01/07/2026
STADTRÄTE RINGEN UM ENTSCHEIDUNG ZUM ZCOM
Stellungnahme der Stadträte vom Bürgerbündnis „Aktives Hoyerswerda“ zum Stadtratsbeschluss über den Gemeinde-Sitzanteil für das ZCOM am 30.06.26
Die Entscheidung über die weitere Bezuschussung des ZCOM fiel uns außerordentlich schwer. In den vergangenen Tagen und Wochen haben wir intensiv beraten, Argumente abgewogen und viele Rückmeldungen aus der Bürgerschaft, aus Kultur, Verwaltung und Institutionen aufgenommen.
Innerhalb unserer Fraktion gibt es keine leichtfertige Haltung zu diesem Thema. Uns verbindet der Respekt vor dem Erbe Konrad Zuses, vor der Aufbauleistung des Museums, vor dem Engagement der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie des Vereins. Zugleich sehen wir die angespannte finanzielle Lage der Stadt und die Verantwortung, mit öffentlichen Mitteln verlässlich und zukunftsfähig umzugehen.
Ein Teil unserer Fraktion hält eine weitere Bezuschussung derzeit nicht für verantwortbar. Aus dieser Sicht fehlen ein tragfähiges Konzept, eine gesicherte Leitungsperspektive und eine belastbare Finanzierungsstruktur. Die Sorge ist groß, dass mit weiteren städtischen Mitteln vor allem der laufende Betrieb gestützt würde, ohne dass damit bereits eine echte Neuaufstellung erreicht wird. Auch andere soziale, kulturelle und freiwillige Aufgaben der Stadt stehen unter erheblichem Finanzdruck.
Andere Stimmen in unserer Fraktion warnen davor, das ZCOM gerade jetzt aufzugeben. Sie sehen in der Verbindung mit dem Smart Mobility Lab, dem Deutschen Zentrum für Astrophysik und weiteren regionalen Partnern eine vielleicht letzte Chance, aus dem Museum einen besonderen Bildungs-, MINT- und Zukunftsort für Hoyerswerda zu entwickeln. Dafür bräuchte es aus dieser Sicht jedoch klare Bedingungen: geeignetes Personal, eine verbindliche Strategie, professionelle Begleitung und ein begleitendes Gremium mit echter Mitsprache.
Wieder andere Mitglieder beschreiben die Entscheidung als besonders belastend, weil einerseits die Defizite, Besucherzahlen und strukturellen Probleme nicht ignoriert werden können, andererseits aber deutlich geworden ist, wie viele Menschen und Institutionen sich mit Ideen, Appellen und Sorge um das ZCOM melden. Daraus entsteht der Wunsch, nicht vorschnell zu entscheiden, sondern noch einmal zu prüfen, ob ein tragfähiger Zwischenweg möglich ist.
Auch die Zustimmung zur Beschlussvorlage wird in unserer Fraktion nicht als einfacher Schlussstrich verstanden. Sie wird von einzelnen Mitgliedern schweren Herzens vertreten -verbunden mit der Hoffnung, dass die Debatte einen größeren kulturpolitischen Aufschrei auslöst und vielleicht doch noch Kräfte in Stadt, Land oder Bund mobilisiert, die eine Zukunft der Sammlung und des Zuse-Erbes sichern können.
Unsere Fraktion ist in dieser Frage erkennbar zerrissen. Diese Zerrissenheit ist kein Zeichen von Schwäche, sondern Ausdruck der Verantwortung, die wir gegenüber dem ZCOM, gegenüber der Kulturstadt Hoyerswerda und gegenüber dem städtischen Haushalt tragen.
Wir werden diese Entscheidung mit Respekt vor allen Argumenten treffen. Klar ist für uns: Unabhängig vom Abstimmungsergebnis darf das Erbe Konrad Zuses nicht achtlos verloren gehen. Die Frage bleibt, ob und wie Hoyerswerda gemeinsam mit weiteren Partnern eine tragfähige Zukunft für diesen besonderen Ort ermöglichen kann.