digital work« oder über den Marxismus der jugoslawischen Praxis-Gruppe finden.

* Annelien de Dijn, Freedom: an Unruly History. Cambridge, MA: Harvard Univ. Press, 2020. – Wenn heute der Ruf nach »Freiheit« erschallt, denkt niemand mehr an so altbackene Vorhaben wie die Befreiung der Arbeiterklasse oder die Emanzipation der Frauen. Heute bedeutet Freiheit die Abschaffung von Arbeitnehmerrechten und das Recht, auf der Autobahn so schnell zu rasen, wie der Stau es zulässt. Wie es zu dieser begrifflichen Wandlung kam, zeichnet die belgische Historikerin in ihrem Abriss von der Antike bis zur Postmoderne nach. Den entscheidenden Bruch verortet sie im 19. Jahrhundert, als von der Französischen Revolution verschreckte Bürger begannen, Freiheit nicht mehr als Prinzip gesellschaftlicher Selbstbestimmung zu verstehen, sondern diese als im liberalen Nachtwächterstaat bereits verwirklicht ansahen. Wäre das, aus materialistischer Sicht, das letzte Wort zur Sache? Sicher nicht. Aber etwas anfangen kann man damit allemal.

Außerdem aufstocken konnten wir unseren Bestand in den Bereichen Kritische Theorie, Philosophie der Aufklärung, Psychoanalyse, Black Power, Musiktheorie und der Geschichte des Mythos. Gerne also mal wieder zum Stöbern vorbeischauen!

Luxe, calme et volupté wünscht
der Generalausschuss

Adresse

Billhorner Brückenstraße 40
Hamburg
20539

Benachrichtigungen

Lassen Sie sich von uns eine E-Mail senden und seien Sie der erste der Neuigkeiten und Aktionen von Hamburger Studienbibliothek erfährt. Ihre E-Mail-Adresse wird nicht für andere Zwecke verwendet und Sie können sich jederzeit abmelden.

Die Organisation Kontaktieren

Nachricht an Hamburger Studienbibliothek senden:

Teilen

Kategorie