06/07/2026
Schadensbegrenzung ist keine sozialdemokratische Politik.
Ich bin nicht in die SPD eingetreten, um jede Entscheidung meiner Partei zu verteidigen. Ich bin eingetreten, weil mich ein Wert seit jeher antreibt: Gerechtigkeit.
Deshalb bin ich auch Gewerkschaftsmitglied. Weil wir für dieselbe Sache kämpfen: für gute Arbeitsbedingungen, soziale Sicherheit und den Respekt gegenüber den Menschen, die dieses Land jeden Tag am Laufen halten.
Genau deshalb haben mich die vielen Nachrichten der vergangenen Tage nicht überrascht. Viele Mitglieder, Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter sowie Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sind enttäuscht – wegen der Vorschläge der Rentenkommission und des Reformpakets aus dem Koalitionsausschuss.
Und ich verstehe jede einzelne dieser Nachrichten.
Ja, die Union hätte sich vieles noch drastischer gewünscht. Kein Lohn am ersten Krankheitstag, noch tiefere Einschnitte, noch mehr Misstrauen gegenüber Beschäftigten. Dass das verhindert wurde, ist richtig.
Aber es reicht nicht, sich dauerhaft dafür zu feiern, nur das Schlimmste verhindert zu haben.
Politik braucht eine eigene sozialdemokratische Handschrift. Sie braucht Fortschritt – nicht nur Schadensbegrenzung.
Aktuell werden aus meiner Sicht viele rote Linien überschritten. Manche Maßnahmen werden als großer Erfolg verkauft, obwohl sie für viele Beschäftigte schlicht Verschlechterungen bedeuten würden. Das überzeugt niemanden, der morgens aufsteht, arbeiten geht und erwartet, dass seine Interessen von der SPD vertreten werden.
Die gute Nachricht ist: Nichts davon ist beschlossen. Jetzt entscheidet das Parlament.
Und genau deshalb erwarte ich von der SPD-Bundestagsfraktion deutliche Korrekturen. Nicht aus parteitaktischen Gründen, sondern weil es um Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, Familien und Rentnerinnen und Rentner geht.
Wir dürfen uns nicht daran gewöhnen, dass sozialdemokratische Politik nur noch darin besteht, die Pläne der Union etwas abzumildern. Unser Anspruch muss sein, selbst für mehr Gerechtigkeit zu sorgen.
Dafür bin ich in die SPD eingetreten. Und genau daran werde ich meine Partei auch messen. 🌹✊