Hier informiert das für das Land Niedersachsen tätige Aussteigerprogramm für Angehörige der rechtsextrem orientierten Szene AussteigerhilfeRechts über sein Angebot zur Unterstützung beim Verlassen der rechten Szene. Seit November 2001 bietet die AussteigerhilfeRechts Ausstiegsbegleitung für Angehörige der rechtsextrem orientierten Szene an. Das Angebot zur Unterstützung im Ausstieg ist ein Teil de
s Konzeptes des Ambulanten Justizsozialdienstes Niedersachsen zur Vorbeugung des Rechtsextremismus. Das Aussteigerprogramm AussteigerhilfeRechts wendet sich an alle Menschen, die aus der rechtsextremen Szene aussteigen wollen. Für uns ist es nicht wichtig, welche Position jemand in der rechten Szene hatte, welches Geschlecht jemand hat oder ob Straftaten verübt wurden oder nicht; wichtig ist für uns jeder einzelne Mensch, der aus der rechten Szene raus möchte. Heißt Ausstieg von einem Tag auf den nächsten kein Ne***zi, Rechter, Rechtsextremist, autonomer, völkischer oder freier Nationalist und ähnliches zu sein? Ausstieg geschieht nach unserer Erfahrung nicht von einem Tag auf den anderen. Ausstieg ist eine Entwicklung, die mit der ersten Idee, sich von der rechtsextremen Szene zu trennen, beginnt. Der Ausstieg ist abgeschlossen, wenn man das Gefühl hat, sein Szeneleben hinter sich gelassen zu haben und ein neues Leben zu führen. Diese Entwicklung dauert unterschiedlich lang. Sie ist nicht immer einfach und auch nicht immer ohne Hilfe zu bewältigen. Wir möchten und können diejenigen sein, die hier Hilfestellung leisten. Zu einer Ausstiegsberatung kann auch gehören, erst einmal festzustellen, wie sicher sich jemand in seinem Ausstiegswunsch ist. Wir wissen, dass ein begleiteter Ausstieg aus der rechtsextremen Szene damit beginnen kann, dass jemand einerseits aus der rechten Szene raus möchte, sich andererseits aber unsicher ist, ob dies die richtige Entscheidung ist. Dieses hin- und hergerissen sein ist nicht ungewöhnlich. Diese wichtige Frage für sich zu klären, ist für jeden Menschen, der über einen Szeneausstieg nachdenkt, von großer Bedeutung. Steht der Entschluss, beginnt der praktische Teil der Ausstiegsbegleitung. Jede Ausstiegsbegleitung findet in der Nähe des Wohnortes einer Klientin oder eines Klienten statt. Jede und jeder Aussteigende hat andere Vorstellungen davon, wie das Leben nach der Szenezugehörigkeit aussehen könnte und sollte. Es hat auch jede und jeder unterschiedliche Probleme, die im Ausstieg zu bewältigen sind. Aus diesen Gründen sind auch die Hilfen, die wir anbieten, sehr unterschiedlich. Und deswegen arbeiten wir auch grundsätzlich nur mit einzelnen Aussteigenden und nicht mit Aussteigergruppen. Wir möchten jeder und jedem Einzelnen helfen, ihren und seinen Weg aus der Szene und in ein neues Leben zu finden. Gemeinsam sind allen Ausstiegen lediglich die wichtigsten Merkmale, die wir mit unseren Klientinnen und Klienten gemeinsam erreichen wollen:
• Der Abbruch von Kontakten zur rechtsextremen Szene
• Verzicht auf Straffälligkeit
• Das Aufgeben von rechtsextremen Einstellungen
Was ein Ausstieg darüber hinaus beinhalten kann, finden wir anhand der eigenen Wünsche und Vorstellungen unserer Klientinnen und Klienten gemeinsam mit jeder und jedem Einzelnen heraus. Auf dieser Basis erarbeiten wir mit jedem Menschen, der sich an uns wendet, einen persönlichen Plan. Dieser Plan kann unter anderem beinhalten
• Hilfen zum Erwerb von Schul- oder Berufsausbildungsabschlüssen
• die Suche nach Arbeitsplätzen
• die Wohnungssuche
• die Behandlung von Suchterkrankungen
• die Entfernung von Tätowierungen
• zu lernen, ohne Gewalt auszukommen
• Soziale Trainingskurse
• aber auch anderes mehr
Die Ausstiegsberatung der AussteigerhilfeRechts ist kostenlos. Zur Umsetzung der Betreuungsmaßnahmen stehen geeignete Fördermittel bereit. Damit unsere Klientinnen und Klienten sich selber davor bewahren können, eines Tages wieder in die rechtsextreme Szene zurückzukehren, ist es wichtig, zu verstehen, warum jede und jeder Einzelne in die Szene gegangen ist und rechtsextreme Einstellungen hatte. In Gesprächen finden wir mit jedem Menschen, der sich an uns wendet, diese Gründe heraus. Dass bedeutet aber nicht, dass rechtsextreme Einstellungen durch Einstellungen ersetzt werden, die wir teilen oder von denen wir erwarten, dass unsere Klienten sie annehmen. Arbeit an den persönlichen Hintergründen für Szenezugehörigkeit heißt für uns: mit jeder Aussteigerin und jedem Aussteiger gemeinsam Wege zu erarbeiten, sowohl die Szenezugehörigkeit als auch die rechtsextremen Einstellungen überflüssig zu machen und hinter sich lassen zu können - ohne dabei eine andere Ideologie übernehmen zu müssen.