04/09/2026
166. Schinkelturm Kap Arkona
Deutschland, Mecklenburg-Vorpommern, Insel Rügen
Gemeinsam mit Martin Bögelsack ging es für Volker und mich in den historischen Schinkelturm. Schon beim Betreten merkt man sofort, dass man hier in einem ganz anderen Kapitel der Leuchtturmgeschichte angekommen ist. Dieses Bauwerk hat fast 200 Jahre auf dem Buckel.
Im unteren Bereich befindet sich heute sogar ein Standesamt. Wer hier heiratet, kann also wirklich behaupten, sich in einem Leuchtturm das Ja Wort gegeben zu haben. 😄
Dann begann unser Aufstieg. Zunächst führte uns das wunderschöne historische Treppenhaus nach oben. Dabei fielen mir sofort die vielen gusseisernen Elemente auf. Zusammen mit dem alten Ziegelmauerwerk hat dieser Innenbereich einen unglaublichen Charme. Man merkt auf Schritt und Tritt, wie viel Geschichte in diesem Turm steckt.
Seit diesem Jahr ist der Schinkelturm wieder geöffnet und im Inneren wird auf großen Tafeln ausführlich die Geschichte von Kap Arkona und seinen Leuchttürmen erzählt. Gemeinsam mit Martin durch diese Ausstellung zu gehen war natürlich perfekt, denn zu den Informationen auf den Tafeln kamen seine Geschichten und sein enormes Wissen hinzu.
Richtig spannend wurde es, als wir über die ursprüngliche Beleuchtung des Schinkelturms sprachen.
Der Turm besaß eine für die damalige Zeit aufwendige Optik mit mehreren großen Parabolspiegeln, die fast einen halben Meter Durchmesser hatten. Martin erklärte uns, wie arbeitsintensiv der Betrieb für die damaligen Leuchtturmwärter gewesen sein muss. Als Brennstoff wurde Rüböl verwendet und durch Ruß und Verbrennungsrückstände musste die Anlage regelmäßig gereinigt werden.
Ich stellte mir dabei vor, was das damals für ein anstrengender Job gewesen sein muss. Immer wieder hinauf zum Feuer, die Technik kontrollieren, reinigen und dafür sorgen, dass das Licht zuverlässig brannte. Von automatischer Leuchtturmtechnik konnte damals schließlich noch keine Rede sein.
Je höher wir kamen, desto mehr merkte man Martin seine Begeisterung für diesen Turm an. Seine Augen fingen richtig an zu leuchten, als er uns erzählte, dass er uns bis ganz nach oben in die historische Laterne mitnehmen darf.
Ganz oben, in der letzten Etage, führte eine wunderschöne gusseiserne Wendeltreppe hinauf in die Laterne. Allein diese Treppe mit ihren vielen Verzierungen und Ornamenten ist eine Augenweide.
Also ging es über die Wendeltreppe noch die letzten Meter hinauf.
Dort standen wir schließlich, Volker, Martin und ich, ganz oben im Schinkelturm. Durch die großen Scheiben hatten wir einen fantastischen Blick über Kap Arkona und die Ostsee. Tief unter uns konnte ich sogar den kleinen Pintsch Leuchtturm erkennen, den wir kurz zuvor noch von innen besichtigt hatten.
Doch Martin hatte noch eine Geschichte für uns.
Die historische Leuchttechnik soll wieder sichtbar gemacht werden. Die frühere optische Anlage wird rekonstruiert und soll wieder ihren Platz oben im Turm bekommen. Martin erzählte voller Begeisterung von diesem Projekt. Die notwendigen Teile sind bereits vorhanden und zum Jahreswechsel soll der Schinkelturm wieder erstrahlen.
Was für eine Begeisterung Martin für diesen alten Leuchtturm hat, war unglaublich schön mitzuerleben.
Fakten:
Baujahr: 1828
In Betrieb: bis 1905
Turmhöhe: ca. 21 Meter
Feuerhöhe: ca. 62 Meter
Leuchtmittel: ursprünglich Rüböllampen mit Parabolspiegeln
Status: außer Betrieb, heute Baudenkmal und Museum
Besonderheit: Der nach Plänen Karl Friedrich Schinkels errichtete Turm gehört zu den ältesten erhaltenen Leuchttürmen an der deutschen Ostseeküste. Nach 77 Jahren Leuchtturmbetrieb wurde sein Feuer 1905 vom unmittelbar daneben errichteten neuen Leuchtturm abgelöst.