10/03/2025
Traditionsreiches Gasthaus abgerissen.
Und weg ist der alte „Eichbaum“
Wer dieser Tage durch die Leopoldstraße oder den
„Viehweg“ geht, wie die Straße bei den alten
Plänkschdern heißt, entdeckt an der Ecke zur
Ludwigstraße eine neue Baulücke. Was ist da
geschehen - stand hier doch noch bis vor kurzem das
ehemalige traditionsreiche Gasthaus „Zum Eichbaum“?
Dem Gastbetrieb dieser alteingesessenen Wirtschaft
schlug schon am 24. Juli 2000 die Stunde und eine fast
125-jährige Wirtshausgeschichte ging damals zu Ende.
Seither ist schon wieder ein Vierteljahrhundert vergangen und nun ist auch das ganze Gebäude aus
dem Straßenbild verschwunden. Ein Wasserschaden im Winter 2024/25 hatte der Bausubstanz so
zugesetzt, dass sie nicht mehr erhaltenswert war und so fiel der alte „Eichbaum“ nun der Spitzhacke
zum Opfer!
Die erste Eintragung finden wir am 4. März 1878 mit dem Wirt Wilhelm Moos. Moos bekam bei der
Konzessionserteilung gleich Schwierigkeiten, weil er ursprünglich den Eingang von der Leopoldstraße
her haben wollte. Da sich dort jedoch ein öffentlicher Brunnen befand, hatte der Gemeinderat
Bedenken, da so „dem Brunnen leicht Unreinlichkeiten zugeführt werden könnten“. Deshalb musste
Moos den Eingang zum Lokal in das damalige Keesgriebengässel, der heutigen Ludwigstraße
verlegen.
Über die ganze Zeit hinweg gehörte der „Eichbaum“ zu den traditionsreichen Gaststätten im Ort. Im
ersten Viertel des vergangenen Jahrhunderts war er in wechselnden Händen; unter anderem war
Friedrich Saam der Wirt, der dann 1919 den „Kaiserhof“ in der Luisenstraße übernahm (später „Zum
Stern“) übernahm. In den Konzessionsakten finden wir unter anderem auch die Namen Johann Georg
Berlinghof, Anna Maria Berlinghof, Adam Klein II., Kätchen Wagner und Jean Knapp. Unvergessen bis
heute besonders die Wirtin Adelgunde Berlinghof, die den „Eichbaum“ 1934 übernommen hatte
(gestorben 1968) und die bei den Gästen so beliebt war, dass man nicht in den „Eichbaum“, sondern
einfach „Zur Gunda“ ging – eine eigentlich liebevolle Bezeichnung, die sich auch nach ihrem Tod noch
lange hielt. Die Nachfolger von Gunda Berlinghof, Melita und Artur Kolb, entschlossen sich dann im
Jahr 2000 zur Aufgabe des Lokals.
Durch seinen Saal war der „Eichbaum“ für die Plankstadter Vereine immer von Bedeutung; seit 1968
war er Sängerheim des GV Liederkranz. Daneben fanden im Eichbaum-Saal auch häufig
Ausstellungen der Kleintierzüchter und der Brieftaubenfreunde statt.
Eugen Pfaff berichtete von einem Bohnenkaffee – Nachmittag im Jahr 1949 im Eichbaum, was in
dieser an Genussmitteln so armen Zeit etwas ganz Besonderes war. Den Bohnenkaffee hatte
Hermann Rey aus Amerika geschickt. - In Vergessenheit ist auch geraten, dass der „Eichbaum“ nach
dem Zweiten Weltkrieg eine wichtige erste Notunterkunft für viele Flüchtlinge war.
Und nur die älteren Plankstädter erinnern sich noch an das
benachbarte Gasthaus „Zum goldenen Lamm“, dem „Eichbaum“
gegenüber an der anderen Ecke der Ludwigsstraße gelegen. Zu
diesem alten Gasthaus der Familie Röther gehörte auch eine
Bäckerei, in der Emil Leisinger seine berufliche Selbständigkeit
begann, nachdem er seine Lehr- und Gesellenzeit beim Bäcker
Hermann Grimm in der Eisenbahnstraße erfolgreich
abgeschlossen hatte. Der kleine Laden befand sich im „Viehweg“
neben dem Gasthaus.
Foto und Bericht von U. Kobelke