01/06/2022
HAPPY PRIDE MONTH!
Der Juni steht ganz im Zeichen des Pride Month und so werden in den kommenden Tagen auch wieder zahlreiche Unternehmenslogos in den Regenbogenfarben strahlen. Dass diese Marketingkampagnen kein Akt emanzipativer Befreiung sind, wird immer dann deutlich, wenn der Profit der Unternehmen in Gefahr ist. So wurde das BMW-Logo bspw. in der Vergangenheit in Deutschland, Irland, Spanien und weiteren Ländern in die Pridefarben gefärbt, in der Türkei oder Russland blieb es blass. VW feiert sich für seine Diversity Kampagnen und muss sich gleichzeitig gegen Vorwürfe der Sklavenarbeit sowie des Menschenhandels im Brasilien der 80er und der Zwangsarbeit von Uiguren im heutigen China wehren.
Was angesichts der Marketingkampagnen von Unternehmen anlässlich des Pride Month nicht in Vergessenheit geraten darf, ist, dass der Kampf um die Rechte von lesbischen, schwulen, bisexuellen, trans*, inter* und queeren Menschen (abgekürzt LGBTQI*) immer von unten geführt wurde. Zum Symbol dieses Kampfes wurden die Stonewall Riots, bei denen sich die LGBTQI*-Gemeinschaft New Yorks zum ersten mal den diskriminierenden Polizeikontrollen widersetzte. Marty Huber, queerfeministische Autor*in, beschreibt den Aufstand wie folgt: „[Die Riots] waren ein Aufstand von ganz unten, die Bar Stonewall Inn – von der Mafia geführt – war ein Ort, wo sich jene treffen konnten, die zu den Hinterzimmern angesehener Bars keinen Zutritt hatten: obdachlose Jugendliche, Latinas und schwarze Dragqueens, schwule Sexarbeiter, Butches und ihre Liebhaberinnen …“ In militanter Gegenwehr entlud sich 1969 über mehrere Tage die angestaute Wut dieser Menschen über die Diskriminierung der vorherigen Jahrzehnte. Sylvia Rivera, Marsha P. Johnson und andere Beteiligte der Stonewall Riots gründeten in der Folge eine breite Befreiungsbewegung, die für die Rechte der LGBTQI*-Community und anderer Marginalisierter kämpfte.
Weltweit wird Homosexualität in vielen Ländern heute immer noch strafrechtlich verfolgt, in einigen Ländern droht sogar weiterhin die Todesstrafe. In Deutschland ist immer noch das sogenannte „Transsexuellengesetz“ in Kraft, das trans* Menschen zu einem diskriminierenden und erniedrigenden Gutachtengespräch zwingt.
Das kürzlich in Florida verabschiedete "Don't Say Gay"-Gesetz, das de facto Aufklärungsarbeit über sexuelle Orientierungen und Geschlechtsidentitäten unmöglich macht, ist nur eines von vielen Beispielen, wie Rechte weiter eingeschränkt werden.
Der Kampf, der eindrucksvoll mit den Stonewall Riots startete, ist noch lange nicht zu Ende!