26/07/2026
Einigermaßen entgeistert beobachte ich aus dem Urlaub heraus die Entwicklungen in Deutschland und denke mir: Soll sich doch niemand wundern, dass die Leute sich enttäuscht und irritiert, ja teils angewidert abwenden. Friedrich Merz hatte nach dem Rücktritt von Jens Spahn die Chance, seine Regierung aus der Misere zu hieven, und er hat sie mit Anlauf versemmelt. Befreiungsschlag? Abgesagt! Nix da mit Aufbruch oder Aufschwung, hier regiert nur noch das Chaos.
Es gäbe ja durchaus allen Anlass für eine Kabinettsumbildung. Aber Patrick Schnieder? Come on, als wenn sich in der Union irgendjemand mehr für die Bahn und ihren demokratiezersetzenden Zustand interessieren würde. Die härtesten Fehlbesetzungen sitzen offensichtlich woanders, aber da sitzen sie wohlig warm und sicher, denn sie werden noch gebraucht.
Warum Friedrich Merz Katherina Reiche und Wolfram Weimer nicht austauscht? Er braucht sie für den Kulturkampf gegen Wärmepumpen und Windräder genauso wie für den gegen linke Buchhandlungen. Dieser Kulturkampf richtet sich gegen vermeintlich linke und grüne Spinner, er ist der Gründungsmythos dieser Koaltion und das einzige, was die Union noch zusammenhält. Es gibt keine Vision, keine Verheißung, keine Zukunftsidee, die irgendjemanden hinter dem Ofen hervorlocken könnte, der nicht selbst an dieser Regierung beteiligt ist.
Und Friedrich Merz selbst? Beim Versuch, Handlungsfähigkeit zu beweisen, ist ihm nicht einmal mehr gelungen, sie glaubhaft zu imitieren. Nichts gelingt ihm, alles entgleitet. Das ist kein guter Zustand, Deutschland hätte anderes verdient. Aber es ist, wie es ist. So bleibt das Bild eines Mannes, der sein ganzes Leben lang so dringend Kanzler werden wollte, ohne zu wissen, wie und wofür.