28/05/2026
„Du kannst überleben!“ – Oberst Schoebel über die Ausbildung im Spezialkräftezentrum in Pfullendorf
Haben Soldaten noch eine Bedeutung auf dem hochtechnisierten Gefechtsfeld? Die zunächst widersinnig klingende Frage, gestellt von Oberst Christian Schoebel bei seinem Vortrag im Rahmen der CDU-Veranstaltungsreihe „Sicherheit – neu denken?“ vergangene Woche, trägt dabei allerdings durchaus den neuesten operativen und strategischen Entwicklungen Rechnung. Vor einem zahlreichen, interessierten Publikum in Schönach, begrüßt und anmoderiert vom hiesigen CDU-Ortsverbandschef Simon Klaiber, breitete der Kommandeur des Ausbildungszentrums Spezielle Operationen in Pfullendorf ziemlich schonungslos das Bild der modernen Front am aktuellen Beispiel Ukraine aus, welche als Drohnen-verseuchte „Kill-Zone“ zwischen den vorderen Linien eine dystopische Wirklichkeit bildet. Dort ist für den einzelnen Soldaten fast keine Bewegung mehr möglich, ohne aufgeklärt und bekämpft zu werden. Drohnen seien die neue, tödliche Realität in der Kriegsführung, Operationen nur noch möglich bei schlechter Sicht, starkem Wind oder in der Nacht – und gerade hier spielen Spezialkräfte wieder ihre Rolle in der „Choreographie“ des modernen Krieges, wie der drahtige Militär erläutert, wo alles fast wie in einem Orchester zusammenspielen muss. So zumindest das NATO-Ziel für die eigene Einsatzführung. Kollateralschäden jedenfalls wie bei den Einsätzen zu Beginn der 2000er Jahre seien heute nicht mehr egal, Präzisionseinsätze wie in Venezuela oder im Iran vielmehr exemplarisch. Und die Ausbildung der Spezialkräfte auch hier in Deutschland trägt dem Rechnung, wie Schoebel aus erster Hand berichtet.
Schon die Rekrutierung für diese Einheiten sei eine Riesenherausforderung, so der Referent, der ja als Chef des renommierten Ausbildungszentrums Spezielle Operationen durchaus ein Lied von der „Generation Z“ und ihrer vielzitierten „work-life-balance“ singen kann. Der Spezialkräftesoldat müsse heute körperlich und mental hoch leistungsfähig sein, klaglos schwere Lasten über weite Strecken tragen können, sollte aber auch in einem stabilen sozialen Hintergrund verankert sein, also mentale Stabilität mitbringen. Heute setzt man bei der Armee auch verstärkt, militärisch realistisch und pragmatisch, aufgrund begrenzter menschlicher Ressourcen auf ältere Kameraden, Feldwebeldienstgrade, welche man fit halten müsse, die aber mit ihrer Abgeklärtheit und Erfahrung von großem Wert seien. Gleichwohl ist das Portfolio, das das Ausbildungszentrum bietet, hochwertig, und neben dem klassischen „Brot- und Buttergeschäft“ – Schießlehrgänge, Orts- und Häuserkampf, alles auf höchstem Niveau – werden die Kommandosoldaten z.B. auch als Einsatzsanitäter ausgebildet, was in Pfullendorf heißt: Mehrwöchige bis mehrmonatige Ausbildungsgänge, teils mit praktischen Anteilen als Sanitäter im zivilen Rettungsdienst, teils in speziellen europäischen Ausbildungsstätten. Schoebel nennt das alles die Schlüsselfähigkeiten: „shoot, move, communicate, medicate“, also NATO-Doktrin. Den Soldaten wird bei all dem Handlungssicherheit vermittelt: „Du kannst überleben!“ – Seine Zuhörer eben davon zu überzeugen, von der Effektivität und Hochwertigkeit der Ausbildung nämlich, war auch Christian Schoebels Ansinnen an diesem Abend, trotz der massiven und bedrückenden Szenarien, die das moderne Gesicht des Krieges prägen. Daß das so ankam, heißt auch: Sicherheit ist kein Randthema, wie Simon Klaiber treffend bemerkte, und wie dieser Abend erneut unter Beweis gestellt hat.
Bild 1: Oberst Christian Schoebel schlägt das Publikum schnell in seinen Bann. (Bild: Andreas Steffan)
Bild 2: Frieder Kammerer vom CDU-Ortsverband und Oberst Christian Schoebel bei der abschließenden Fragerunde. (Bild: Simon Klaiber)
Bild 3: Die Initiatoren (von links) Simon Klaiber und Frieder Kammerer von der CDU mit dem Referenten Christian Schoebel. (Bild: Andras Steffan)