28/08/2026
Vorbild statt Vorwurf
Ich bin viel draußen unterwegs, mit Hund, in der Natur, unter Menschen. Und ich grüße. Das wurde mir so mitgegeben, aber es ist für mich längst mehr als Erziehung. Es ist eine Erfahrung: Wer lächelt, wer grüßt, bekommt oft etwas zurück. Manchmal nur ein Nicken. Manchmal ein Lächeln, das vorher nicht da war.
Deshalb fällt mir etwas auf, das ich nicht verallgemeinern, aber auch nicht verschweigen möchte. Immer wieder höre ich, wie über die Jugend geschimpft wird. Kein Respekt mehr, keine Erziehung, früher war das anders. Und meistens sind es die Älteren, die das sagen, logisch, sonst würden sie ja über sich selbst schimpfen.
Und genau diese Generation, die am lautesten über fehlenden Respekt klagt, ist mir draußen am häufigsten mit Schweigen begegnet. Kein Gruß, kein Blick, kein Kopfnicken, selbst wenn man sich direkt in die Augen schaut. Und keine Reaktion ist eben auch eine Reaktion.
Mein Sohn ist oft dabei, wenn ich unterwegs bin. Er erlebt mit, dass ich zuerst grüße, und er erlebt mit, wenn darauf einfach nichts zurückkommt. Mir ist es dabei völlig egal, wer zuerst grüßt, darauf lege ich keinen Wert. Was ich aber schade finde, ist, wenn ein Gruß einfach verpufft.
Und ich freue mich riesig über die, die zurückgrüßen. Über die, die sich sichtlich freuen, deren Gesicht vorher noch nachdenklich oder traurig war und danach ein Stück heller wirkt. Das sind die Momente, für die es sich lohnt.
Resignieren werde ich deswegen nicht. Ich werde weiter grüßen, weiter lächeln, und meinem Sohn darin ein Vorbild sein. Und vielleicht denken genau die, die am lautesten schimpfen, beim nächsten Mal kurz daran, bevor sie einfach weitergehen.
Am Ende geht’s ja gar nicht nur ums Grüßen. Vorbild statt Vorwurf lässt sich auf so ziemlich jeden Lebensbereich übertragen, in der Familie, im Job, überall dort, wo wir uns wünschen, dass sich etwas zum Guten bewegt. Verändern kann ich nur mich selbst, und genau da fängt es an.
Liebe geht raus ♥️
Deine Denise.