02/09/2026
Wem würdet ihr einen Orden verleihen?
Vielleicht einem Menschen, dessen Name nie in einer Zeitung steht. Jemandem, der Woche für Woche Kinder trainiert. Der im Verein Verantwortung übernimmt. Menschen beim Ankommen unterstützt. Geschichte bewahrt oder jungen Menschen zeigt, wie wertvoll unsere Natur ist. Vieles davon passiert, ohne dass die Öffentlichkeit es bemerkt. Heute stehen im Schweriner Schloss Menschen im Mittelpunkt, deren Einsatz über viele Jahre besonders viel für andere bewirkt hat. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig überreicht ihnen im Namen des Bundespräsidenten den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland.
Warum im Namen des Bundespräsidenten?
Der Verdienstorden ist eine Auszeichnung der Bundesrepublik Deutschland. Die Ministerpräsidentin überreicht die Auszeichnungen heute stellvertretend für den Bundespräsidenten. Geehrt werden Menschen, die über lange Zeit Außergewöhnliches geleistet haben und sich mit viel Einsatz für die Gemeinschaft engagieren.
Was das konkret bedeutet, zeigen die Geschichten der Menschen, die heute ausgezeichnet werden.
Sie kommen aus unterschiedlichen Regionen und engagieren sich in ganz unterschiedlichen Bereichen. Die einen bewahren Geschichte, andere bringen Menschen zusammen, schaffen Perspektiven oder vermitteln Wissen. Was sie verbindet: Aus ihrem persönlichen Einsatz ist etwas entstanden, das vielen anderen zugutekommt.
Dieter Ehrke hat gemeinsam mit vielen Mitstreiterinnen und Mitstreitern das Burgmuseum Plau am See aufgebaut. Aus einer einfachen Scheune entstand eine besondere Sammlung zur Geschichte der Stadt und der Region. Heute kommen rund 20.000 Besucherinnen und Besucher im Jahr. Das Museum wird von etwa 40 Ehrenamtlichen getragen, die unter anderem kostenlose Führungen anbieten. Und Dieter Ehrke ist mit 90 Jahren noch immer Vereinsvorsitzender und Museumsleiter.
Marlene Klinger entdeckte schon mit fünf Jahren ihre Leidenschaft fürs Tanzen und wurde mit 14 Jahren Trainerin. Heute zählt ihr Verein „Be free“ mehr als 2.000 Mitglieder. Kinder, Jugendliche und Erwachsene kommen dort durch Sport und Tanz zusammen. Talente können sich entwickeln, Jugendliche erleben Gemeinschaft und verschiedene Generationen bleiben gemeinsam aktiv. Ihr Engagement reicht außerdem weit über den Sport hinaus, etwa mit einer Jobmesse und Aktionen für den guten Zweck.
Simone Koltzau hat über Jahrzehnte Verantwortung für Grabow übernommen. Nach der Wende kämpfte sie in schwierigen Zeiten für die Zukunft der Grabower Süßwaren und setzte sich für die Beschäftigten ein. Heute arbeiten dort rund 200 Menschen. Gleichzeitig unterstützte sie Vereine der Stadt und engagiert sich als Kirchenälteste und im Kirchgemeinderat. Auch die Sanierung der Kirchenorgel und des Kirchenschiffs hat sie mit vorangebracht.
Claus Oellerking baut Brücken zwischen Menschen und Kulturen. In Schwerin koordinierte er die Flüchtlingshilfe, half beim Aufbau der Kleiderkammer in der Erstaufnahmeeinrichtung und initiierte Projekte, die Menschen unterschiedlicher Herkunft miteinander ins Gespräch bringen. Sein Engagement reicht weit über MV hinaus. Seit zehn Jahren unterstützt er ein Berufsbildungsprojekt in Uganda, das jungen Frauen berufliche Perspektiven eröffnet.
Marianne und Klaus Tuscher haben über mehr als vier Jahrzehnte den Güstrower Tierpark zu einem besonderen Ort für Natur, Umweltbildung und Naturschutz weiterentwickelt. Im umweltpädagogischen Zentrum lernen heute jährlich rund 16.000 Kinder und Jugendliche mehr über unsere heimische Tier- und Pflanzenwelt. Mit Projekten wie „Die Jungen Wilden“ ermöglichen sie auch körperlich oder sozial beeinträchtigten Kindern besondere Erfahrungen mit Natur, Umwelt und Tierpflege.
Fünf ganz unterschiedliche Geschichten. Sechs Menschen. Und trotzdem zieht sich ein Gedanke durch alle Lebenswege: Sie haben nicht darauf gewartet, dass jemand anderes etwas tut. Sie haben angefangen. Aus einer Idee wurde ein Museum. Aus der Freude am Tanz eine Gemeinschaft für Tausende. Aus Verantwortung für ein Unternehmen wurde Verantwortung für eine ganze Stadt. Aus Begegnungen entstanden Brücken zwischen Kulturen. Und aus einer Vision für einen Tierpark wurde ein Bildungsort für Tausende Kinder und Jugendliche.
Ihr Engagement zeigt, was entstehen kann, wenn Menschen ihre Zeit, ihre Erfahrung und ihre Ideen für andere einsetzen. Der Verdienstorden würdigt heute sechs von ihnen. Gleichzeitig stehen ihre Geschichten für viele Menschen in MV, die sich jeden Tag engagieren. Oft ohne große Bühne und ohne Orden.
Deshalb interessiert uns: Welcher Mensch aus eurem Umfeld hätte für seinen Einsatz einmal ein ganz großes Dankeschön verdient?