21/08/2026
Heute haben wir einen besonderen Medientipp von unserem Leiter Yilmaz Holtz-Ersahin für euch.
Ich habe mich sehr gefreut, gemeinsam mit meiner Kollegin Ilona Gerhards vom Stadtarchiv Mönchengladbach das Projekt Discovering Lisel Haas unterstützen und damit einen Beitrag zur Wiederentdeckung einer bedeutenden Mönchengladbacher Biografie leisten zu dürfen.
Lisel Haas (1898–1989) war eine deutsch-jüdische Fotografin, die in Mönchengladbach geboren wurde und hier ihre berufliche Laufbahn aufbaute. Gemeinsam mit ihrer Lebens- und Arbeitspartnerin Grete Bermbach betrieb sie ein Fotoatelier in unserer Stadt. Haas arbeitete unter anderem als Porträt- und Pressefotografin und fotografierte auch für das Gladbacher Stadttheater. Nach der nationalsozialistischen Verfolgung und der schweren Beschädigung ihres Ateliers während der Novemberpogrome 1938 musste sie Deutschland verlassen. Sie floh nach Birmingham, wo sie sich trotz großer persönlicher und gesellschaftlicher Hürden erneut eine erfolgreiche Existenz als Fotografin aufbaute. (bertzassociates.net)
Gerade diese Verbindung zwischen Mönchengladbach und Birmingham macht die Beschäftigung mit Lisel Haas und Grete Bermbach so wichtig. Ihre Lebensgeschichten erzählen von künstlerischer Arbeit und Selbstbehauptung, aber ebenso von Verfolgung, Flucht, Exil, Erinnerung und einer Partnerschaft, die lange Zeit in der historischen Wahrnehmung kaum sichtbar war. Heute bietet ihr umfangreicher Nachlass mit Fotografien, Briefen und weiteren Dokumenten die Möglichkeit, diese Geschichte neu und differenziert zu erzählen. https://birminghamheritageweek.co.uk/
Umso mehr freue ich mich über das Buch „Discovering Lisel Haas“, herausgegeben von Iris Bertz und Jen Wilbur. Die Beiträge, Gespräche, Gedichte, Fotografien und Archivdokumente eröffnen unterschiedliche Perspektiven auf das Leben und das Werk von Lisel Haas und Grete Bermbach.
Ein ganz besonderer Dank gilt Prof. Ralf Georg Czapla. Lieber Ralf, ich freue mich sehr über deinen Beitrag „Beyond the Heteronormative Order: Lisel Haas and Grete Bermbach from a q***r historical perspective“. Deine wissenschaftliche Perspektive erweitert den Blick auf diese beiden Frauen und hilft dabei, ihre gemeinsame Geschichte in ihrer ganzen Vielschichtigkeit sichtbar zu machen.
Ich bin stolz darauf, dass wir von Mönchengladbach aus einen Beitrag zu dieser wichtigen Erinnerungs- und Kulturarbeit leisten dürfen, und freue mich sehr auf die weitere Zusammenarbeit mit unseren Partnerinnen und Partnern in Birmingham und Mönchengladbach. Die bereits entstandenen Kontakte zwischen Archiven, Bibliotheken, Forschung und Kultur schaffen eine wunderbare Grundlage für weitere gemeinsame Projekte.
„Discovering Lisel Haas“ ist für mich eine klare Leseempfehlung – nicht nur für alle, die sich für Fotografie und Kunstgeschichte interessieren, sondern ebenso für Menschen, denen die jüdische Geschichte Mönchengladbachs, Exil- und Migrationsgeschichten, q***re Geschichte sowie eine lebendige und grenzüberschreitende Erinnerungskultur am Herzen liegen.
Herzlichen Glückwunsch und herzlichen Dank an Iris Bertz, Jen Wilbur und alle Beteiligten, die dieses bemerkenswerte Projekt und das Buch möglich gemacht haben.
Discovering Lisel Haas
Edited by Iris Bertz and Jen Wilbur
ISBN 978-1-80645-390-0
Wer das Buch jetzt unbedingt lesen möchte, muss sich noch etwas gedulden. Der Titel kommt aber natürlich in die Regale unserer Bibliothek.