Pekari - linke Basisgruppe

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Pekari heißt auf der Sprache der indigenen Tupi in Brasilien „Tier, das viele Wege durch den Wald macht“. Es ist ein äußerst geselliges, sich meist vegetarisch ernährendes Schwein, das in gut organisierten Gruppen mit schwach ausgeprägter Rangordnung lebt. Die einzigen natürlichen Feinde der Pekaris sind Puma und Jaguar, aber auch diese sind vor ihrer Kraft und Widerstandsfähigkeit nicht sicher. A

ußerdem tragen sie einen stylischen, schwarzen Iro auf dem Rücken und verbreiten einen starken Geruch, der ihre Umwelt ins Wanken bringt.

Nachtrag zur Aufarbeitung von täterschützendem Verhalten & Auflösungserklärung der Gruppe Pekari Jena ** Triggerwarnung:...
18/12/2021

Nachtrag zur Aufarbeitung von täterschützendem Verhalten & Auflösungserklärung der Gruppe Pekari Jena

** Triggerwarnung: In diesem Text geht es um sexuelle und sexualisierte Gewalt **

Anschließend an den von uns im August 2021 veröffentlichten Zwischenstand zur Aufarbeitung von Vorfällen sexueller und sexualisierter Gewalt (http://pekari.blogsport.de/2021/08/06/ein-zwischenstand-zur-aufarbeitung-von-vorfaellen-sexueller-und-sexualisierter-gewalt/) möchten wir im Folgenden nun darlegen, wie wir die darin beschriebenen Leerstellen und Versäumnisse in Bezug auf täterschützendes Verhalten in unserer Gruppe bearbeitet haben.
Zudem möchten wir hiermit bekanntgeben, dass wir die Gruppe Pekari in den kommenden Monaten auflösen werden. Wir werden uns bis dahin in kleiner Runde noch um eine politische Gesamtauswertung unserer Arbeit der vergangenen 8 Jahre bemühen, versuchen die für uns wichtigsten Erkenntnisse über die Stärken und Schwächen unseres Organisierungsprojektes festzuhalten und gehen dann unsere Wege. Unsere Webseite werden wir zu Dokumentationszwecken vorerst online lassen. Grund für die Auflösung ist in erster Linie die nur noch sehr geringe Anzahl an verbliebenen Mitgliedern. Es spielen aber auch große und über viele Jahre angestaute Frustrationen in Bezug auf wiederkehrende Probleme unserer Organisierung eine Rolle. Nicht zuletzt haben wir die Entscheidung auch vor dem Hintergrund unserer Fehler und Versäumnisse im Zuge unseres Aufarbeitungsprozesses der vergangenen zwei Jahren getroffen.

Vorab möchten wir zwei Dinge hervorheben: Zum einen basieren unsere Erkenntnisse neben allgemeinen Infos über Täterschutz auch aus Gesprächen mit den Täterschützer*innen selbst. In den beiden ersten beschriebenen Fällen haben wir die Kontaktierung von Betroffenen und deren Unterstützungs-Umfeld nicht für nötig empfunden, da es dabei in erster Linie um eine Auseinandersetzung damit ging, wie ein kritischer Umgang mit Tätern im eigenen Umfeld aussehen kann. In dem dritten beschriebenen Fall rund um die Täterarbeits-Gruppe war es der Wunsch der Betroffenen, nicht weiter mit dem Thema konfrontiert zu werden. Dies bitten wir bei der Einschätzung unseres Textes zu beachten und ihn aus diesem Blickwinkel kritisch zu beleuchten. Zum anderen möchten wir betonen, dass wir selbst keine Expert*innen bezüglich täterschützendem Verhalten sind. Wir möchten nur die Erkenntnisse teilen, die wir aus unseren Fehlern gelernt haben und hoffen, dass diese anderen vielleicht helfen können, einen besseren Umgang mit Vorfällen sexualisierter Gewalt zu finden. Wir sind natürlich weiterhin offen für Kritik, sowie dankbar für Anmerkungen und Hinweise.

1. Wann wird Täterumgang zu Täterschutz? - Aufarbeitung mit ehemaligen Genoss*innen

In den vergangenen Wochen und Monaten haben wir uns mit täterschützendem Verhalten einzelner Mitglieder unserer Gruppe auseinandergesetzt und möchten nun unsere Erkenntnisse transparent machen. Dazu haben wir uns zunächst zu täterschützendem Verhalten weitergebildet. Einige unserer Erkenntnisse erlangten wir aus einem Podcast/ Vortrag zu „Täterschutz in linken Strukturen“ der MONAliesA_Leipzig (https://www.mixcloud.com/MONAliesA_Leipzig/t%C3%A4terschutz-in-linken-strukturen/), welchen wir an dieser Stelle sehr empfehlen können. Die Auseinandersetzung damit war für uns sehr wertvoll und hat für uns einiges an Klarheit geschaffen. Zum einen, dass wir als Gruppe durch unser Schweigen zu den Outcalls passiven Täterschutz begangen haben. Zum anderen wurde in dem Vortrag der Unterschied und das Spannungsfeld zwischen Täterumgang und Täterschutz erläutert, was uns bei der Bearbeitung der Fälle sehr geholfen hat. Als Täterumgang wird hierbei ein Kontakt zu Tätern beschrieben, welcher eine kontinuierliche kritische Thematisierung der Tat miteinschließt und somit auch nützlich sein kann. Fällt diese kritische Komponente weg, kann der Umgang als Täterschutz bezeichnet werden. Täterschutz kann dabei allerdings auch wesentlich weiter führen, bis hin zu einer aktiven Deckung der Täter oder Angriffe auf und Abwertung von Betroffenen.

Gerade für das Spannungsfeld zwischen Täterschutz und Täterumgang mangelte es uns zuvor an einer begrifflichen Differenzierung, sodass wir, nachdem wir erfahren haben, dass zwei Genoss*innen einen Umgang mit zwei bekannten Tätern haben, zunächst sehr überstürzt reagierten haben und uns weniger inhaltlich damit auseinandergesetzt haben. Wir haben die Genoss*innen zunächst temporär ausgeschlossen, um uns erstmal ein Bild von der Lage zu machen, woraufhin diese die Gruppe jedoch endgültig verlassen haben (Dies lag wohl aber nicht in erster Linie an dem Ausschluss, sondern es gab auch weitere Gründe und der temporäre Ausschluss hat ihnen den Ausstieg leichter gemacht). Nach unserer ersten Phase der Auseinandersetzung mit dem Thema Täterschutz haben wir die beiden nun ehemaligen Genoss*innen (im Folgenden trotzdem weiter "Genoss*innen" genannt) eingeladen und ihren Täterumgang thematisiert.

Es zeigte sich, dass ein konsequent kritischer Umgang mit den Tätern innerhalb von Freund*innenschaften schwierig ist, auch wenn Taten thematisiert werden. In unserer Betrachtung der Beziehungsgefüge war eine Unterscheidung zwischen Täterumgang und Täterschutz nicht immer einfach, vor allem, da der kritische Umgang mit der Zeit immer weniger kritisch wurde.
In unserem Gespräch fiel uns eine eindeutige Bewertung also schwer. So ist das Verhalten in einigen Punkten als Täterschutz zu benennen, jedoch erschienen uns viele der Schwierigkeiten, mit den Tätern konstant und konsequent kritisch umzugehen auch nachvollziehbar und einige Ansprüche in der Realität schwer umsetzbar, vor allem wenn ein Kontaktabbruch zu einem der Täter auch die Beendigung anderer Freund*innenschaften bedeuten würde. Letztlich konnten wir nicht mit einem festen Ergebnis aus dem Gespräch gehen, aber die Auseinandersetzung kann trotzdem als produktiv angesehen werden.

Anschließend haben wir uns noch mit einem weiteren Genossen getroffen, welcher sowohl im Rahmen einer Täterarbeits-Gruppe, als auch nach Auflösung dieser Gruppe, Täterschutz begangen hat. Dies war uns in Teilen seit etwas über einem Jahr bekannt, allerdings haben wir uns dazu bis Juli diesen Jahres nicht verhalten (siehe vorheriges Statement und der Teil "Unsere Fehler" in diesem Statement). In dem Gespräch hat er uns noch einmal detaillierter dargelegt, was er getan hat und wie sein Aufarbeitungsprozess danach aussah. Hierbei zeigte sich, dass er definitiv Täterschutz begangen hat. Es hatte bei ihm eine Weile gedauert, das Ausmaß seines täterschützenden Verhaltens einzusehen, mittlerweile hat bei ihm jedoch ein recht umfassender Reflexionsprozess stattgefunden, welcher allerdings noch nicht abgeschlossen ist. Vor allem hier machte sich bemerkbar, dass wir nur seine Perspektive kennen und nicht die Perspektive, der von der Tat betroffenen Person, was eine abschließende Einschätzung seines Verhaltens und seiner Aufarbeitung schwierig macht. In einem zweiten Treffen mit ihm behandelten wir dann vor allem die Rolle unserer Gruppe und wie unser Nicht-Verhalten ihm gegenüber zustande kam. Aus diesen beiden Treffen sind wir mit einigen vorläufigen Erkenntnissen zu begangenen Fehlern, aber auch zu Verbesserungsmöglichkeiten hervorgegangen, welche in den folgenden Abschnitten dargestellt werden sollen.

2. Was waren unsere Fehler im Umgang mit täterschützendem Verhalten?
Wir möchten zuerst konkreter auf unsere Fehler im Umgang mit täterschützenden Verhalten von und in unserer Gruppe eingehen.

Unwissenheit und Bagatellisierung
Die von uns im ersten Statement angesprochene Unwissenheit und Naivität unserer Gruppe in Bezug auf den Umgang mit sexualisierter Gewalt in den eigenen Reihen setzt sich bezüglich des Umgangs mit Täterschutz fort. Unwissenheit darüber, was Täterschutz ist, wie sich Täterschutz ausdrückt und welche Auswirkungen Täterschutz hat, führte dazu, dass wir uns als Gruppe nicht früher mit den konkreten Fällen beschäftigt haben. Dabei haben wir das täterschützende Verhalten als nicht so gravierend wahrgenommen, es bagatellisiert und nicht gesehen, dass wir uns dazu Verhalten müssen.

Verantwortungslosigkeit und -diffusion
Hinzu kam, dass wir uns innerhalb der Gruppe individuell jeweils auf die anderen Gruppenmitglieder verlassen haben. Jede*r ging davon aus, dass es sicher schon jemand anderes in der Gruppe gibt, der*die besser über den Fall informiert ist und daher eingreifen würde, falls wir dies thematisieren sollten. Hier zeigt sich, wie Verantwortungsdiffusion in Verantwortungslosigkeit übergeht.
Dieses Gefühl wurde dadurch unterstützt, dass wir mitbekommen haben, dass bei unserem Genossen bereits Aufarbeitungsprozesse in Bezug auf sein täterschützendes Verhalten stattfanden und wir deshalb glaubten, uns als Politgruppe nicht weiter damit beschäftigen zu müssen. Wie komplex die Aufarbeitungsprozesse waren, war uns zu diesem Zeitpunkt ebenfalls nicht bewusst. Wir nahmen an, dass in der individuellen Aufarbeitung bereits etwas gelernt wurde und vertrauten darauf, dass dies ausreichen würde.

Keine aktive Beschäftigung mit der Betroffenenperspektive
Erneut fehlte uns auch in der speziellen (Nicht-)Auseinandersetzung mit Täterschutz die Betroffenenperspektive und wir waren zu sehr auf die Sicht des Täters und seinem (täterschützenden) Umfeldes fokussiert. Erst durch die nachdrückliche Beschäftigung mit der Betroffenenperspektive, aus der zumindest das Verhalten eines Genossen klar als Täterschutz benannt wird, setzten wir uns mit den täterschützenden Verstrickungen unserer (ehemaligen) Mitglieder auseinander.

Verdrängung
Zuletzt spielt auch eine Rolle, dass wir als Gruppe dieses Thema zumindest unbewusst verdrängen wollten: Nach über einem Jahr Reflexions- und Aufarbeitungsprozess und der kurz davor internen Bekanntgabe eines sexuellen Übergriffs hat sich hier auch eine gewisse Müdigkeit und Hilfslosigkeit eingestellt.

3. Wie kann ein besserer Umgang mit Täterschutz aussehen?
Wir wollen nun nochmal versuchen zusammenzufassen, was wir aus unseren Fehlern für den Umgang mit täterschützenden Verhalten ableiten und anderen Gruppen für Auseinandersetzungen mit Täterschutz mit auf den Weg geben können.

Aktive Bemühung um Betroffenenperspektive und Betroffenensolidarität
Um täterschützendes Verhalten zu vermeiden (ob als Einzelperson oder Gruppe), ist die Parteilichkeit und Solidarität mit Betroffenen sexualisierter Gewalt am wichtigsten. Wie kann das aussehen? Zuhören, Betroffenen Zeit und Raum geben, Aussagen erst nehmen und vertraulich behandeln, (öffentliche) Statements gründlich lesen und Forderungen unterstützen, insgesamt die Bedürfnisse der betroffenen Person zur Kenntnis nehmen und sich dafür einsetzen, Schutzräume und Supportstrukturen schaffen oder einfordern und dazu – falls notwendig sowie von der Betroffenen gewünscht – andere Gruppen und Projekte informieren und dadurch eine Öffentlichkeit schaffen. Dies bedeutet, dass man sich immer aktiv um eine Betroffenenperspektive bemühen muss, erst recht, wenn Menschen mit Täterumgang bzw. täterschützendem Verhalten in der eigenen Gruppe sind.

Selbstbildung zu Funktionsweisen von Täterschutz
Weiterhin ist Bildung und eine feministische Auseinandersetzung mit Täterschutz wesentlich: Es geht darum, Berührungsängste abzubauen, Fallstricke zu kennen und Vorgehensweisen und Strukturen zu konzipieren, auf welche zurückgegriffen werden kann, wenn Fälle von täterschützendem Verhalten auftreten. Um Berührungsängste abzubauen, bedarf es selbstverständlich auch einer allgemeinen Auseinandersetzung mit sexueller und sexualisierter Gewalt und einer Anerkennung, dass diese auch in den eigenen Strukturen passiert bzw. passieren kann. Diese Auseinandersetzung sollte sich sowohl in einem solidarischen und unterstützenden Umgang mit Betroffenen wiederfinden als auch im Bewusstsein, wie Täterschutz funktioniert und auf welchen Ebenen dieser stattfindet.
Je mehr Bewusstsein in einer Gruppe darüber herrscht, wie Täterschutz funktioniert, desto besser kann er vermieden bzw. erkannt werden.

Awareness- und Ansprechstrukturen
Um eine Überforderung bei erkennbarem täterschützendem Verhalten in den eigenen Reihen auffangen zu können, sollten sich politische Gruppen Gedanken zu möglichen Awareness- bzw. Ansprechstrukturen machen. Diese können analog zu oder als Teil von Gruppenstrukturen agieren, welche interne Prozesse um Vorfälle sexualisierter Gewalt organisieren und begleiten (siehe dazu Punkte 4.1 und 4.2 in unserem ersten Statement). Wir selbst können hierzu leider keine konkreteren Impulse mehr geben.

Aufarbeitungs- und Entscheidungsprozesse brauchen Zeit und Kapazitäten
Für die Auseinandersetzung mit einem konkreten Fall von Täterschutz ist es wichtig, sich Zeit zu nehmen: Auf der einen Seite, geht es darum, sich als Politgruppe wirklich damit zu beschäftigen und es nicht hinten runterfallen zu lassen, weil andere Aspekte der politischen Arbeit als wichtiger oder „spaßiger“ erscheinen. Auf der anderen Seite ist es wichtig, nicht vorschnell zu handeln und gemeinsam abzuwägen, ob Ausschlüsse der richtige Weg sind, um eventuelle Prozesse zu begleiten. Auch wenn es hier hilfreich ist, sich beispielsweise anhand von Leitfäden bereits vorab Gedanken über mögliche Szenarien im Umgang mit Täterschutz zu machen, muss in konkreten Fällen immer individuell entschieden werden, was gar nicht so leicht ist.

Transparenz und geteilte Wissensstände
Unterschiedliche Wissensstände in Bezug auf intern oder öffentlich bekannte Vorfälle sexualisierter Gewalt können zu Problemen führen. Es sollte innerhalb der Gruppe nicht einfach angenommen werden, dass sich alle gleich gut auskennen, sondern möglichst große Offenheit und Transparenz – im Rahmen dessen, was die Forderungen und Wünsche der Betroffenen sind – geschaffen werden.
Größtmögliche Transparenz sollte auch über Beziehungsgeflechte in Täterumfelde und Täterumgang hergestellt werden. Ansonsten besteht die Gefahr einer Dynamik von Verantwortungslosigkeit, die z.B. so aussehen kann: Auf der einen Seite vermeiden diejenigen, die näher am Täterumfeld bzw. potentiell täterschützenden Personen dran sind und dadurch möglicherweise stärker involviert sind, die Thematisierung von möglichen Täterschutz-Fällen, um nicht auch das eigene, möglicherweise problematische Verhalten überprüfen und kritisieren zu müssen. Auf der anderen Seite verlassen sich aber auch diejenigen, die sich weniger auskennen, auf die, die mehr wissen und geben in dem Glauben, dass es nicht so wichtig ist, bestimmten Täterumgang zu problematisieren, da es ja die anderen sonst angesprochen hätten, ihre eigene Verantwortung ab. So können also unterschiedliche Wissensstände zu einer Nicht-Auseinandersetzung mit konkreten Fällen von Täterschutz führen.

Verstrickungen und Belastungen ernst nehmen
Schließlich haben wir für uns gemerkt, dass die sozialen Verantwortungsgefühle innerhalb der Gruppe eine Rolle spielen, wie und ob Täterschutz behandelt wird: Wenn innerhalb der Gruppe kaum auf Bedürfnisse und Emotionen eingegangen wird - wenn zum Beispiel Einzelne von Verstrickungen und damit einhergehenden Belastungen berichten - kann das eine Nichtbeschäftigung mit bzw. Nicht-Problematisierung von Täterschutz zur Folge haben. Äußerungen einzelner Genoss*innen hinsichtlich Verunsicherung oder Belastungen in Bezug auf eigenen Täterumgang dürfen nicht einfach überhört werden - nicht nur um Täterschutz zu vermeiden, sondern auch um Männlichkeit in Form von Auslagerung von Emotionen aus der Politgruppe in Freund*innenschaften zu vermeiden.

Kritikfähigkeit und Konfliktbereitschaft
Zuletzt ist es wichtig, Menschen für ihr problematischen Verhalten auch direkt und konsequent kritisieren zu können. Eine theoretische Bildung und eine Auseinandersetzung mit Funktionsweisen von Täterschutz hilft am Ende nicht, wenn die Konfrontation mit dem*der (potenziellen) Täterschützer*in nicht stattfinden kann, weil man sich dieses nicht zutraut. Der Konflikt und die Auseinandersetzung muss gesucht werden, auch falls die Gruppendynamik darunter leidet oder die Gruppenexistenz in Gefahr gerät.

4. Das Ende von Pekari, kein Ende der Auseinandersetzungen
Schon seit vielen Monaten ist für uns absehbar gewesen, dass wir die linke Basisgruppe Pekari auflösen werden. Für uns war es jedoch wichtig, die Aufarbeitungsprozesse rund um Täterschaft und Täterschutz in unserer Struktur zu einem Abschluss zu bringen und unser Scheitern und unsere Lehren daraus transparent zu machen. So ist uns inzwischen klarer, wie es zu unserem Nicht-Verhalten in Bezug auf täterschützendes Verhalten und zu unseren Fehlern und Versäumnisse im Zuge der Aufarbeitung von Vorfällen sexualisierter Gewalt kommen konnte. Wir werden nun unsere Reflektionen und Erkenntnisse in zukünftige linke Organisierungsversuche mitnehmen und hoffen, dass unsere ausführlichen Statements unseren Prozess aus Scheitern und Verstehen nachvollziehbar für Außenstehende dokumentieren.

Was die Auseinandersetzung mit Täterschutz angeht, bleiben für uns an diesem Punkt nach wie vor einige grundlegende Fragen offen. Wie deutlich geworden sein sollte, stellte es sich für uns als ziemlich schwieriger heraus, konkrete Umgangsweisen mit Täterschützer*innen in unserer Gruppe zu entwickeln. Wann ist ein Ausschluss gerechtfertigt? Was braucht es für die Reintegration von temporär ausgeschlossenen Täterschützer*innen und wie kann eine kontinuierliche Auseinandersetzung mit dem Thema aussehen? War unsere Auseinandersetzung kritisch genug? Hätten mehr Konsequenzen folgen müssen? Diese Punkte sind nicht abschließend beantwortet.

Wir möchten uns abschließend bei allen bedanken, die uns auf unsere Fehler und Versäumnisse hingewiesen haben und uns dazu gebracht haben, uns mit den Tätern und Täterschützer*innen in unserer Gruppe auseinanderzusetzen. Wir möchten uns auch nochmals dafür entschuldigen, dass die Veröffentlichung unseres ersten Zwischenstands zur Aufarbeitung der Vorfälle sexualisierter Gewalt erst so spät stattgefunden hat und es dafür erst eine öffentliche Kritik bzw. Drucksituation brauchte. Wir sind uns bewusst darüber, dass unsere Untätigkeit und unser Unwissen einige Genoss*innen vor Probleme und schwierigen Entscheidungen gestellt hat und dadurch große Belastungen und Frustrationen erzeugt hat.
In unserem gesamten Aufarbeitungsprozess sind Dinge passiert, die wir nicht wollten, die wir nun aber nicht mehr ändern können. Was uns bleibt, ist auf unterschiedliche Weise an den Thematiken weiterzuarbeiten und unsere persönlichen Reflektionen und im Gruppenkontext gesammelten Erfahrungen dafür zu nutzen, dass bestimmte Fehler nicht erneut passieren.

Zuletzt möchten wir uns bei denen Bedanken und ihnen unsere Solidarität aussprechen, die den Mut hatten, sexualisierte Gewalt in linken Kontexten als solche öffentlich zu benennen. Wir hoffen mit diesem Statement einen weiteren kleinen Schritt in der Aufarbeitung und Auseinandersetzung mit Sexismus und sexualisierter Gewalt in der linken Szene gleistet zu haben. In Jena besteht die Möglichkeit, sich beim Prozess-Plenum zu langfristigen Umgangsformen mit sexueller / sexualisierter Gewalt in der linken Szene, welches von "Das Schlechten Gewissen" initiiert wurde, einzubringen. Darüber hinaus hat "Das Schlechte Gewissen" einen Vorschlag zum Anfangen veröffentlicht, an welchen sich politische Zusammenhänge und Gruppen orientieren können: https://dasschlechtegewissen.noblogs.org/ein-vorschlag-zum-anfangen/. Danke für euren Aufschlag und eure Arbeit.

Pekari

Sexismus und sexuelle/sexualisierte Übergriffe sind auch in der linken Szene schockierende Normalität, die viel zu wenig schockiert. Das allgemeine Wegsehen, (Ver-)Schweigen, Ignorieren genauso wie Hilflosigkeit, Überforderung und fehlende Strukturen sind Teil des Problems. Es braucht die Solidar...

08/08/2021

CW Umgang mit sexueller und sexualisierter Gewalt

Unter folgenden Link findet ihr unser Statement zur Aufarbeitung von Vorfällen sexueller und sexualisierter Gewalt.

http://pekari.blogsport.de/2021/08/06/ein-zwischenstand-zur-aufarbeitung-von-vorfaellen-sexueller-und-sexualisierter-gewalt/

Pekari

Dieser Text soll den bisherigen Stand unserer internen Auseinandersetzung mit zwei uns bekannt gewordenen Vorfällen von sexueller bzw. sexualisierter Übergriffigkeit dokumentieren, welche von – inzwischen ehemaligen – Mitgliedern unserer Gruppe begangen wurden. Wir wollen unser Scheitern und u...

Freiheit für Lina! Wir sind alle  !Zusammen mit über 20 anderen Gruppen und Initiativen aus Jena und Erfurt haben wir de...
10/03/2021

Freiheit für Lina! Wir sind alle !

Zusammen mit über 20 anderen Gruppen und Initiativen aus Jena und Erfurt haben wir den offenen Brief der Gefangengewerkschaft GG/BO unterschrieben, um unsere mit der Antifaschistin Lina zu zeigen, die seit November in der JVA Chemnitz inhaftiert ist.

GG/BO-Soligruppe Jena: Am 5. November 2020 wurde die Studentin Lina aus Leipzig im Rahmen einer größeren Razzia verhaftet und anschließend in Untersuchungshaft gesteckt. Seitdem sitzt sie in der JVA Chemnitz. Ihr wird vorgeworfen, sie habe als Kopf einer „kriminellen Vereinigung“ nach § 129 ...

Heute all eyes on Deutsche Wohnen & Co Enteignen, denn die nächste Phase des Volksbegehrens beginnt!Wohnraum endlich ver...
26/02/2021

Heute all eyes on Deutsche Wohnen & Co Enteignen, denn die nächste Phase des Volksbegehrens beginnt!
Wohnraum endlich vergesellschaften, damit die Häuser denen gehören, die drin wohnen! Jena für ❤️

In startet heute die 2. Sammelphase von Deutsche Wohnen & Co Enteignen. Wie die Mieten sind wir deshalb in hochhinaus gestiegen, um solidarische Grüße zu senden! Gegen den hilft nur die von Wohnraum.

12/12/2020

Haushaltssicherungskonzept in = Austerität = soziale Einsparungen + kapitalistisches Wirtschaftswachstum retten = Profite > Menschen und Umwelt. So wird weiter zum Krisenbeschleuniger. Wie wäre es stattdessen mal bei den Reichen zu kürzen und somit Corona-Soforthilfen und Konjunkturprogramme finanzieren? Die reichsten 10% der Deutschen horten schließlich 2/3 des Vermögens. Mehr Gründe und einen wunderbaren Adventskalender der gibts hier: https://werhatdergibt.org

Das Haushaltsicherungskonzept von Jena - Lichtstadt darf nicht durchgehen! Es wird der solidarischen Stadtgesellschaft d...
12/12/2020

Das Haushaltsicherungskonzept von Jena - Lichtstadt darf nicht durchgehen! Es wird der solidarischen Stadtgesellschaft das Genick brechen, die soziale Ungleichheit durch die verschärfen und den beschlossenen Klimanotstand über Bord werfen. Zusammen mit über 30 sozialen, ökologischen und politischen Initiativen rufen wir deshalb zu Protest dagegen auf.
👉 Offener Brief gegen das Jenaer Austeritätsprogramm und für eine nachhaltige und solidarische Stadt. https://hsksonichtjena.wordpress.com/

Offener Brief des Runden Tisches Klima und Umwelt Jena zum Haushaltssicherungskonzept Jena für 2021 – 2026 Wie soll unsere Stadt im Jahr 2026 aussehen? Wenn es nach dem Entwurf des Haushaltssicherungskonzeptes (HSK) 2021 – 2026 der Stadt Jena vom 17.11.2020 geht, haben soziale Gerechtigkeit un...

13/11/2020

Vor einigen Wochen wurde ein Outcall zu sexistischem Verhalten und sexistischen Übergriffen in Saalfeld veröffentlicht: https://www.instagram.com/p/CFFRw5lj9yt/

Einige Leute aus Jena haben dazu eine Antwort verfasst in dem sie den Betroffenen ihre Unterstützung anbieten und die Strukturen in Saalfeld zu einer Auseinandersetzung und öffentlichen Stellungnahme auffordern. Ihr könnt die Antwort hier lesen: https://de.indymedia.org/node/116342

Am Wochenende noch nichts vor und Langeweile wegen Corona??Dann schau doch mal beim 29. antirassistischen und antifaschi...
05/11/2020

Am Wochenende noch nichts vor und Langeweile wegen Corona??
Dann schau doch mal beim 29. antirassistischen und antifaschistischen Ratschlag Thüringen vorbei. Alles findet Online statt und daher auch bequem von der eigenen Couch erreichbar.

Das Kerntrio des NSU fiel bereits in den frühen 90er Jahren im Zusammenhang mit extrem rechten Aktivitäten auch im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt auf. Ab 1995 waren sie Teil der neonazistischen Struktur „Thüringer Heimatschutz“, dem zeitweise circa 170 Mitglieder angehörten und deren Führung...

28/10/2020

++ Aufgepasst: Pekari goes ALOTA 2020 DIGITAL ++

Seit Montag finden die diesjährigen Alternativen Orientierungstage (Alota Jena) statt! Zwei Wochen lang gibt es spannende Vorträge, Workshops und Stadtrundgänge rund ums Studieren und Organisieren in Jena.

Libertad Media hat dazu einen Artikel veröffentlicht, in dem auch von den Hintergründen zur Alota Jena erzählt wird: https://libertad-media.de/…/heute-beginnen-die-alternative…/

Auch wir sind mit einem Workshop vertreten! Wir möchten uns fragen, wie linke Organisierung funktionieren kann, welche Fallstricke es gibt und von unseren Erfahrungen damit erzählen.

Heute, Mittwoch 28.10. 19-21Uhr - "Fragend voran! Linke Organisierung und Strategie" auf BigBlueButton

http://alota-jena.org/…/fragend-voran-linke-organisierung-…/

15/10/2020

Wir haben eine Reihe zu materialistischer Rassismuskritik organisiert, zu der wir euch gerne einladen wollen.

Ankündigungstext:
Zurzeit scheint die Auffassung dominant, dass den Ursachen rassistischer Gewalt und Unterdrückung durch eine individuelle Auseinandersetzung mit den eigenen „Privilegien" beizukommen wäre. Rassismuskritik wird so auf eine pädagogische Läuterungsmethode weißer Linker reduziert, die zwar Einigen ein besseres Gefühl vermittelt, den Wenigsten aber praktisch hilft. Indem sich auf Awareness und Sprachsensibilität kapriziert wird, wird Rassismus als Bewusstseinskonstrukt missverstanden, das sich von akademischen Aktivst*innen aus der Welt trainieren ließe. Die Kritik an der Verschränkung kapitalistischer Vergesellschaftung und dem anhaltenden Rassismus, sowie die Forderung seiner Abschaffung wird dabei aufgegeben.
Gerade weil Rassismus als soziales Verhältnis täglich Gewalterfahrungen produziert, muss sich gegen die Bagatellisierung des Rassismusbegriffs gewehrt werden. Um Rassismus entgegen treten zu können, braucht es eine materialistische Kritik, die den Zusammenhang von Kapitalismus, Staat und Rassismus in den Blick nimmt. Dazu gehört die Kategorie der Staatsbürger*in, die damit vorgenommene institutionelle Selektion in Inländer- und Ausländer*innen sowie die Kritik der globalen Arbeitsteilung.
Diese Veranstaltungsreihe hat das Ziel, den hegemonialen antirassistischen Konzepten eine materialistische Rassimuskritik gegenüberzustellen. Sie will eine Auseinandersetzung mit den Fallstricken aktueller antirassistischer Praxen ermöglichen und für eine universalistische Position streiten.

* Falls du zur Teilhabe an einer der Veranstaltungen Kinderbetreuung in Anspruch nehmen möchtest, melde Dich bitte unter [email protected].

Veranstaltungen:
28.10. 19 Uhr Peter Schulz: Hakennase, Ungeziefer, Weltverschwörung – Das Verhältnis von Antisemitismus und Rassismus (Kooperationsveranstaltung mit Junges Forum (JuFo) DIG Jena)

3.11. 20 Uhr Ingo Elbe - Postmoderner Antirassismus als Weltanschauung – eine Kritik

12.11. 20 Uhr Bafta Sarbo - Materialistische Rassismuskritik

20.11.20 Uhr Fatma Kar - Diskriminierung statt Befreiuung für alle?

24.11. 20 Uhr Voijin Saša Vukadinović, Janina Marte und Ali Tonguç Ertuğrul - Buchvorstellung "Freiheit ist keine Metapher"

4.12. 20 Uhr Dennis Schnittler - Negrophobie. Grundsätzliches zum Rassismus gegen schwarze Menschen, mit einem besonderen Augenmerk auf die aktuellen BLM-Proteste

15.12. 20 Uhr Ronya Othmann - Kritik an Islamismus. Tödliche Ideologie

*** Antirassistische Kundgebung am Freitag, den 14. August, 17 Uhr, Holzmarkt Jena ***Der Bundesinnenminister Seehofer b...
12/08/2020

*** Antirassistische Kundgebung am Freitag, den 14. August, 17 Uhr, Holzmarkt Jena ***

Der Bundesinnenminister Seehofer blockiert die Beschlüsse der Bundesländer, die mehr Migrant*innen aus den Flüchtlingslagern in Griechenland vorläufig aufnehmen wollen.

Dabei sind die Lager in Griechenland noch immer überfüllt und die Lebensbedingungen der dort lebenden Menschen unerträglich.

Kommt zur Kundgebung am Freitag: Für die Auflösung aller Lager und für Bewegungsfreiheit für ALLE!

Die rot-rot-grüne Landesregierung wollte bis zu 500 Flüchtlinge aufnehmen. Doch der Bund stellt sich quer – wie schon bei Plänen des Berliner Senats.

Heute ist der erste Prozesstag gegen die Mörder von Walter Lübcke. Diese Menschen aus   klagen nicht nur die Mörder von ...
16/06/2020

Heute ist der erste Prozesstag gegen die Mörder von Walter Lübcke. Diese Menschen aus klagen nicht nur die Mörder von Walter an. Auf der Anklagebank sitzen auch Politiker*innen & Rassist*innen aus den Sicherheitsbehörden. Weil sie sind, haben wir eine eigene Anklageschrift verfasst.

Am 16.06.2020 beginnt in Frankfurt am Main der Prozess gegen die Mörder des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke. Doch es genügt nicht, einzelne Rech...

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