17/09/2017
Eindrücke einer würdevollen Gedenkveranstaltung. Wer mehr zu der Geschichte der Lechleitergruppe erfahren möchte sollte unbedingt das Buch " Im Schatten des Henkers, Widerstand in Mannheim gegen Krieg und Faschismus", von Fritz Salm, lesen. Gibt es bei uns im Infoladen!
Am 15.09.2017 fand das jährliche Gedenken an die antifaschistische Widerstandsgruppe um Georg Lechleiter statt.
In diesem Jahr hielt der 1. Bevollmächtigten der IG Metall Mannheim, Klaus Stein, die Hauptrede (siehe Link).
Desweiteren wurde in einer Rede der VVN an die Spanienkämpfer aus den Reihen der Mannheimer arbeiterklasse erinnert. Sie waren alle Mitglied der KPD und zogen unerschrocken in den Kampf gegen den Faschismus. Sobald die Rede veröffentlicht wird werden wie sie nachträglich verlinken.
Im Anschluss wurde ein Grußwort des AK-Antifaschismus des JUZ "Friedrich Dürr" gehalten. Friedrich Dürr, der Namensgeber des Jugendzentrum war ebenfalls ein Mannheimer Kommunist und Antifaschist aus den Reihen der Arbeiterbewegung. Er wurde 1945 bei der Befreiung des KZ Dachau von den Faschisten ermordet.
Zum Schluss durften wir ein Grußwort halten. Zum 100. Jahrestag der Oktoberrevolution war es uns ein besonderes Anliegen darauf hinzuweisen in welchem Kontext die Genossinnen und Genossen der Lechleitergruppe den Faschismus bekämpften. Nämlich in der einzig konsequenten, indem sie für den Sozialismus eintraten! Diesen Weg gingen sie aufrecht und leisteten dauerhaften Widerstand gegen die Schlächter und Feinde der Arbeiterklasse. Dieser aufrechte Gang bleibt uns Vorbild!
Am 01.11. findet eine weitere Gedenkveranstaltung für die Lechleitergruppe auf dem Berfriedhof in Heidelberg statt. Beteiligt euch auch hier zahlreich!
Redebeitrag im Wortlaut:
Liebe Genossinnen und Genossen!
Unsere heutige Zusammenkunft anlässlich des Gedenkens an die Mannheimer Widerstandskämpferinnen und Widerstandskämpfer ist unter anderem durch verschiedene Überzeugungen und unterschiedliche organisatorische Hintergründe geprägt. Auch die Zusammenstellung der Mitglieder der Lechleitergruppe war nicht einheitlich, sondern verkörperte das Prinzip der Arbeitereinheitsfront: vor allem KPD'ler, aber auch Sozialdemokraten und parteilose Gewerkschafter hatten sich in ihr zusammengeschlossen. Somit war die Gruppe ein Beispiel dafür, dass ein gemeinsames Wirken von Anhängern der beiden Arbeiterparteien an der Basis durchaus möglich war, auch wenn die SPD-Führung eine Zusammenarbeit mit der KPD ablehnte.
Die Widerstandskämpferinnen und Widerstandskämpfer hielten geheime Treffen ab, stellten Verbindungen zu anderen antifaschistischen Strukturen her und verankerten sich in den Belegschaften lokaler Betriebe. All dies geschah unter schwierigsten Bedingungen, immer mit der Gefahr des Entdecktwerdens und der Verhaftung im Nacken. Auch die Publikation einer Zeitung bereiteten die Antifaschistinnen und Antifaschisten vor. Nach dem Überfall Deutschlands auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 wurde die Herausgabe eines eigenen Organs besonders forciert, bis schließlich die 1. Ausgabe des Vorboten im September 1941 erschien.
In ihrer Zeitung nahm die Lechleitergruppe eine Antikriegshaltung ein und machte deutlich, in wessen Interesse der Faschismus herrscht und Krieg führt.
Hierzu ein Zitat aus der letzten Ausgabe des Vorboten im Dezember 1941: "Die wahren Herrscher vom Dritten Reich, die Herren von Kohle und Eisen mitsamt ihrem willfährigen Schwarm mittlerer und kleiner Ausbeuter, haben unter der Naziherrschaft geradezu unglaubliche Profite aus den Knochen der Arbeiter herausgeschunden.“
Für die Mitglieder der Lechleitergruppe war klar, dass im kapitalistischen System die Wurzel des Faschismus besteht. Sie vertraten die Haltung, dass dieser nur dann nachhaltig bekämpft und vernichtet werden kann, wenn die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen abgeschafft wird.
Die Gruppe prangerte die Aggression des deutschen Imperialismus gegen die Sowjetunion an und würdigte den Kampf der russischen Arbeiterklasse gegen die Grundfeste des Kapitalismus. Die Sonderausgabe des Vorboten zum 7. November 1941 wurde mit folgenden Worten eingeleitet:
„Am 7. November war der 24. Jahrestag der Russischen Revolution. Am 7. November 1917 erhob sich unter Führung der bolschewistischen Partei, mit dem großen Lenin an der Spitze, das russische Volk zu seiner weltgeschichtlichen Tat. Auf einem Siebentel der Weltoberfläche wurde die Macht des Kapitals über die Arbeit vernichtet. Ein 180-Millionen-Volk hatte die Fesseln der Lohnsklaverei gebrochen. In einem Riesenreich wurden die Voraussetzungen geschaffen zum Aufbau einer neuen Weltordnung auf sozialistischer Grundlage.“
Die heutige Gedenkveranstaltung möchten wir auch im Kontext des hundertsten Jahrestags der Oktoberrevolution begehen. Durch ihren Charakter als proletarische Revolution stellt sie den ersten erfolgreichen Versuch in der Geschichte der Arbeiterbewegung dar, die Klassenherrschaft des Kapitals zu überwinden und somit auch dem Faschismus den Nährboden zu entziehen. Folgen wir der Einschätzung der Lechleitergruppe, so wird eins deutlich: Auch heute kann ein erfolgreicher Kampf gegen das Erstarken rechter und reaktionärer Kräfte, gegen die ansteigende Kriegsgefahr und gegen die weltweit betriebene Ausbeutung von Mensch und Natur nur im Kampf für den Sozialismus in Deutschland und auf der ganzen Welt bestehen!
Uns ist bewusst, dass dies gegenwärtig, in Anbetracht der gesellschaftlichen Kräfteverhältnisse, nur die Bezeichnung eines Fernziels sein kann.
Uns ist ebenso bewusst, dass der Sozialismus nicht einfach so vom Himmel fällt, sondern, wie auch schon 1917, nur durch den revolutionären Bruch mit den kapitalistischen Eigentumsverhältnissen erkämpft werden kann. Für uns bedeutet dies, dass wir auch heute schon klare und konkrete Positionen beziehen, um an den revolutionären Bruch heran zu kommen!
Wir sagen deutlich: Stoppt die steigende Kriegsgefahr und die Aufrüstungspläne von Merkel und von der Leyen, sowie alle deutschen Kriegseinsätze! US-Atomwaffen müssen raus aus Deutschland und Deutschland raus aus der NATO!
Wir sagen deutlich: Die Ursache für die Verelendung breiter Bevölkerungsteile ist die millionenfache Arbeitsplatzvernichtung zur Profitmaximierung einiger weniger. Die Folgen dieser Politik sind Altersarmut, Druck auf Löhne, sowie die Ausweitung von Billig-Jobs und Ausbildungsplatzmangel.
Dem setzen wir die Forderung nach Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohn- und Personalausgleich entgegen! Die Reichen sollen endlich zahlen!
Wir sagen deutlich: Um uns gegen die Angriffe des Kapitals wehren zu können und die Kriegsgefahr zu bannen, dürfen wir uns nicht spalten lassen! Die Grenze verläuft nicht zwischen Alter, Herkunft, Geschlecht oder Hautfarbe, sondern mit aller Gewalt zwischen den Klassen, also zwischen Oben und Unten! Egal ob in der Schule, im Betrieb oder auf der Straße, die Solidarität macht uns stark, bundesweit und international!
Mit diesen konkreten Forderungen und dem historischen Wissen der Arbeiterbewegung stehen wir in der Tradition unserer Genossinnen und Genossen der Lechleitergruppe. Wir setzen ihren Kampf unter anderen gesellschaftlichen Bedingungen weiter fort, jedoch mit dem gleichen Ziel: dem Aufbau des Sozialismus.
Eine ausführliche Information über die Lechleitergruppe gibt es hier:
http://mannheim.vvn-bda.de/beitrage/
Weitere Bilder von Helmut Roos und den Redebeitrag von Klaus Stein findet ihr hier:
http://www.mannheim.igm.de/news/meldung.html?id=83367
Weitere Bilder von CKI Fotos:
https://www.flickr.com/photos/ckifts/sets/72157688570976586/with/36496736643/