13/06/2026
Stolpersteinverlegung in Oerlinghausen: Erinnern für die Zukunft
Diese Woche durften wir an einer weiteren Stolpersteinverlegung in der Bergstadt teilnehmen und erleben, wie sich die von uns initiierte Erinnerungskultur in Oerlinghausen erfolgreich weiterentwickelt. Es war bereits die dritte Verlegung seit 2024 und ein weiterer wichtiger Beitrag zur lebendigen Erinnerungskultur unserer Stadt.
Den Auftakt bildete am 13. Juni 2024 die Verlegung von zwölf Stolpersteinen an sechs Standorten, darunter die ehemaligen Wohnorte der Betroffenen. Es folgte am 5. Juni 2025 die Verlegung eines Stolpersteins für den Zwangsarbeiter Giuseppe La Nave.
Bei der Veranstaltung am letzten Mittwoch (den 10. Juni 2026) wurden zehn weitere Stolpersteine für die Familien Bornheim, Heimann, Kulemeyer und Paradies verlegt. Die Familien wurden während der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, vertrieben oder zur Flucht gezwungen. Die würdige und bewegende Zeremonie wurde von weit mehr als 100 interessierten Bürgerinnen und Bürgern begleitet und zeigte eindrucksvoll, wie wichtig das Erinnern auch heute noch ist. Insgesamt erinnern nun 23 Stolpersteine in Oerlinghausen an die Schicksale der Betroffenen.
Unser besonderer Dank gilt der Initiative "Stolpersteine Oerlinghausen", die die Verlegung organisatorisch vorbereitet und begleitet hat. Die Initiative wurde im Mai 2025 von engagierten Bürgerinnen und Bürgern gegründet und hat die Verantwortung für das Projekt von der Stadt Oerlinghausen übernommen. Ebenso danken wir den Lehrkräften sowie den Schülerinnen und Schülern des Niklas-Luhmann-Gymnasiums und der Heinz-Sielmann-Schule für ihren wertvollen Beitrag.
Neben der Eröffnungsrede prägten insbesondere die bewegenden Beiträge von Nachfahren der betroffenen Familien die Veranstaltung. Einige von ihnen waren eigens aus Südamerika angereist, um an diesem besonderen Tag teilzunehmen. Dankende und zugleich mahnende Worte in deutscher und englischer Sprache sowie ein emotionaler Trauergesang sorgten für nachdenkliche Momente und machten die persönliche Dimension der Schicksale greifbar.
Auch der Chor der Heinz-Sielmann-Schule bereicherte die Veranstaltung mit zwei einstudierten Liedern. Schülerinnen und Schüler des Niklas-Luhmann-Gymnasiums stellten die Lebenswege und persönlichen Schicksale der Menschen vor, für die an diesem Tag die Stolpersteine verlegt wurden. Ihr Engagement verdeutlichte eindrucksvoll, wie Erinnerungskultur generationenübergreifend an unseren Schulen gelebt werden kann.
Die große Offenheit und das Interesse der Bürgerschaft stimmen uns positiv und hoffnungsvoll. Mit Blick auf die Entwicklung der vergangenen Jahre freut es uns besonders, dass unserem Antrag aus dem Jahr 2022 gefolgt und die entsprechende Beschlussvorlage angenommen wurde. Zuvor war das Thema Stolpersteine über zwei Jahrzehnte hinweg kontrovers diskutiert und schließlich nicht weiter verfolgt worden. Nachdem entsprechende Anträge in den Jahren 2003 und 2011 keine Mehrheit fanden, gelang es uns 2022, das Thema erneut auf die politische Tagesordnung zu bringen und die notwendige Unterstützung im Schul- und Kulturausschuss zu gewinnen.
Die heutige Entwicklung zeigt, dass sich Beharrlichkeit lohnt. Manchmal braucht es neue Perspektiven, frische Impulse und den Mut, wichtige Themen erneut aufzugreifen.
Weitere Informationen zu den Stolpersteinen in Oerlinghausen finden Sie auf der Homepage der Stadt Oerlinghausen: www.oerlinghausen.de/de/bergstadt/stolpersteine.php
Auch die Initiative "Stolpersteine Oerlinghausen" informiert auf ihrer eigenen Internetseite über ihre Arbeit und aktuelle Projekte: https://stolpersteine-oerlinghausen.de
Darüber hinaus lädt das KNUP - Soziokulturelles Zentrum Oerlinghausen e. V. am 26. September 2026 zum nächsten Stolperstein-Rundgang ein. Treffpunkt ist um 14:00 Uhr an der ehemaligen Synagoge. Die rund 2,5-stündige Führung führt auf einer Strecke von etwa drei Kilometern zu verschiedenen Erinnerungsorten in Oerlinghausen. Die Teilnahme ist kostenlos.
Erinnerung lebt vom Mitmachen. Jeder Stolperstein erzählt eine Geschichte – und jede Geschichte erinnert uns daran, Verantwortung für Gegenwart und Zukunft zu übernehmen.
Initiative Oerlinghausen - wir machen Geschichte(n) sichtbar!