03/07/2022
Die Raunächte
Die Raunächte sind die letzten sechs Tage im alten Jahr, und sie sind dazu da, das Jahr, welches nun bald zu Ende gehen wird, zu verabschieden. Die sechs ersten Tage im Jahr dienen dazu, das neue Jahr zu begrüßen. Ich tat es auf meine Art, indem ich mich in der Dämmerung auf den Weg um die Teiche machte und auch dabei das Rothexenland durchquerte. so machte ich mich am dreißigsten Dezember auf den Weg. Es war kalt und an den Rändern der Teiche begann sich glitzerndes Eis zu bilden. Einige Enten, noch hatten sie genügend freie Wasserfläche, um schwimmen zu können, waren auf dem Teich unterwegs. Ich setzte mich auf eine am Ufer stehende Bank als etwas Merkwürdiges geschah.
Über dem Eisrand unterhalb der Bank begann die Luft zu flimmern, in der Mitte des hellen Wirbels bildete sich ein schwarzes Tor, aus dem sich eine riesenhafte dunkle Gestalt herausschälte. Mit einem gewaltigen Satz sprang sie an Land und ihre gewaltigen hohen Stiefel hinterließen tiefe Abdrücke im weichen Rasen. Gekleidet war mein Besuch mit einem langhaarigen Pelzmantel, einer schwarzen Pumphose, die in den Stiefeln steckte und einen breitrandigen Schlapphut, unter dem lange zottelige Haare bis auf den gewaltigen schwarzen Bart herabhingen. So einen Besuch hatte ich hier am Rande des Rothexenlandes noch nicht erlebt. Was er wohl von mir wollte?
Die Gestalt wandte sich mir zu, sah mich mit seinen großen jettschwarzen Augen an und sagte: „Was machst du hier, das Land gehört der Hexenkönigin und ich bin der Wächter, um alle die, die sich hier herumtreiben, zu verjagen. Die Hexen haben es nicht gern, wenn man sie beobachtet und deshalb sollst du hier sofort verschwinden oder ich mache dir Beine. oder besser, ich werfe dich in den Teich, dann bist du für alle Zeiten verschwunden!“ Ärgerlich blickte ich ihn an und stieß hervor: „Ich darf dich korrigieren, die Hexen haben von den Vorfahren meiner Frau, die auf der Bodenburg lebten, die Genehmigung erhalten, sich hier aufzuhalten und du hast mir überhaupt nichts zu befehlen! Scher dich wieder durch dein Tor oder ich bitte die Hexenkönigin, unter deren Schutz ich stehe, dich zurückzuschicken!“ „Haha!“, lachte der Riese, „ein aufmüpfiges Menschlein sitzt hier und will mir Befehle geben? Ich glaube, ich werde dich jetzt in den Teich werfen! Er stampfte auf mich zu.
Über seinem Kopf rauschte es und ein Frauengestalt, mit einem spitzen Hut, gekleidet mit einem mit Sternen besetzen nachtblauen langen Umhang, erschien auf ihrem Besen und rief: „Wächter, dieser Mann steht unter meinem persönlichen Schutz. Ich gab ihm bereits den nur von Königinnen benutzbaren Zauberstab, damit er ihn aufbewahrt und dann, wenn es an der Zeit ist, an seine Enkelin übergibt, die meine Nachfolgerin werden soll. So hat es der Hexenrat bestimmt. Noch ist sie ein junges Mädchen und weiß davon nichts, aber an Ihrem zwölften Geburtstag wird dieser Mann ihr den Zauberstab übergeben, damit sie die Zauberschule aufsuchen kann, um zu lernen, was es heißt, eine Hexe zu sein. Du hast verstanden, dass auch du diesen Mann, seine Frau und auch die Enkelin unter Schutz zu stellen hast. Hast Du das verstanden, Wächter?“ Der Riese zog den Kopf ein und brummelte: „Ist ja schon gut ich habe verstanden. Darf ich jetzt gehen?“ Die Königin antwortete: „Ja, das darfst du!“ Der Riese murmelte etwas unverständliches, die Luft begann zu flimmern, es bildete sich das schwarze Tor und mit einem mächtigen Satz sprang der Wächter hinein, der Durchgans schloss sich mit einem leisen Schmatzen und er war verschwunden.
Die Hexenkönigin sah mich lange an und sagte dann mit einem Lächeln auf ihrem Gesicht: „So lange Du diese Wege gehst, werde ich immer auf dich achtgeben“ Der Besen, auf dem sie saß, beschrieb eine elegante Kurve und stieg steil empor, so hoch, dass ich nur noch einen kleinen Punkt sehen konnte. Noch lange blieb ich auf der Bank sitzen, bevor ich mich auf den Heimweg machte. Das Rothexenland war doch immer wieder für eine Überraschung gut. Was hatte ich dort schon alles erlebt.