31/05/2026
🏳️🌈🏳️🌈🏳️🌈 Rückblick, CSD Wernigerode 🏳️🌈🏳️🌈🏳️🌈
Buntes Zeichen für Vielfalt – trotz zahlreicher Schikanen und Einschüchterungsversuche
Der Christopher Street Day (CSD) in Wernigerode begann am Samstag zunächst unter sehr positiven Vorzeichen. Bereits in den frühen Morgenstunden starteten die Aufbauarbeiten, die Zusammenarbeit mit der Stadt verlief konstruktiv und professionell. Auch die Sicherheitsmaßnahmen waren von Beginn an sichtbar und sorgten für einen geordneten Ablauf.
Zur Eröffnung sprachen hochrangige Vertreter aus Politik und Verwaltung. Neben dem Schirmherrn und Bürgermeister waren auch Vertreter der Landesregierung sowie des Landkreises vor Ort. Die politische Diskussion auf der Bühne verlief sachlich und konstruktiv und setzte ein wichtiges Zeichen für Vielfalt, Demokratie und gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Doch während der anschließenden Demonstration zeigte sich erneut, welchen Anfeindungen q***re Menschen auch heute noch ausgesetzt sind.
Bereits während des Aufzugs sorgte ein polizeibekannter Störer für Unruhe. Zahlreiche Teilnehmerinnen und Teilnehmer fühlten sich durch dessen Anwesenheit eingeschüchtert. Obwohl die Person einschlägig bekannt war, konnte sie nicht von der Demonstration ausgeschlossen werden, da nach Einschätzung der Polizei aktuell kein konkreter Verstoß vorlag. Für viele Demonstrierende blieb dennoch das Gefühl bestehen, mit einer potenziellen Bedrohung konfrontiert zu sein.
Besonders alarmierend war ein weiterer Vorfall entlang der Demonstrationsstrecke: Unbekannte hatten zahlreiche Schnellbauschrauben auf der Fahrbahn verteilt. Die schwarzen Schrauben waren auf dem Asphalt nur schwer zu erkennen und stellten eine erhebliche Gefahr dar. Nur durch das schnelle Eingreifen der Helferinnen und Helfer konnten mögliche Verletzungen sowie Schäden an Fahrrädern, Fahrzeugen oder an den Füßen von Teilnehmerinnen und Teilnehmern verhindert werden. Die Demonstration musste dafür zeitweise unterbrochen werden.
Zusätzlich wurde der Demonstrationszug von rechten Provokationen begleitet. Auf einer Überführung positionierte sich eine Gruppe von etwa 20 bis 30 Personen aus dem rechten Spektrum. Mit übergroßen Deutschlandflaggen und einheitlich dunkler Kleidung versuchten sie, Aufmerksamkeit zu erzeugen und ein deutliches Gegenbild zur Botschaft des CSD zu inszenieren.
Auch entlang der Strecke blieb die Stimmung angespannt. Viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer beobachteten aufmerksam Fenster, Hauseingänge und Personengruppen am Straßenrand. Die Erfahrungen vergangener Jahre, in denen es zu Angriffen und Störungen gekommen war, waren präsent. Immer wieder mussten Einsatzkräfte Gruppen abschirmen, die dem CSD offen feindselig gegenüberstanden.
Die Demonstration konnte dennoch fortgesetzt werden und erreichte mit leichter Verspätung ihr Ziel. Die Anspannung blieb jedoch während des gesamten Aufzugs spürbar. Viele Blicke richteten sich immer wieder auf Häuser, Seitenstraßen und Personengruppen entlang der Strecke.
Die Schikanen setzten sich auch auf dem Veranstaltungsgelände fort. Bereits während des laufenden Programms kam es zu Beleidigungen gegenüber Teilnehmerinnen, Teilnehmern und Künstlern. In einem Fall wurde Strafanzeige erstattet, nachdem eine Künstlerin verbal angegriffen worden war.
Bei der Abschlusskundgebung versuchten zudem mehrfach Personen und Gruppen aus dem rechten Spektrum, mit Deutschlandflaggen und entsprechenden Symbolen gezielt in die Nähe der Bühne zu gelangen. Teilweise konnten diese Versuche durch die Polizei unterbunden werden, teilweise mussten die Ordnerinnen und Ordner selbst eingreifen. Immer wieder war es notwendig, auf Provokationen zu reagieren, um den friedlichen Charakter der Veranstaltung zu bewahren und die Botschaft des CSD nicht von politischen Störaktionen überlagern zu lassen.
Trotz all dieser Einschüchterungsversuche ließen sich die Besucherinnen und Besucher ihre Botschaft nicht nehmen. Der CSD in Wernigerode blieb ein sichtbares und starkes Zeichen für Vielfalt, Respekt und Menschenrechte. Die zahlreichen Auftritte, Redebeiträge und Begegnungen machten deutlich, dass Hass und Ausgrenzung die q***re Gemeinschaft nicht zum Schweigen bringen werden.
Am Ende überwog die Erleichterung darüber, dass die Veranstaltung ohne schwerwiegende Zwischenfälle beendet werden konnte und alle Beteiligten sicher nach Hause kamen. Dennoch zeigt der Verlauf des Tages, dass CSD-Veranstaltungen vielerorts weiterhin unter besonderem Druck stehen und q***re Menschen nach wie vor mit Anfeindungen, Einschüchterungsversuchen und gezielten Provokationen rechnen müssen.
Unser besonderer Dank gilt den Organisatoren des CSD Wernigerode, den zahlreichen Helferinnen und Helfern, den Ordnerinnen und Ordnern sowie allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Sie haben mit ihrem Engagement, ihrer Geduld und ihrem Mut dazu beigetragen, dass dieser Tag trotz aller Schikanen und Störversuche ein starkes Zeichen für Vielfalt, Demokratie und gesellschaftlichen Zusammenhalt geworden ist.
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News Redaktion