14/04/2025
Die Jugend versteht es – die Alten halten an einer Ordnung fest, die längst zerfällt.
Während die SPD-Spitze den nächsten Koalitionsvertrag mit der Union unterschreibt, sagt der Juso-Vorstand: „Tickende Zeitbombe.“ Ein Satz, der mehr Wahrheit enthält als die Pressekonferenzen der Parteiführung zusammen. Denn was hier beschlossen wurde, ist kein Kompromiss – es ist die Fortschreibung eines politischen Stillstands, der sich selbst zum Maßstab erklärt: Bürgergeldkürzungen, Migrationskontrolle, Arbeitszeitflexibilisierung. Das ist keine Zukunftspolitik – das ist Stillhalten im Namen der Mitte.
Früher war die SPD das soziale Gewissen der Republik. Heute ist sie das Schmierfett einer Ordnung, die nur noch stabilisiert, was nicht mehr gerecht ist. Sie regiert nicht – sie funktioniert. Für wen, ist längst klar: für jene, die Veränderung fürchten, weil sie zu verlieren haben. Und wenn CDU-Chef Merz den Mindestlohn von 15 Euro infrage stellt, redet die SPD zwar empört dazwischen – unterschreibt aber trotzdem den Kurs. Was bleibt, ist sozialdemokratischer Widerspruch ohne Konsequenz.
Die Union gibt die Richtung vor, die SPD den Konsens. Und nennt das Verantwortung. Dabei geht es längst nicht mehr um Verantwortung, sondern ums Verwalten von Verlust. Der Verlust an Vertrauen, an Vision, an Sprache. Und dieser Vertrag hat noch etwas nicht: ein Rezept gegen die AfD – oder gegen den Rechtsextremismus, der sich inzwischen offen in Rathäusern, Wahllokalen und Talkshows niedergelassen hat.
Dass die Jusos aufbegehren, ist kein Aufbruch – es ist ein Reflex. Und selbst der wird leiser. Der Parteiapparat hört zu, notiert, übergeht. Es ist eine Politikform entstanden, in der Dissens als Betriebsstörung gilt.
Die Jugend will Bewegung. Die Alten wollen Ruhe. Doch wer Ruhe mit Stillstand verwechselt, wird von der Realität überholt – und vom nächsten Rechtsruck hinweggefegt. Dann ist es nicht nur mit der SPD vorbei, sondern mit der Idee, dass man Gesellschaft von links gestalten kann.