21/02/2021
Auch wir Gedenken den Opfern des rassistischen Attentates von Hanau:
Ferhat Unvar
Hamza Kurtović
Said Nesar Hashemi
Vili Viorel Păun
Mercedes Kierpacz
Kaloyan Velkov
Fatih Saraçoğlu
Sedat Gürbüz
Gökhan Gültekin
„Denn was muss denn noch passieren? Wann stehen die Leute denn hier auf den Straßen? Wann werdet ihr endlich wütend?“, so versuchte Çetin Gültekin, der Bruder des erschossenen Gökhan Gültekin, Ausdruck für seine Trauer und seine Wut zu finden. Im Zentrum der Mahnwache, die das Paderborner Bündnis gegen Rechts, am Freitag, den 19.02., organisierte, stand die Erinnerung an die Opfer des Terroranschlags von Hanau, verbunden mit den Forderungen der Angehörigen: Erinnerung! Gerechtigkeit! Aufklärung! Konsequenzen! Um eben diese Forderungen zu untermauern wurden Aufnahmen mit Aussagen der Angehörigen abgespielt. Den Bürgermeister schien das allerdings wenig zu interessieren, als er ohne die Mahnwache mit einem Blick zu würdigen, das historische Rathaus betrat.
Ca. 50 Menschen versammelten sich schon zu Beginn und auch in der Zeit bis 19 Uhr wurde die Mahnwache kontinuierlich von Menschen besucht, die sich den Forderungen der Angehörigen anschlossen und ihre Trauer zum Ausdruck bringen wollten. Sich diesen Forderungen anzuschließen bedeutet vor allem konsequent gegen Rassismus einzustehen. Rassismus zu fassen und zu definieren ist nicht einfach, schließlich unterliegt auch Rassismus Transformationsprozessen. Von dem, was sich im 15. Jahrhundert als Kolonialrassismus etablierte, zu einem Rassismus, der in unserer Gesellschaft, trotz formal nicht-rassistischen Institutionen, seine Wirkung entfaltet. Was im öffentlichen Diskurs häufig als Rassismus beschrieben wird, Beleidigungen oder diskriminierende Handlungen, bildet nur einen Teil dessen, was wir darunter verstanden werden muss. Rassismus geht über individuelle Einstellung und intendiertes Handeln hinaus. Er lässt sich als Ideologie oder Herrschaftsverhältnis beschreiben, findet Ausdruck in sozialen Praxen und gesellschaftlichen Strukturen. Dies drückt sich eben auch auf dem Arbeits- und Wohnungsmarkt, in staatlichen und nichtstaatlichen Institutionen und Praktiken. Berücksichtigen wir die vorangegangenen Überlegungen und Blicken auf den Terroranschlag von Hanau gilt es noch viele offene Fragen zu beantworten. Auf polizeiliche Anordnung war der Notausgang in der Arena-Bar, einem der Tatorte, verschlossen. Dies sollte verhindern, dass Menschen bei Kontrollen der Polizei flüchten. Galt für Besucher*innen der Bar Generalverdacht, weil sich dort viele Menschen aufhielten, die durch die Behörden als “migrantisch” identifiziert wurden? Angehörige und Betroffene des Anschlags beschreiben das Vorgehen der Polizei und Behörden sei durch Ignoranz und Unwillen gekennzeichnet. Wieso gab keine angemessene Unterstützung? Der Täter fiel schon lange im Vorfeld der Tat durch verschwörungstheoretische und rassistische Äußerungen im Internet und auch gegenüber der Polizei auf. Wie konnte es sein, dass dieser Mann legal Waffen besaß?
Auf diese Fragen braucht es Antworten, um die nötigen Konsequenzen zu ziehen. Denn wir brauchen Taten statt Worte, damit sich das, was passiert ist, nicht wiederholt. Wir stehen zusammen und kämpfen gemeinsam. Gegen die Angst. Für das Leben. Erinnern heißt verändern!