18/03/2021
Kabelsalat, Schokokekse, eine besondere Konzentration und sehr viel Kaffee: Das ist nicht etwa der Abend vor dem Hauptausschuss, sondern die erste digitale Ratsversammlung der Stadt, der wir heute beiwohnen - als Versuchskaninchen für hoffentlich viele bald folgende digitale Beiräte und Gremien. Jedenfalls wollen wir das. Und wer diese Entscheidung bis hierher blockierte, das verraten (sic!) wir an dieser Stelle nicht.
Und während SSW und Versammlungsleitung beweisen, dass WLAN in öffentlichen Gebäuden, hier: Ratssaal, in diesem immer noch sowohl teuer als auch selten zu bekommen ist, (Anschlüsse! Lizenzen! Datenschutz! Lizenzen! Leitungen! Lizenzen!!!1ELF), während gelegentlich Audio-Spuren abbrechen, aber ansonsten ziemlich viel ganz gut läuft, unter anderem die Konzeption, die Netzauslastung und die Zusammenarbeit aller Beteiligten (Probs an die Macher. Also echt.), ist neben Kommunalpolitik einiges zu beobachten:
1. Menschen mit Gamingequipment reden heute mehr. Also viel mehr. Sie scheinen sich zu Hause zu fühlen. Das macht die ganze Ratsversammlung für uns irgendwie vertraut: piratesk.
2. Menschen haben Katzen. Und Ehepartner. Und T-Shirts statt Hemden. Und Bücherregale, voll, leer, alt, neu. Und Kunst. Und dasistwirklichkeine Kunst. Und Pärchenbilder. Und unbewusste Gesichter. Kurz: Die extreme Mitte hat uns einigeholt. Nur heute. Nur jetzt. Aber heute ist es so.
Wir wissen, dass alles weiter auftreten wird: Menschen, die parlamentarische Profilierung verneinen, noch während sie sich profilieren, Menschen, die Anträge hin und her schieben, in denen es um Beteiligung geht, damit (oder, weniger zynisch: s o d a s s) sich junge Menschen nicht beteiligen können, sondern die Anträge in Ausschüssen versanden. Hemdsträger*innen, die ihre Aufgabe und deren Erhalt über Beteiligung, Transparenz und Innovation stellen. Menschen, die strategisch-opportun handeln, statt nachhaltig miteinander Stadt zu gestalten.
All das wird es wieder geben. Aber heute hat ganz kurz das Neuland angeklopft. Seilschaften waren nicht die alten, Abläufe waren andere und damit auch Gedanken. Und der neue Weg hat jede*n hier etwas aus seiner Komfortzone getrieben.
Und das finden wir erstmal sehr gut.
PS: Mit Demokratiefeinden redet man trotzdem nicht. Nicht einmal über Einbahnstraßen. PolitbüroSmiley.