18/11/2022
Schweigen brechen reicht nicht!
Bereits 1999 haben die Vereinten Nationen den 25. November zum «Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen» erklärt. Vor diesem Hintergrund rufen wir in diesem Jahr in Kempten zu einer «Mahnwache gegen patriarchale Gewalt» auf, um den Opfern von Gewalt, auf individueller Ebene, zu gedenken, aber auch um auf ein strukturelles und globales Problem aufmerksam zu machen.
Die Mahnwache findet am 25.11.2022 um 17.15 Uhr
vor dem Landgericht Kempten, Residenzplatz 4, statt.
Die hohen Zahlen an Gewalttaten, die in der Polizeistatistik als «Partnerschaftsgewalt» geführt werden, empört die Öffentlichkeit jedes Jahr aufs Neue, obwohl längst klar ist, dass Gewalt gegen FLINTA (Frauen, Lesben, intergeschlechtliche, nicht binäre, trans und agender Personen) in Deutschland zum Alltag gehört. Gewalt beginnt in Momenten des Abwertens, des Kleinredens, der Einschüchterung und der Kontrolle anderer Personen und steigert sich in Verboten, Missachtung fremder Grenzen und Bedürfnisse, bis hin zu Belästigung, Nötigung, sexuellem Missbrauch, körperlicher Gewalt und Mord. Es ist schockierend, dass der Ort, an dem FLINTA am meisten gefährdet sind Opfer von Gewalt zu werden, ihre eigenen vier Wände sind. Diese Gefahr zieht sich seit Jahrzehnten quer durch alle sozialen Schichten.
Die hohe Zahl an Femiziden, also der Tötung von Frauen und Mädchen aufgrund ihres Geschlechts, spricht eine deutliche Sprache. Das Phänomen wird häufig verbal verharmlost und das gesellschaftliche Problembewusstsein dadurch verwässert. Wir alle sind gefragt, das Schweigen zu brechen und Femizide klar als solche zu benennen. Das allein reicht jedoch nicht. Es fehlt sowohl in der Gesellschaft als auch in der Politik und Justiz an einer hinreichenden Auseinandersetzung mit geschlechtsspezifischer Gewalt. Wir sind der Ansicht, dass dieser Missstand nur gesamtgesellschaftlich angegangen werden kann und fordern deshalb:
1. Die Schaffung politischer Rahmenbedingungen für eine effektive Ausweitung von Schutzkonzepten sowie einen Rechtsanspruch auf Schutzräume und eine langfristige Finanzierung entsprechender Einrichtungen.