24/06/2026
Manche Radverkehrsprojekte sind wichtig. Andere sind symbolisch. Und einige sind beides zugleich.
Der nun angekündigte Planungsstart für einen Radweg entlang der B96 durch den Waldabschnitt Frohnauer Forst zwischen Frohnau und Hohen Neuendor gehört zweifellos zur letzten Kategorie.
Wer die Strecke kennt, weiß: Hier geht es nicht um irgendeinen Weg. Es geht um eine der wichtigsten Verbindungen zwischen dem Landkreis Oberhavel und Berlin. Täglich nutzen Pendlerinnen und Pendler, Schülerinnen und Schüler sowie Freizeitradfahrende diesen Korridor zwischen Hohen Neuendorf, Glienicke/Nordbahn und Berlin-Frohnau. Im Interkommunalen Verkehrskonzept wird dieser Abschnitt nicht ohne Grund als eine der bedeutendsten zentrale Verbindung im regionalen Hauptradroutennetz mit der Priorität „Sehr hoch“ eingestuft.
Gleichzeitig ist die Situation seit Jahrzehnten unbefriedigend. Während die ehemalige innerdeutsche Grenze für den Autoverkehr bereits Anfang der 1990er Jahre verschwand, existiert sie für den Radverkehr bis heute fort. Zwischen Hohen Neuendorf und Frohnau fehlt weiterhin eine sichere, befestigte und alltagstaugliche Radverkehrsverbindung. Wer dort unterwegs ist, kennt die Realität: ein unbefestigter Waldweg als Ausweichroute oder die Fahrt auf einer stark befahrenen Bundesstraße mit regelmäßig auftretenden Konflikten und gefährlichen Überholmanövern.
Gerade deshalb ist die nun bekannt gewordene Nachricht so bedeutsam. Mit dem angekündigten Planungsstart durch die Autobahn GmbH im vierten Quartal 2026 wird erstmals sichtbar, dass sich nach vielen Jahren des Stillstands tatsächlich etwas bewegt. Noch ist kein Meter Radweg gebaut. Planungen und Genehmigungen werden Zeit benötigen. Aber der Schritt vom politischen Wunsch zur konkreten Planung ist ein entscheidender Meilenstein.
Besonders bemerkenswert ist dabei, dass hinter diesem Fortschritt Menschen stehen, die über Jahre beharrlich nachgefragt, Zuständigkeiten recherchiert, Gespräche geführt und Akteure zusammengebracht haben.
Allen voran Barbara Neeb-Bruckner von der ADFC-Ortsgruppe Glienicke/Nordbahn. Während viele das Projekt längst als festgefahren betrachteten, hat sie unermüdlich daran gearbeitet, die Verantwortlichkeiten zu klären, Kontakte zwischen den beteiligten Stellen herzustellen und das Thema immer wieder auf die politische Agenda zu bringen. Dass heute überhaupt bekannt ist, wer für diesen Abschnitt zuständig ist und dass nun Planungen angekündigt werden, ist das Ergebnis dieses langjährigen ehrenamtlichen Engagements.
Der jetzt veröffentlichte Artikel zeigt deshalb mehr als nur den Beginn eines Planungsverfahrens. Er zeigt, was möglich wird, wenn Menschen nicht aufgeben und über kommunale, Landes- und sogar Ländergrenzen hinweg zusammenarbeiten.
Für viele Radfahrende zwischen Oberhavel und Berlin ist das ein Hoffnungsschimmer. Für Barbara Neeb-Bruckner und alle Beteiligten der ADFC-Gruppen ist es vor allem die verdiente Anerkennung eines langen Weges, der nun endlich die ersten sichtbaren Ergebnisse hervorbringt.
Warum dieser Radweg weit mehr ist als ein Radweg
Bei der Diskussion über den Lückenschluss durch den Frohnauer Forst geht es nicht nur um die Sicherheit der heutigen Radfahrenden.
Es geht vor allem um die Frage, wie sich die Mobilität zwischen Oberhavel und Berlin in den kommenden Jahren entwickeln wird.
Die Zahlen zeigen, welches Potenzial in dieser Verbindung steckt: Mehr als 37.000 Menschen pendeln täglich aus Oberhavel nach Berlin. Selbst bei einem Radverkehrsanteil von nur rund 11 Prozent entspricht das bereits mehreren Tausend Menschen, die täglich die Stadtgrenze mit dem Fahrrad überqueren. Gleichzeitig wächst das Berliner Umland seit Jahren. Neue Wohngebiete entstehen, die Straßen werden voller, und viele Pendlerinnen und Pendler suchen nach Alternativen zum täglichen Stau. Bereits heute gehören die Verbindungen entlang der B96 und B96a, zu den wichtigsten Pendlerachsen zwischen Oberhavel und Berlin. Wer morgens zwischen Hohen Neuendorf, Birkenwerder, Glienicke und Berlin unterwegs ist, kann diese Entwicklung beobachten: volle Fahrradabstellanlagen an den Bahnhöfen, steigende Nutzerzahlen auf den Hauptrouten und immer mehr Menschen, die für ihre täglichen Wege das Fahrrad entdecken.
Die Erfahrungen anderer Regionen zeigen, welches Potenzial sichere und durchgängige Radverbindungen entfalten können. Im Ruhrgebiet wird derzeit mit dem über 100 Kilometer langen Radschnellweg RS1 eine durchgehende Verbindung zwischen mehreren Städten geschaffen. Das Projekt verfolgt genau dasselbe Ziel wie der geplante Lückenschluss im Frohnauer Forst: Pendlerinnen und Pendlern eine attraktive Alternative zum Auto anzubieten und über Gemeindegrenzen hinweg ein zusammenhängendes Netz zu schaffen. das esfunktioniert, zeigt die 12,5 km lange Pilotstrecke Mülheim/Essen: An der Zählstelle in Mülheim an der Ruhr wurden in einzelnen Jahren bis zu ca. 743.000 Fahrten verzeichnet, was einem Durchschnitt von etwa 2.000 Fahrten täglich entspricht. (https://ob-mh.adfc.de/neuigkeit/stetig-mehr-radelnde-auf-dem-rs1)
Auch internationale Beispiele wie die Radschnellwege rund um Kopenhagen zeigen seit Jahren, dass Menschen bereit sind umzusteigen, wenn die Infrastruktur sicher, direkt und komfortabel ist. Nicht Ideologie bewegt Menschen zum Fahrrad, sondern gute Verbindungen.
Genau deshalb ist der Abschnitt durch den Frohnauer Forst so bedeutsam. Er verbindet nicht nur zwei Kommunen. Er schließt eine große Lücke zwischen dem Berliner Radnetz und dem nördlichen Berliner Umland. Erst durch solche durchgängigen Verbindungen wird das Fahrrad für viele Menschen überhaupt zu einer realistischen Alternative auf dem täglichen Arbeitsweg.
Vielleicht liegt die größte Chance dieses Projekts sogar darin, Konflikte zwischen den Verkehrsteilnehmenden zu entschärfen. Heute teilen sich Radfahrende und Kraftfahrzeuge eine stark belastete Bundesstraße. Das führt auf beiden Seiten zu Frust. Ein sicherer Radweg würde dagegen allen helfen: Radfahrende könnten entspannt und sicher unterwegs sein, Autofahrende müssten nicht mehr hinter Fahrrädern warten oder riskante Überholmanöver durchführen.
Jeder Mensch, der künftig auf dieser Strecke freiwillig vom Auto auf das Fahrrad umsteigt, entlastet die B96 ein kleines Stück. Und wenn aus Hunderten irgendwann Tausende werden, profitieren am Ende alle – die Radfahrenden, die Autofahrenden, die Gemeinden und das Klima gleichermaßen.
Der angekündigte Planungsstart ist deshalb nicht nur ein Signal für den Radverkehr. Er ist ein Signal dafür, dass die Region beginnt, Mobilität neu zu denken.
Der nachfolgende Artikel der MAZ beschreibt die aktuellen Entwicklungen.
Lesenswert und hoffentlich inspirierend!
Bleibt unterwegs sicher und fröhlich – und denkt daran: informierte Bürger sind das Herz einer lebendigen Demokratie.
Viel Freude beim Lesen.
Wir sehen uns auf dem Rad!
Liebe Grüße
Andreas
Wo die Berliner Mauer stand
Frohnauer Forst: Erste Schritte für den Radweg zwischen Hohen Neuendorf und Glienicke
Für Radfahrer ist die B96 zwischen Hohen Neuendorf und Frohnau gefährlich: viel Verkehr und kein richtiger Radweg. Dabei wäre nach Ansicht des ADFC der Bedarf da. Jetzt aber könnten die Planungen vorankommen.
Von Robert Tiesler
23.06.2026, 16:49 Uhr
Berlin/Hohen Neuendorf. Bis Anfang 1990 stand zwischen Hohen Neuendorf und dem Frohnauer Forst in Berlin die Mauer. Für den Autoverkehr ist die Strecke – die Bundesstraße B96 – dann wieder freigegeben worden. Und die Radfahrer?
„Die Grenze für den Radverkehr besteht immer noch“, sagt Andreas Blaschke. Er wohnt in Birkenwerder und fährt mit dem Rad jeden Tag nach Berlin zur Arbeit. Doch die B96 nach Berlin rein ist weiterhin ein echtes Hindernis für alle, die mit dem Fahrrad unterwegs sind.
Im Frohnauer Forst hat die B96 keinen begleitenden Radweg. Es gibt nur einen unbefestigten Waldweg, der parallel zur Straße liegt. Bei Regenwetter ist er jedoch meist ziemlich aufgeweicht und schlecht nutzbar.
„Trotz Bekenntnis aller politischen Parteien und zuständigen Verwaltungen zu dem Radweg entlang der B96 zwischen Glienicke/Nordbahn und Hohen Neuendorf ist jahrelang nichts passiert“, sagt Barbara Neeb-Bruckner.
Fortschritte für einen Radwegbau zwischen Hohen Neuendorf und Frohnau
Die Sprecherin der ADFC-Ortsgruppe Glienicke/Nordbahn macht sich seit Jahren für den Radweg an der B96 stark. Er würde Glienicke mit Frohnau und Hohen Neuendorf verbinden. Der ADFC, der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club, kümmert sich darum, die Radweg-Themen in der Region voranzubringen.
Aber offenbar gibt es Fortschritte. „Die enge Kooperation der ADFC-Ortsgruppe Glienicke/Nordbahn mit dem ADFC Reinickendorf hat nun einen bedeutenden Fortschritt erzielt“, erklärt Barbara Neeb-Bruckner.
Frank Hübschmann, Barbara Neeb-Bruckner (M.) und Dorothee Bernhardt vom ADFC fordern einen Radweg von Frohnau nach Hohen Neuendorf.
Quelle: Robert Tiesler
Wie berichtet, musste überhaupt erst mal recherchiert werden, wer denn für den Bau eines Radweges an der B96 in Frohnau zuständig sein könnte. „Nach intensiver Recherche hat eine Anfrage letztes Jahr beim Ministerium für Verkehr bestätigt, dass die Autobahn GmbH des Bundes der zuständige Straßenbaulastträger für den Abschnitt der B96 durch den Frohnauer Forst ist“, so die Glienickerin.
Vertreter des ADFC und der interkommunale Mobilitätsmanager Heinrich Althausen trafen sich bei der zuständigen Niederlassung Nordost der Autobahn GmbH in Stolpe. Seitens der Autobahn GmbH wird jetzt ein Planungsstart im vierten Quartal 2026 angekündigt, also im Herbst.
Planungsbeginn im Herbst 2026 ist ein Meilenstein
Das bedeutet allerdings nicht, dass feststeht, wann der Radweg gebaut werde. Aber dennoch: Das sei ein Meilenstein, sagte Barbara Neeb-Bruckner. Kontinuierliches Engagement und konstruktive Zusammenarbeit würden konkrete Verbesserungen für den Radverkehr bewirken, erklärte sie weiter.
„Einerseits können durch Zusammenarbeit und Ausdauer wichtige Fortschritte erreicht werden. Andererseits wird deutlich, wie leicht bereits abgestimmte Projekte durch ungelöste Zuständigkeits- und Finanzierungsfragen ins Stocken geraten können.
Ich sehe das als Zeichen dafür, dass sich jemand verantwortlich fühlt.
Andreas Blaschke
Radfahrer aus Birkenwerder
„Ich sehe das als Zeichen dafür, dass sich jemand verantwortlich fühlt“, sagt dazu Andreas Blaschke. Er begrüßt es, dass man sich in Berlin an einen Tisch setze, um diesen Radweg nun zu planen.
Der Bau des Radweges im Frohnauer Forst wäre ein wichtiger Lückenschluss auf der Strecke von Glienicke nach Hohen Neuendorf. In Hohen Neuendorf selbst gibt es entlang der B96 Radwege.
„Aber die sind aus den 90er-Jahren“, gibt der Radfahrer aus Birkenwerder zu Bedenken. „Sie sind rot gepflastert, aber diese Infrastruktur ist auch nicht mehr zeitgemäß.“ Bedeutet: Sie seien inzwischen auch zu schmal und würden nicht mehr den Bedarf widerspiegeln.
MAZ
Quelle: https://www.maz-online.de/lokales/oberhavel/hohen-neuendorf/radweg-an-der-b96-verbindung-von-hohen-neuendorf-nach-frohnau-planung-ab-herbst-2026-4JIOA6WX75AT7CMSOKLLF55SKA.html
Für Radfahrer ist die B96 zwischen Hohen Neuendorf und Frohnau gefährlich: viel Verkehr und kein richtiger Radweg. Dabei wäre nach Ansicht des ADFC der Bedarf da. Jetzt aber könnten die Planungen vorankommen.