20/04/2021
Problemzone Parkhaus – die WiLa kümmert sich
Die oberen Parkdecks sind mittlerweile für den Autoverkehr gesperrt, so dass irgendwelche Freaks dort nicht länger abendliche Spritztouren durchs Parkhaus am Forum Langen machen und die Anwohner durch aufheulende Motoren oder ihre Scheinwerfer stören können. Seit Neuestem wurde auch der nagelneue Fahrstuhl stillgelegt, weil in ihm höchstens Kinder und Jugendliche aus Spaß immer wieder hoch und runtergefahren sind. Aber nach wie vor „hängen Jugendliche dort ab“ und genießen, mit einem Döner in der Hand, die schöne Aussicht, ganze Familien inspizieren den so gut wie nicht genutzten Komplex, um sich bei Sonntagsspaziergängen mit ihrem Nachwuchs auf dem Arm auf der obersten Brüstung zu fotografieren. Kinder turnen auf dem frei zugänglichen Gerüst herum oder sausen mit Bobby-Cars die Auffahrten hinunter, während ältere Jugendliche leerstehende Parkdecks als Fußballplatz nutzen.
„Die Lärmbelästigung ist bis in die späten Abendstunden hoch“ monieren die Anwohner und „irgendwann“, so orakelt einer, „wird es hier noch ein schlimmes Unglück geben, wenn hier jemand runterstürzt. Dann wird der Aufschrei und der Ruf nach den Verantwortlichen groß sein.“
Die Stadterwaltung ist ratlos, die Polizei machtlos und der Betreiber des Ganzen, die HBB, die auf ihrer Homepage noch mit besonderen „baulichen Akzenten“ wirbt und von einer „Win-Win-Situation“ für die Langener Innenstadt spricht (www.hbb.de/projekte/forum-langen/), scheint planlos. Die Anwohner sind zunehmend verzweifelt, weil ihre Bedenken, die sie seit Jahren geäußert haben, nicht gehört und Briefe teilweise nicht beantwortet wurden. Ihnen wurde vieles versprochen, aber nur weniges eingehalten.
Die ehemals Hauptverantworlichen, Ex-Bürgermeister Gebhardt und Fachbereichsleiter Weise, haben sich mittlerweile in den Ruhestand verabschiedet. Der noch amtierende Erste Stadtrat Löbig hat, nach Aussage von Heike Oeser, eingeräumt, dass vom zuständigen Fachdienst leider vergessen wurde, Beschlüsse der Stadtverordneten in den Bebauungsplan aufzunehmen und nun wird bedauert, dass man dem Investor gestattet habe, sein Projekt bis an die Grenzen des Zumutbaren auszureizen, dass aber Zusagen wie eine Dachbegrünung oder Fassadenverkleidung nicht umgesetzt wurden. "Das Ganze wurde von einer rot-grünen Mehrheit in der Stadtverordnetenversammlung verbockt“ sagt Heike Oeser, die sich intensiv mit der Problematik befasst hat.
Mit der WiLa, die sich als bürgernahe Vertretung der Sorgen und Nöte der Anwohner angenommen und das Gespräch mit den betroffenen Anwohnern aufgenommen hat, ist nun ein vermittelnder Akteur auf die Bühne getreten. „Wir versuchen zu helfen und wollen „die Kuh irgendwie vom Eis“ bekommen, sagt ihr Vorsitzender, Joost Reinke (Bildmitte), der seit mehreren Wochen in Gesprächen mit Bürgermeister, Polizei und HBB-Vertretern erste Zusagen erwirken konnte, wie z. B. verstärkte Polizeistreifen vor allem in den Abendstunden oder zusätzliche Aktivitäten seitens des Parkhausbetreibers HBB.
Jetzt wurden Zugänge verschlossen und Aufgänge gesperrt, um des zunehmend ungezügelten Treibens im immer noch unfertigen und nach allen Seiten offenen Parkhaus Herr zu werden. Leider ist HBB noch nicht bereit, wieder einen privaten Sicherheitsdienst für das Gelände zu stellen – seitdem dieser Anfang März 2021 abgezogen wurde, eskaliert die Situation zunehmend.
„Die Anwohner sollen eines wissen, dass sie nicht allein gelassen werden und dass die WiLa sich für ihre berechtigten Anliegen einsetzen wird“, sagt Reinke. Er schlägt einen Runden Tisch mit allen Beteiligten vor, um die guten Ideen der Anwohner aufzugreifen und auch, um Kinder und Jugendliche, die sich dort aufhalten, nicht einfach zu vertreiben, sondern für sie nach geeigneten Spiel- und Aufenthaltsräumen zu suchen.