10/03/2021
Für nicht jede Depression gibt es einen Grund, allerdings sind sie trotzdem real!
Die neueste Aussage von Ministerpräsident Kretschmann: „Vergleichen Sie ihre Situation mit dem anderer Menschen, dann werden sie sehen, dass es keinen Grund dafür gibt, depressiv zu werden“ ist ein Faustschlag ins Gesicht, nicht nur für Studenten, sondern auch für alle Leute mit Depressionen und anderen psychischen Erkrankungen. „Für jemanden mit einer seelischen Behinderung und eigenen Erfahrungen mit Depressionen ist diese Aussage unerträglich“,,sagt Paul M J Guenther der Vorsitzende der CDU-Hochschulgruppe RCDS an der Hochschule Pforzheim, der selbst an einer Autismus-Spektrums-Störung leidet. Für mich zeigt es wieder, dass Menschen mit seelischen und psychischen Erkrankungen immer noch nicht von der Politik ernst genommen werden. Sie werden immer so dargestellt als wäre es eine Wahl depressiv zu sein und sie sollen sich doch nicht so anstellen., so Günther weiter. Dies ist kein neues Phänomen. Schon vor der Pandemie werden Leute mit seelischen Behinderungen nicht wirklich ernst genommen. Oft wird nur wenig getan, um die Bedürfnisse von Studenten mit diesen Beeinträchtigungen zu erfüllen. Fast jede Hochschule ist barrierefrei für Körperbehinderte, allerdings nicht für Studenten mit zum Beispiel Autismus, Depressionen und anderen Beeinträchtigungen. Bei seelischen Beeinträchtigungen müssen die Betroffenen oft hart für ihr Recht kämpfen und werden trotzdem oft von den Verantwortlichen an Hochschule und in der Politik belächelt. Die Pandemie hat diese Situation verschlimmert. Durch die Pandemie werden die Kontakte erheblich reduziert und dies kann dramatische Folgen haben. Viele Menschen mit meinem Krankheitsbild haben kaum Freunde mit denen sie sich außerhalb ihres Alltags treffen. Aus diesem Grund sind sie besonders durch die Pandemie betroffen, da sie es so noch schwerer haben an Kontakte zu kommen, die sie dringend benötigen, erklärt Günther. Depressionen sind ,,zurzeit oft ein Resultat dieser Vereinsamung. Allerdings kann dies nicht nur bei Menschen mit seelischen Vorerkrankungen vorkommen, sondern bei jedem Studenten. Oft haben diese Leute Angst sich zu äußern, weil sie denken, sie werden nicht ernst genommen und dies obwohl sie oft dringend Hilfe benötigen. Dies hat zur Folge, dass oft Probleme im Studienverlauf auftreten. Zwar sagt die Politik immer, sie möchte Menschen mit Problemen bei der mentalen Gesundheit helfen, sie tut es allerdings seit Jahren nicht. Wie oft habe ich in meiner Jugend gehört, nachdem ich offen mit meinen mentalen Problemen umgegangen bin: „Ich soll mich zusammenreißen!“ oder „Ich hätte kein Problem!“ Aus diesem Grund habe ich oft an mir gezweifelt und deshalb finde ich es beschämend, dass ein Ministerpräsident diese Probleme heruntergespielt. Für nicht jede Depression gibt es einen Grund, allerdings sind sie trotzdem real und müssen ernst genommen werden. Durch seine Aussagen zeigt Kretschmann ganz klar, dass er das Problem nicht verstanden hat, sagt Günther abschließend.