Die Sprottaer Feuerwehr gründete sich 1925 und rückte zu Beginn mit der Handdruckspritze und einfachstem Gerät aus. Das „Spritzenhaus“ stand zu dieser Zeit in der Ortsmitte und es wurde mittels Feuerglocke zum Alarm geläutet. Mit dem technischen Fortschritt verbesserte man Motorpumpen und Löschautomobile über die Jahrzehnte. Das Feuerwehrwesen war zu dieser Zeit sehr militärisch geprägt und wurde zwischen 1933 und 1945 als Feuerschutz- bzw. Feuerlöschpolizei bezeichnet. Das „Blaulicht“ auf unseren Fahrzeugen entstand ebenfalls in dieser Zeit, da man hoffte von feindlichen Luftstreitkräften später entdeckt zu werden. (rot sah man in 2km Höhe / blau nur bis zu 300m)
Im Rahmen des zweiten Fünfjahresplans (DDR) erhielten wir 1956 einen Tragkraftspritzenanhänger (FwA-TS), welcher von einem Traktor gezogen wurde. Die Entwicklung der Feuerwehrfahrzeuge war in der DDR auf wenige einheitliche Typen reduziert. (S4000 / Robur LO / W-50 / Barkas)
In der BRD markierten die 1970er den Wandel von Rundhauber-LKWs und viel Mechanik zu hochtechnisierten Fahrgestellen, Funktionsoptimierung und großen Wassertanks.
Wir erhielten 1982 mit dem Geräthaus-Neubau am heutigen Standort „Zur Jaske“ ein Löschgruppenfahrzeug 8 – TS8 – mit Schlauchtransportanhänger (FwA-S). Dieses Fahrzeug war bis 2010 im Einsatzdienst und rückte letztmalig 2016 als Reservefahrzeug zu einer Brandsicherheitswache aus. Die beiden vorbenannten Anhänger werden für die Jugendarbeit bzw. als während der Fahrt verlegbarer Schlauchträger weiterhin genutzt und gepflegt. Im Jahr 2010 erhielten wir dann ein moderneres Löschfahrzeug, welches in Sachen Ergonomie, Technik und Einsatzwert (Wassertank) eine echte Weiterentwicklung ist.
Ende 2018 haben wir ein Mannschaftstransportfahrzeug erhalten, welches beim Transport von Einsatzkräften, Jugendfeuerwehrmitgliedern und gemeindeübergreifend bei Fahrten aller Wehren eingesetzt wird.
Doch genug zur reinen Technik - jetzt den Schwenk auf den wichtigsten Part:
Die menschliche Entwicklung im Ehrenamt.
In Sprotta war die Wendezeit für die Feuerwehr die Zerreißprobe, da die landwirtschaftliche Infrastruktur mit dem personalintensiven Servicestützpunkt und die hohe Zahl an Beschäftigen in Tier- und Pflanzenproduktion abrupt Geschichte war. Durch die gesellschaftlichen Entwicklungen war das Thema "Einsatz für das Gemeinwohl" in weite Ferne gerückt. Kurz vor der Jahrtausendwende stand die Schließung des Standorts auf der Agenda des Gemeinderats. Wir hatten zu dieser Zeit noch sieben Aktive in der Einsatzabteilung.
Durch die 1999 gegründete Jugendfeuerwehr hatte man jedoch eine Perspektive und hielt am Standort Sprotta fest, was sich 2002 beim Mulde Hochwasser auszahlte. Hier waren die Hälfte der Sprottaer Kräfte ganz frisch gebackene Grünschnäbel vom Grundlehrgang, die zwei Wochen die Schulbank gegen Schippe, Pumpe und Schläuche tauschten um in Mörtitz und Eilenburg gegen die Folgen der Flut anzutreten.
Von Nachwuchssorgen konnte man Anfang der 2000er wahrlich nicht sprechen. Bis zum ersten Floriansfest in Sprotta im Jahr 2005 hatten wir die Reihen bereits auf 19 Einsatzkräfte aufgestockt und zeitgleich 14 Mitglieder in der Jugendfeuerwehr.
Doch wie bei vielen andere Feuerwehren auch, schlugen demografische Effekte ab 2010 durch und der Zulauf stoppte. Die Ursachen dafür waren vielfältig; u.a. war das Eintrittsalter in die Jugendfeuerwehr mit zehn Jahren als zu hoch angesetzt und viele Kinder gingen bereits anderen Interessen nach. Eine Satzungsänderung ermöglicht nun seit einigen Jahren, dass Kinder ab acht Jahren Mitglied in der Jugendfeuerwehr werden können.
Im Jahr 2012 drückte die Landflucht der damaligen Elterngeneration, der Hpye um Leipzig und der allgemeine Geburtenknick jener Generation ("Generation Z") so massiv auf die Mitgliederzahl, dass der Tiefpunkt von fünf Jugendlichen markiert wurde.
Nur zwei Jahre später begann sich der Sogeffekt von Leipzig umzukehren und als Segen für das Umland abuzzeichnen. Unsere Gemeinde wurde bzw. wird zum neuen Speckgürtel. Die ausgebaute B87, S-Bahn, Zuzügler aus der schnell wachsenden Stadt, Geburtenboom und viele Rückkehrer begünstigten die Aktivitäten der Feuerwehr. Parallel dazu hat das Hochwasser 2013 auch Quereinsteiger motiviert in unsere Reihen einzutreten.
Vor vier Jahren begannen wir mit einer medialen Werbeoffensive im Bezug auf Facebook und Website sowie vor zwei Jahren auf Instagram.
Das absolute Maximum der Jugendarbeit haben wir Mitte 2018 markiert und nehmen erst wieder Mitte 2019 neue Mitglieder auf, da binnen dieser Zeit fünf Mitglieder in den aktiven Einsatzdienst übernommen werden (bzw. zwei bereits wurden).
Wurde 2005 noch über Kita-Schließungen, demografischer Bombe und Leerstand in den Gemeinde- und Ortschaftsratssitzungen gesprochen, verzeichnen wir durch die neuen Baugebiete Umkehreffekte und sprechen über Kita-Erweiterungen und mittelfristige Maßnahmen.
In Zahlen: Waren wir beim letzten Brandschutzbedarfsplan 2015 als Sprottaer Wehr mit 1290 Einwohnern veranschlagt, können wir heute über 1420 Einwohner zählen. Laut aktueller Verwaltungsaussage wird die Sprottaer Bucht zeitnah bewohnt sein, das Baugebiet „Zum See“ (an die Ortslage Eilenburg angefügt, jedoch zu Sprotta gehörend) wird gefüllt, die Jaske verdichtet sich und die Sprotta-Siedlung wird weiter expandieren.
Wir rechnen also zeitnah mit >1.500 Einwohnern.
Ebenso plant die Arbeitsgruppe Kiessee weitere Nachnutzungs- und Baugebietskonzepte an der Westseite der Sprottaer Kiesgrube, die binnen ~20 Jahren ebenfalls die doppelte Wasserfläche einnehmen soll.
Der Verkehrswegeplan und die Bundes-Subventionstöpfe für Ortsumgehungen sehen eine Fertigstellung der B87 mit veränderten Anschlussstellen zwischen 2025-2030 vor.
Die Geschichte bleibt also bewegt.
Klingt alles ganz gut, aber!
Die Sprottaer Jugendfeuerwehr ist unsere große Hoffnung für die Zukunft der Gefahrenabwehr, nichtsdestotrotz hat sich der strukturelle Wandel auch im Rettungswesen niedergeschlagen. Eine Generation „Instagram-Kids“ will aktiv für das Gemeinwohl begeistert werden, längere Arbeitswege, (weg)rationalisierte landwirtschaftliche Strukturen und schnell wechselnde Lebensmittelpunkte - keine einfache Aufgabe von ~ 30 Jugendfeuerwehrlern binnen 7 Jahren die Hälfte in die aktive Abteilung zu bekommen und zu halten.