07/06/2026
𝗘𝗿𝗶𝗻𝗻𝗲𝗿𝗻, 𝗯𝗲𝘃𝗼𝗿 𝗱𝗶𝗲 𝗦𝘁𝗶𝗺𝗺𝗲𝗻 𝘃𝗲𝗿𝘀𝘁𝘂𝗺𝗺𝗲𝗻: 𝗪𝗮𝗿𝘂𝗺 𝗕𝗲𝗴𝗲𝗴𝗻𝘂𝗻𝗴𝗲𝗻 𝗺𝗶𝘁 𝗛𝗼𝗹𝗼𝗰𝗮𝘂𝘀𝘁-𝗭𝗲𝗶𝘁𝘇𝗲𝘂𝗴𝗲𝗻 𝗳ü𝗿 𝗷𝘂𝗻𝗴𝗲 𝗠𝗲𝗻𝘀𝗰𝗵𝗲𝗻 𝘂𝗻𝘃𝗲𝗿𝘇𝗶𝗰𝗵𝘁𝗯𝗮𝗿 𝘀𝗶𝗻𝗱
In einer Zeit, in der Antisemitismus, Hass, Hetze, Extremismus und Gewalt wieder sichtbarer werden, gewinnt eine Aufgabe besondere Dringlichkeit: junge Menschen müssen Geschichte nicht nur aus Schulbüchern kennen.
Sie müssen ihr begegnen.
Sie müssen zuhören können.
Sie müssen verstehen, dass die Shoa kein abstraktes Kapitel der Vergangenheit ist, sondern ein Menschheitsverbrechen, das aus Worten, Ausgrenzung, Gleichgültigkeit, Propaganda und gesellschaftlicher Verrohung erwachsen ist.
Für die Jüdisch Chassidische Kultusgemeinde Breslev Deutschland mit Sitz in Hanau und das Bildungswerk PINOT – Jüdische Bildungsbausteine mit Sitz in Hanau steht diese Arbeit seit Jahren im Mittelpunkt.
In Schulen, Universitäten, öffentlichen Veranstaltungen, Unternehmen und Bildungsprojekten werden Begegnungen geschaffen, die nicht nur informieren, sondern prägen.
Der pädagogische Kern dieser Arbeit liegt darin, Geschichte persönlich erfahrbar zu machen und daraus Verantwortung für Gegenwart und Zukunft abzuleiten.
Besonders wichtig ist dabei die Begegnung mit Holocaust-Zeitzeuginnen und Holocaust-Zeitzeugen.
Ihre Lebensgeschichten eins zu eins zu hören, ist durch kein Lehrbuch, keinen Film und keine digitale Darstellung vollständig zu ersetzen. Wenn ein Mensch erzählt, wie Entrechtung begann, wie Nachbarn wegsahen, wie Familien auseinandergerissen wurden, wie Angst, Hunger, Verfolgung und Verlust das Leben bestimmten, dann entsteht ein anderer Zugang.
Jugendliche hören nicht von Zahlen, sondern von Menschen. Nicht von einer fernen Vergangenheit, sondern von erlebtem Leid, von Überleben, von Erinnerung und von der Verpflichtung, niemals gleichgültig zu werden.
Diese Begegnungen sind pädagogisch von unschätzbarem Wert. Gerade junge Menschen wachsen heute in einer Medienwelt auf, in der Gewalt häufig inszeniert, überzeichnet oder konsumierbar gemacht wird. Videospiele, Actionfilme und digitale Inhalte können Gewalt entkoppeln von ihren realen Folgen.
Deshalb ist es so wichtig, dass Jugendliche die Realität des Grauens erzählt bekommen: nicht als Schockpädagogik, sondern als ernsthafte, menschliche und verantwortungsvolle Bildungsarbeit.
Die Shoa war kein Film. Sie war keine Szene. Sie war die systematische Vernichtung jüdischen Lebens und unzähliger weiterer Opfergruppen. Wer das durch die Stimme eines Überlebenden hört, begreift Geschichte tiefer.
Doch diese Stimmen werden weniger. Die Generation der Holocaust-Zeitzeuginnen und Zeitzeugen stirbt aus. Umso dringlicher ist es, diese letzten direkten Begegnungen zu ermöglichen und gleichzeitig neue Formen der Erinnerungsarbeit zu stärken. Eine besondere Rolle spielt dabei auch die sogenannte zweite Generation: die Söhne und Töchter von Überlebenden. Sie tragen die Geschichten ihrer Familien weiter, berichten von den Folgen der Verfolgung über Generationen hinweg und zeigen, dass die Shoa nicht 1945 einfach endete. Traumata, Verlust, Schweigen, Angst und Identitätsfragen wirkten in Familien weiter. Auch diese Perspektive ist pädagogisch hoch bedeutsam, weil sie Jugendlichen vermittelt, dass Geschichte Folgen hat – bis heute.
Die Jüdisch Chassidische Kultusgemeinde Breslev Deutschland organisiert seit Jahren solche Veranstaltungen, Begegnungen, Workshops und Projekte. Gemeinsam mit dem Bildungswerk PINOT wurden pädagogisch ausgearbeitete Konzepte erfolgreich an Schulen umgesetzt. Dabei geht es nicht nur um historische Wissensvermittlung, sondern um Haltung, Empathie, demokratische Bildung und gesellschaftliche Verantwortung.
An Schulen arbeitet die Gemeinde mit ganzen Jahrgangsstufen, Klassenverbänden und Projektwochen. In einzelnen Wochen wurden bereits rund 600 Schülerinnen und Schüler erreicht. Diese Zahl zeigt nicht nur die Reichweite der Arbeit, sondern auch den Bedarf. Jugendliche bringen Fragen mit. Sie bringen Unsicherheiten mit. Manche bringen Vorurteile mit, die sie aus sozialen Medien, familiären Prägungen oder gesellschaftlichen Debatten übernehmen. Genau dort setzt die Bildungsarbeit an: nicht mit Belehrung von oben, sondern mit Begegnung, Gespräch, Zuhören und pädagogisch geleiteten Reflexionsräumen.
Ein zentraler Mehrwert für Schulen liegt darin, dass die Schülerinnen und Schüler nicht nur Fakten lernen, sondern in einen Dialog treten. Sie erfahren, was Antisemitismus bedeutet, wie Vorurteile entstehen, warum Sprache gefährlich werden kann und wie schnell Ausgrenzung normalisiert wird, wenn niemand widerspricht. Gleichzeitig lernen sie, Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen. Sie lernen, dass Demokratie nicht nur ein politisches System ist, sondern eine tägliche Haltung im Umgang miteinander.
Für Universitäten eröffnet diese Arbeit einen vertieften Zugang zu Erinnerungskultur, Antisemitismusforschung, Sozialer Arbeit, Pädagogik, Religionswissenschaft, politischer Bildung und interkultureller Praxis. Studierende, die später in Schulen, Verwaltung, Medien, Sozialarbeit, Justiz, Sicherheitsbehörden oder Unternehmen tätig sein werden, brauchen ein fundiertes Verständnis dafür, wie Antisemitismus funktioniert. Sie müssen erkennen, dass Antisemitismus nicht nur in offenem Hass sichtbar wird, sondern auch in Codes, Verschwörungserzählungen, Schuldumkehr, Israelbezogenem Antisemitismus, Schweigen und Relativierung.
Das Bildungswerk PINOT setzt darüber hinaus Ausstellungen zum jüdischen Leben heute, Konzertveranstaltungen, Begegnungsformate und Bildungsprojekte um. Diese Arbeit verbindet Erinnerungskultur mit Gegenwartsfragen.
Jüdisches Leben wird nicht nur über Verfolgung, Leid und Shoa dargestellt, sondern auch als lebendige, religiöse, kulturelle und gesellschaftliche Realität heute. Genau dieser Zugang ist wesentlich: Wer jüdisches Leben nur aus der Perspektive der Vergangenheit kennt, versteht nicht, was jüdisches Leben heute braucht – Sichtbarkeit, Sicherheit, Respekt und gleichberechtigte Teilhabe.
Die Projekte von PINOT und der Jüdisch Chassidischen Kultusgemeinde Breslev schlagen dabei eine Brücke zwischen Demokratiebildung, Antisemitismusprävention, Extremismusprävention, Antiziganismus, Rassismus, Gewalt gegen Frauen, queerfeindlichen Übergriffen und weiteren Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit.
Der pädagogische Ansatz macht deutlich: Diese Phänomene sind nicht identisch, aber sie haben gemeinsame Mechanismen. Sie beginnen häufig mit Abwertung, mit Sprache, mit Gerüchten, mit Bildern im Kopf, mit dem Satz: „Die anderen sind anders, gefährlich oder weniger wert.“
Bildungsarbeit gegen Antisemitismus ist deshalb immer auch Bildungsarbeit für Menschlichkeit. Sie stärkt demokratische Kompetenzen, Konfliktfähigkeit und Empathie. Sie hilft jungen Menschen, einfache Feindbilder zu hinterfragen. Sie zeigt, dass Respekt nicht bedeutet, keine Unterschiede zu haben, sondern mit Unterschieden verantwortungsvoll umzugehen.
Ein zunehmend wichtiger Arbeitsbereich sind Unternehmen. Gerade dort treffen Menschen unterschiedlicher Religionen, Herkunftsländer, Kulturen und politischer Prägungen täglich aufeinander. In Zeiten des Nahostkonflikts entstehen auch in Betrieben Spannungen, Missverständnisse und Konflikte. Kolleginnen und Kollegen bringen persönliche Betroffenheit, politische Meinungen, religiöse Identitäten oder familiäre Geschichten mit an den Arbeitsplatz. Wenn solche Konflikte nicht begleitet werden, können sie eskalieren.
PINOT hat hierfür Konzepte zur Konfliktbearbeitung und Prävention entwickelt. Es geht darum, Räume zu schaffen, in denen über Religion, Identität, Antisemitismus, antimuslimischen Rassismus, gegenseitige Ängste und respektvollen Umgang gesprochen werden kann. Gerade im Verhältnis zwischen jüdischen und muslimischen Mitarbeitenden braucht es Sensibilität, Wissen und klare Regeln. Der Arbeitsplatz darf kein Ort von Hass, Provokation oder Ausgrenzung werden. Er muss ein Raum bleiben, in dem Menschen unabhängig von Religion, Herkunft oder politischer Lage respektvoll zusammenarbeiten können.
Dabei ist wichtig: Konfliktbearbeitung bedeutet nicht, alles gleichzusetzen oder Antisemitismus zu relativieren. Im Gegenteil. Professionelle Bildungsarbeit benennt Antisemitismus klar, schützt Betroffene und schafft gleichzeitig Gesprächsformate, in denen Menschen lernen können, Konflikte sachlich, respektvoll und ohne Feindbilder auszutragen. Genau darin liegt der pädagogische und gesellschaftliche Wert dieser Arbeit.
Die Jüdisch Chassidische Kultusgemeinde Breslev Deutschland und das Bildungswerk PINOT haben sich gerade in den schwierigen Zeiten des Nahostkonflikts durch zahlreiche Veranstaltungen, Workshops und Seminare ausgezeichnet. Während vielerorts Unsicherheit, Sprachlosigkeit oder Polarisierung zunahmen, wurden hier Bildungsräume geschaffen. Räume, in denen nicht Hass und Parolen im Mittelpunkt standen, sondern Aufklärung, Begegnung und Verantwortung.
Besonders eindrücklich zeigt sich der Erfolg solcher Arbeit oft erst Jahre später. Ein Erlebnis von Niko Deeg, Vorstand der Jüdisch Chassidischen Kultusgemeinde Breslev Deutschland, macht dies deutlich. Eines Tages betrat er einen Baumarkt. Dort wurde er von einem jungen Mitarbeiter an der Information laut und freudig begrüßt: „Hey, ich kenne dich, du bist doch der Jude.“
Der Satz hätte im ersten Moment irritieren können. Doch dann entwickelte sich ein Gespräch. Der junge Mann erklärte, dass er als Schüler an einem Konzert gegen Antisemitismus und Rassismus teilgenommen habe. Das sei sechs oder acht Jahre her. Trotzdem könne er sich genau erinnern. Diese Begegnung habe ihm etwas für sein Leben mitgegeben. Er habe gelernt, sachlich, respektvoll und tolerant mit seinem Gegenüber umzugehen.
Für Niko Deeg war dieser Moment ein nachhaltiger Beweis für die Wirkung der Bildungsarbeit. Denn echte Pädagogik zeigt sich nicht nur in einem ausgefüllten Arbeitsblatt, nicht nur in einer Teilnahmebescheinigung und nicht nur am Projekttag selbst. Sie zeigt sich Jahre später, wenn ein junger Mensch im Alltag anders denkt, anders spricht und anders handelt. Wenn er sich erinnert. Wenn er verstanden hat. Wenn aus einem Workshop eine Haltung geworden ist.
Genau darin liegt der Erfolg der Arbeit der Gemeinde und des Bildungswerks. Die Veranstaltungen erreichen nicht nur den Kopf, sondern auch das Herz. Sie vermitteln Wissen, aber sie fördern zugleich Empathie. Sie schaffen Begegnung, aber sie verlangen auch Verantwortung. Sie machen deutlich, dass Antisemitismus nicht erst dort beginnt, wo Gewalt ausgeübt wird. Er beginnt viel früher: in Witzen, in Gerüchten, in Verschwörungserzählungen, in Gleichgültigkeit, in Schweigen.
Für Schulen bedeutet diese Arbeit eine wichtige Ergänzung zum Unterricht. Lehrkräfte leisten täglich wertvolle Arbeit, stehen aber angesichts gesellschaftlicher Entwicklungen oft vor großen Herausforderungen. Externe Bildungsprojekte durch jüdische Gemeinden und spezialisierte Bildungswerke bringen authentische Perspektiven, gelebte Erfahrung und fachliche Kompetenz in den Schulalltag. Sie ermöglichen Jugendlichen, Fragen zu stellen, die sie im regulären Unterricht vielleicht nicht stellen würden. Sie eröffnen Gesprächsräume, die nachhaltig wirken können.
Für Schülerinnen und Schüler entsteht dadurch ein Lernprozess, der weit über Geschichte hinausgeht. Sie lernen, wie Diskriminierung funktioniert. Sie lernen, wie Vorurteile abgebaut werden können. Sie lernen, warum Demokratie Schutz braucht. Sie lernen, dass jüdisches Leben nicht nur erinnert, sondern heute respektiert und geschützt werden muss.
Für die Allgemeingesellschaft sind solche Veranstaltungen ebenso bedeutsam. Denn Antisemitismus ist kein Problem einzelner Gruppen und kein Randphänomen. Er betrifft die gesamte Gesellschaft. Wenn jüdische Menschen sich in Deutschland unsicher fühlen, dann ist das ein demokratisches Alarmsignal. Wenn Hass im Netz, auf Schulhöfen, in Betrieben oder auf der Straße normalisiert wird, dann braucht es klare, sichtbare und kontinuierliche Gegenarbeit.
Die Arbeit der Jüdisch Chassidischen Kultusgemeinde Breslev Deutschland und von PINOT zeigt, dass Prävention nicht erst nach einem Vorfall beginnen darf. Sie muss vorher ansetzen. Sie muss Wissen vermitteln, Begegnungen ermöglichen, Konflikte bearbeiten und Menschen befähigen, Haltung zu zeigen. Antisemitismus, Hass, Hetze und Gewalt entstehen nicht im luftleeren Raum. Sie wachsen dort, wo Unwissen, Vorurteile und Gleichgültigkeit aufeinandertreffen.
Darum ist Bildungsarbeit eine der stärksten Antworten auf Menschenfeindlichkeit. Sie verhindert nicht jedes Problem sofort. Aber sie verändert Perspektiven. Sie erreicht junge Menschen in einer prägenden Lebensphase. Sie stärkt Lehrkräfte, Schulen, Unternehmen und Kommunen. Sie schafft Brücken, wo andere spalten wollen. Und sie bewahrt Erinnerung, bevor die Stimmen der Zeitzeugen endgültig verstummen.
Die Botschaft dieser Arbeit ist klar: Erinnern ist keine Pflichtübung. Erinnern ist Verantwortung. Begegnung ist kein Zusatzangebot. Begegnung ist Prävention. Und jüdische Bildungsarbeit ist kein Randthema, sondern ein unverzichtbarer Bestandteil demokratischer Kultur.
Gerade heute braucht es diese Arbeit mehr denn je. In Schulen, an Universitäten, in Unternehmen, in Kommunen und in der gesamten Gesellschaft. Denn wer jungen Menschen zuhört, wer ihnen Geschichte nahebringt, wer ihnen Begegnung ermöglicht und ihnen zeigt, wie gefährlich Hass werden kann, der investiert nicht nur in Bildung. Er investiert in eine friedlichere, demokratischere und menschlichere Zukunft.
PINOT- Jüdische Bildungsbausteine
Bildungswerk - Begegnungsstätte in Hanau, Berlin, Michelstadt und Selb
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Jüdisch Chassidische Kultusgemeinde Breslev Deutschland
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International Jüdisches Zentrum für Menschlichkeit und Toleranz - MUT
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PONOT- Jüdische Bildungsbausteine
Bildungs- und Begegnungsstätte in Hanau.
Bundesweit aktiv.
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