15/03/2026
„Nichts ist für mich mehr Abbild der Welt und des Lebens als der Baum. Vor ihm würde ich täglich nachdenken, vor ihm und über ihn …“
Dieses Zitat stammt von dem deutschen Dichter Christian Morgenstern (1871–1914). Als ich heute Morgen auf der Rheininsel unterwegs war, musste ich genau daran denken. Der Baum auf diesem Bild wirkt wie eine kleine Geschichte aus Holz und Zeit.
Wenn man ihn betrachtet, sieht man sofort: Sein Weg war nicht immer gerade. Der Stamm ist gezeichnet, die Äste wachsen in ungewöhnliche Richtungen. Vielleicht standen ihm einmal andere Bäume im Weg, vielleicht hat der Wind ihn geformt oder ein Sturm hat ihm einen Ast genommen. Und doch steht er noch immer da. Nicht perfekt, nicht symmetrisch – aber lebendig.
Vielleicht ist es genau das, was Morgenstern meinte. Ein Baum wächst nicht trotz der Hindernisse, sondern oft gerade wegen ihnen. Er sucht sich Licht, biegt sich, passt sich an, findet neue Wege. Was zunächst wie eine Beschädigung aussieht, wird später Teil seiner Form.
So erinnert uns ein Baum daran, dass auch unser eigener Weg selten gerade verläuft. Umwege, Widerstände und Veränderungen gehören dazu. Doch manchmal sind es genau diese Erfahrungen, die uns Halt geben und uns zu dem machen, was wir sind.
Und vielleicht lohnt es sich deshalb wirklich, ab und zu vor einem Baum stehen zu bleiben – und ein wenig über das Leben nachzudenken.