17/07/2026
Freibad Oerlinghausen: Eröffnung erst in 2028 und nochmal teurer!
In den vergangenen Monaten haben wir in den Ratssitzungen immer wieder nach dem aktuellen Stand der Freibadsanierung gefragt. Auch für die gestrige Ratssitzung hatten wir unsere Fragen bereits im Vorfeld eingereicht, da die letzte Auskunft inzwischen erneut rund zwei Monate zurücklag.
Damals wurde mitgeteilt, dass sich die aktuelle Kostenkalkulation von 8,3 Millionen Euro auf 8,9 Millionen Euro erhöht habe. Eine belastbare Aussage zum weiteren Zeitplan sei zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nicht möglich gewesen, da der Bauzeitenplan durch den Architekten überarbeitet werde. Deshalb wollten wir nun konkret wissen, ob das Freibad zur Freibadsaison 2027 wiedereröffnet werden kann und zu welchem Zeitpunkt die Eröffnung nach dem aktuellen Bauzeitenplan vorgesehen ist.
Am Mittwoch erfolgte schließlich durch einen Beitrag der Stadtwerke Oerlinghausen die erste öffentliche Information. In der gestrigen Ratssitzung wurde dies nochmals bestätigt: Das neue Freibad wird nicht nur später fertig, sondern mit Gesamtkosten von inzwischen 9,1 Millionen Euro auch nochmals teurer. Eine Eröffnung ist frühestens im Jahr 2028 möglich.
Als Gründe werden unter anderem die zusätzlichen Anforderungen des EU-Vergaberechts nach der Aufstockung der Fördermittel genannt. Einzelne Ausschreibungen mussten wiederholt werden, weil keine zuschlagsfähigen Angebote eingegangen waren.
Zusätzlich wurde beim Aushub Fels entdeckt. Dadurch wurden weitere Baugeräte sowie Anpassungen des Bauablaufs erforderlich.
Die nun bekannt gewordene Verschiebung zeigt, wie schwer sich der Zeitplan bei einem derart komplexen Großprojekt verlässlich vorhersagen lässt. Noch im August vergangenen Jahres hatte Bürgermeister Peter Heepmann vor dem Hintergrund des Kommunalwahlkampfes öffentlich damit geworben, dass das Freibad 2027 mit ihm "auftauchen" werde.
Dabei hätte gerade die Vorgeschichte Anlass zu größerer Zurückhaltung geben müssen. Bereits sein Vorgänger Dirk Becker hatte im Kommunalwahlkampf 2020 eine Neueröffnung des Freibades für das Jahr 2022 in Aussicht gestellt. Diese Prognose erwies sich bekanntlich als deutlich verfrüht. Dass Bürgermeister Heepmann nun trotz dieser Erfahrungen erneut einen konkreten Eröffnungstermin zum Gegenstand des Wahlkampfes gemacht hatte, lässt aus unserer Sicht nicht erkennen, dass aus den Fehlern seines Vorgängers die notwendigen Lehren gezogen wurden.
Auch die damaligen Erwartungen an eine Eröffnung im Jahr 2027 haben sich inzwischen nicht bestätigt. Umso wichtiger ist es, bei öffentlichen Aussagen zu Kosten und Fertigstellung stets deutlich zu machen, welche Unsicherheiten und Risiken noch bestehen.
Im Beitrag der Stadtwerke äußert sich der Bürgermeister nun wie folgt:
"Mit Bedauern stelle ich jetzt fest, dass wir erst in 28 öffnen können. Wir haben es immer wieder versucht, das noch hinzukriegen, aber mittlerweile ist es einfach nicht mehr möglich. Dementsprechend haben wir heute ja auch gesagt, werden wir das der Öffentlichkeit bekannt geben. Ich glaube, das ist auch ein wichtiger und richtiger Schritt. Es ist mit eins der größten Projekte quasi in dieser Qualität. Auch für die Stadtwerke Oerlinghausen mit den unterschiedlichsten Bausteinen. Und da haben wir alle am Anfang nicht drinne gesteckt, und da muss man einfach dann jetzt damit umgehen.
Und wenn hinterher das Ergebnis stimmt, glaube ich, dann können wir für Oerlinghausen da sehr zufrieden sein. Und ich glaube, es wird ein wirklich guter Mehrwert. Auch im Zusammenhang mit der Klimaerlebniswelt, mit dem ganzen Ur-Land, werden wir hier etwas Tolles für die Oerlinghauser, aber auch für die Gäste von außerhalb schaffen."
Insbesondere die Aussage, man habe "am Anfang nicht drinne gesteckt", können wir jedoch nicht unkommentiert stehen lassen. Peter Heepmann ist seit November 2025 Bürgermeister der Stadt Oerlinghausen. Bereits in den Jahren zuvor gehörte er für die SPD-Fraktion dem Aufsichtsrat der Stadtwerke Oerlinghausen an. Er war damit von Beginn an in die Abläufe, Beratungen und entsprechenden Abstimmungen rund um das Freibadprojekt eingebunden.
Vor diesem Hintergrund nun in ein "Bad der vermeintlichen Unwissenheit" abzutauchen und den Eindruck zu vermitteln, man sei von der Entwicklung weitgehend überrascht worden, halten wir für nicht angemessen. Wer über Jahre hinweg Verantwortung in den zuständigen Gremien getragen hat, kann sich bei auftretenden Verzögerungen nicht nachträglich zum außenstehenden Beobachter erklären.
Dass ein Projekt dieser Größenordnung mit Risiken, Schwierigkeiten und zeitlichen Verschiebungen verbunden sein kann, stellen wir nicht infrage. Zur politischen Verantwortung gehört jedoch auch, frühere Prognosen kritisch einzuordnen, die eigene Rolle transparent zu benennen und nicht den Eindruck zu erwecken, die entscheidenden Entwicklungen seien ohne eigene Beteiligung erfolgt. Dies haben wir auch in der gestrigen Ratssitzung deutlich zum Ausdruck gebracht.
Für viele Bürgerinnen und Bürger ist die erneute Verschiebung enttäuschend und natürlich wünschen auch wir uns, dass am Ende ein modernes und attraktives Freibad entsteht, welches Oerlinghausen langfristig bereichert. Gerade bei einem der größten Projekte der Stadtwerke müssen weiterhin Kosten, Zeitplan und Risiken offen, nachvollziehbar und frühzeitig kommuniziert werden.
Wir werden die weitere Entwicklung daher aufmerksam begleiten und auch künftig konkrete Auskünfte zu den Kosten, zum Baufortschritt und zur Einhaltung des neuen Zeitplans kontinuierlich einfordern.
Initiative Oerlinghausen – damit Bürger:innenkommunikation nicht untergeht!