21/08/2026
Vielfalt ist keine Gefahr für die Demokratie, Herr Bischof Oster.
Mit Ihrer jüngsten Predigt stellen Sie erneut q***re Menschen und ihre Lebensweisen in einen Zusammenhang mit einer angeblichen Gefahr für unsere Demokratie. Sie sprechen von „angeeigneten Identitäten“, von einem Menschenbild, das nicht dem biblischen entspreche, und davon, dass gesellschaftliche Vielfalt letztlich den Ruf nach einer starken Autorität begünstigen könne.
Das ist nicht nur theologisch fragwürdig. Es ist vor allem gesellschaftlich gefährlich.
Denn q***re Menschen gefährden unsere Demokratie nicht. Sie sind Teil dieser Demokratie. Sie sind Ihre Gläubigen, Nachbar*innen, Kolleg*innen, Freund*innen und Familienangehörigen. Sie engagieren sich in Vereinen, Kirchen, Gewerkschaften, Parteien und Kommunen. Sie tragen unsere Gesellschaft – in ihrer ganzen Vielfalt.
Demokratie bedeutet gerade nicht, dass alle Menschen nach einem einzigen Menschenbild leben müssen. Demokratie bedeutet, dass Menschen unterschiedlich leben, lieben und glauben dürfen. Die Freiheit des einen endet dort, wo die Freiheit und Würde des anderen verletzt wird.
Und deshalb möchten wir als SPDq***r Bayern sehr klar sagen: Die Würde eines Menschen hängt nicht davon ab, ob sein Leben in Ihr persönliches oder theologisches Weltbild passt.
Sie sagen, Christi*nnen müssten q***re Lebensweisen nicht gutheißen. Das ist Ihr gutes Recht. Aber aus persönlicher oder religiös begründeter Ablehnung darf keine gesellschaftliche Abwertung werden. Und schon gar nicht sollte ein Bischof q***re Menschen zum Problem für die Demokratie erklären.
Was wir zudem sehr bedauern: Sie sprechen immer wieder über q***re Menschen – aber viel zu selten mit ihnen.
Wir würden uns deshalb wünschen, dass auf die nächste Predigt nicht die nächste Zuschreibung folgt, sondern ein echtes Gespräch.
Als SPDq***r Bayern bieten wir Ihnen diesen Dialog ausdrücklich an. Wir wollen nicht übereinander reden, sondern miteinander sprechen: über Glauben und Menschenwürde, über unterschiedliche Vorstellungen von Familie und Sexualität, aber auch über die konkreten Erfahrungen q***rer Menschen mit Ausgrenzung und Diskriminierung.
Und wir verbinden dieses Gespräch mit einer politischen Forderung: Wer gesellschaftlichen Zusammenhalt und Menschenwürde ernst nimmt, muss sich auch klar gegen Queerfeindlichkeit stellen. Deshalb erwarten wir von der katholischen Kirche in Bayern, dass sie sich öffentlich und unmissverständlich gegen Diskriminierung q***rer Menschen positioniert und ihre Verantwortung für ein respektvolles Miteinander wahrnimmt.
Wir wünschen uns von Ihnen nicht, dass Sie Ihre theologischen Überzeugungen aufgeben.
Wir wünschen uns, dass Sie anerkennen, dass auch q***re Menschen Menschen sind, deren Würde, Freiheit und Lebensentwürfe denselben Respekt verdienen wie die aller anderen.
Vielfalt macht unsere Demokratie nicht schwächer. Sie macht sie menschlicher.
Herr Bischof Oster: Reden Sie bitte mit uns. Nicht über uns!