04/05/2026
Welche Verantwortung tragen wir, wenn wir mitlaufen bei einer menschenverachtenden Politik? Wenn wir schweigen? Oder gar mitmachen? Peter Herrfurth schreibt darüber in seiner heutigen Radioandacht im MDR, mit einem sehr persönlichen Blick zurück und einem nach vorne:
Mein Großvater ist 1931 in die NSDAP eingetreten. Also noch vor der Machtergreifung der N***s. Ähm, na eigentlich war mein Opa ja dann selbst ein N**i.
Ich konnte ihn dazu nie befragen, weil er elf Jahre später in Stalingrad gefallen ist. Er hat mit seinem Leben für die Ideologie bezahlt, die er selbst gewählt hat.
Soll ich nun sagen: Selbst schuld?
Nein. Niemals. Denn es hat alle getroffen. Ob sie Mitglied waren oder nicht. Mein Opa hat die Tragweite seiner Entscheidung sicher nicht geahnt.
Erfahren habe ich von seiner Mitgliedschaft, weil die amerikanischen Archive die Mikrofilme Ende letzten Jahres im Internet zugänglich gemacht haben.
Er hat also mitgemacht damals. Ich kann das heute nicht ändern. Und ich muss mich auch nicht beruhigen, dass er NUR Mitglied ohne Posten gewesen ist und später NUR einfacher Soldat - kein Verantwortungsträger.
Oder doch? Sind wir nicht alle Verantwortungsträger für das, was wir sagen, für das was wir unterstützen? Für das, wo wir Mitglied sind oder was wir wählen?!
Wir können uns nicht rausreden. Auch wenn wir nicht wissen, wohin uns eine Entscheidung mal führt. Aber wir können auf die Warnsignale achten. Wofür steht eine Partei? Was sind ihre Forderungen? Wie geht sie mit Minderheiten um? Das hätte mein Opa ab 1931 sehr wohl sehen können.
Und wir heute?
Wir können schauen, wofür die Parteien heute stehen. Für ein Miteinander oder für Ausgrenzung und Hetze?
Wir sind verantwortlich, wohin unser Land sich bewegt. Wir können Nein sagen. Ehe es zu spät ist.
Peter Herrfurth, Landesjugendpfarrer in Magdeburg
📷 KI
Peter Herrfurth