02/09/2026
Wenn Übungspuppen sprechen könnten… - Hallo zusammen! Ich bin die Günther, die Übungspuppe der Freiwilligen Feuerwehr Feudenheim. Nach dem gestrigen Übungsabend würde ich sagen: Ich hatte einen ziemlich schlechten Tag. Gleich zweimal.
Los ging es ganz harmlos. Ich wollte eigentlich nur schnell einen Reifen wechseln. Tja… der Wagenheber hatte andere Pläne. Plötzlich lag das Auto auf mir und ich durfte ausprobieren, wie sich eine eingeklemmte Person fühlt. Der Reifen und somit das gesamte Fahrzeug standen auf meinem Arm und dem Becken...
Kann ich nicht empfehlen... Das waren vielleicht Schmerzen...
Zum Glück dauerte es nicht lange, bis die Feuerwehr eintraf. Und obwohl allen klar war, dass ich "nur" eine Puppe bin, wurde ich behandelt, als wäre ich ein echter Patient. Es wurde mit mir gesprochen, mir wurde erklärt, was gerade passiert, und immer wieder wurde überprüft, wie es mir theoretisch gehen würde. Genau so sollte es sein.
Denn wer schon einmal einen schweren Unfall erlebt hat, weiß: Nicht nur der Körper leidet. Angst, Unsicherheit und das Gefühl, ausgeliefert zu sein, gehören oft genauso dazu. Deshalb ist es so wichtig, dass Einsatzkräfte nicht nur technisch arbeiten, sondern auch beruhigen, erklären und den Kontakt zum Patienten halten. Für Betroffene macht das oft einen riesigen Unterschied.
Parallel wurde fleißig gearbeitet. Das Fahrzeug wurde gesichert und angehoben, das Spineboard vorbereitet und die Rettung Schritt für Schritt durchgeführt. Und wie bei jeder guten Übung wurde auch diskutiert. Ist hier eine Sofort- oder sogar eine Crashrettung notwendig? Welche Technik ist die beste? Was würde der Rettungsdienst machen? Würde man den Patienten auch befreien, wenn der Rettungsdienst noch nicht da ist? Wie kann man noch sicherer arbeiten?
Besonders spannend fand ich die Gespräche über den sogenannten Patientenschutz. Beim Arbeiten mit hydraulischem Rettungsgerät sollte der Patient möglichst vor Splittern, Funken oder herumfliegenden Teilen geschützt werden. Genau solche Punkte fallen in einer Übung auf – und genau deshalb wird geübt. Ebenso wurde hinterher besprochen, dass der "innere Retter", also die Einsatzkraft direkt beim Patienten, möglichst während der gesamten Rettung den Kontakt halten sollte – das kennen die Einsatzkräfte auch, denn eigentlich ist es das gleiche Vorgehen wie bei einem „normalen“ Verkehrsunfall. Solche Erkenntnisse machen eine Mannschaft besser und sorgen dafür, dass im Ernstfall jeder Handgriff noch sicherer sitzt.
Ich dachte eigentlich, damit wäre mein Tag geschafft.
Falsch gedacht.
Kurze Zeit später fand ich mich unter einem ziemlich beeindruckenden Haufen aus Metallträgern wieder. Offenbar war beim Herumklettern etwas ins Rutschen geraten. Selbst schuld, denn man klettert ja auch nicht einfach so auf Schrotthaufen rum! Ehrlich gesagt: Es war ein Platz, an dem ich freiwillig keine Pause machen würde – und wieder so schmerzhaft.
Diesmal war die Lage für die ehrenamtlichen Kräfte noch komplizierter. Bevor überhaupt an eine Rettung gedacht werden konnte, musste die Einsatzstelle abgesichert werden. Die Statik wurde beurteilt, einige Metallteile entfernt, andere gegen weiteres Abrutschen gesichert. Gleichzeitig versorgten die Einsatzkräfte meine Verletzungen. Blutungen wurden gestillt, Wunden versorgt und immer wieder beruhigend mit mir gesprochen.
Besonders gemein waren die plötzlich auftretenden neuen Blutungen. Einige Verletzungen waren zunächst gar nicht sichtbar, weil sie durch eingeklemmte Metallteile komprimiert wurden. Erst als sich die Lage veränderte, traten sie zutage – genau wie es auch im echten Einsatz passieren kann. Solche Überraschungen gehören leider zur Realität und müssen trainiert werden.
Als schließlich auch noch mein Arm in einem sich verjüngenden Metallprofil feststeckte, kam erneut der Spreizer zum Einsatz. Stück für Stück arbeiteten sich die Feuerwehrleute vor. Es wurde ausprobiert, verworfen, neu angesetzt und gemeinsam nach der besten Lösung gesucht.
Und genau das hat mich beeindruckt.
Niemand wollte einfach nur schnell fertig werden. Es wurde überlegt, diskutiert und miteinander gearbeitet. Jeder brachte seine Erfahrungen ein, jeder hörte zu. Genau so entsteht gute Teamarbeit – und genau davon profitieren im Ernstfall echte Menschen.
Mein Fazit?
Ja, ich musste gestern gleich zweimal gerettet werden. Ehrlich gesagt hätte einmal völlig gereicht. Aber wenn mir nochmal sowas passieren sollte (und davon kann man ja bei mir ausgehen), ich würde mich jederzeit wieder an die Frauen und Männer der Freiwilligen Feuerwehr Feudenheim wenden. Sie haben gezeigt, dass technische Rettung weit mehr ist als Schere und Spreizer. Es geht um Ruhe, Kommunikation, Einfühlungsvermögen und darum, auch unter schwierigen Bedingungen gemeinsam die beste Lösung zu finden.
Zum Glück bin ich nur eine Übungspuppe.
Und genau deshalb konnten Fehler besprochen, verschiedene Lösungswege ausprobiert und wertvolle Erfahrungen gesammelt werden – damit im echten Einsatz jeder davon profitiert.
Wenn Übungspuppen wie ich sprechen könnten… dann hätte es gestern halb Feudenheim gehört, denn dann hätte ich vor Schmerzen geschrien und noch mehr Realität in die Übung gebracht…
Neugierig geworden?
Dann kommt doch am 20. September zum Tag der offenen Tür der Freiwilligen Feuerwehr Feudenheim. Dort könnt ihr die Feuerwehrleute kennenlernen, einen Blick hinter die Kulissen werfen und – mit etwas Glück – auch mich treffen. Keine Sorge: Ich hoffe, bis dahin liege ich nicht schon wieder irgendwo eingeklemmt. 😉