09/09/2026
Besichtigungstermin in der Friedeburg zum Thema Brandschutz
09.09.2026 - Dr. Ulrich Kerney
Heute Morgen fand eine kurzfristig anberaumte Besichtigung der Friedeburg statt, zu der der Bürgermeister die lokale Presse, Fachämter, Objektbetreuer, Feuerwehr und Ratsmitglieder geladen hatte. Anlass war die sofortige brandschutztechnische Sperrung des Veranstaltungssaales für alle Events – die Presse hat bereits berichtet.
Brandschutzsachverständiger Tobias Bayrhammer (Rastede) erläuterte die Gründe für die drastische Maßnahme. Er ermittelt derzeit im laufenden Gutachten die Gesamtkosten für die Sanierung der Friedeburg.
Sicherheitsrisiken im Veranstaltungsraum im Überblick
• Hohe Personenzahl: Bei Vollbelegung befinden sich bis zu 900 Personen (800 im Saal, 100 auf der Empore) im Gebäude.
• Überlastete Rettungskräfte: Die zwei vorgeschriebenen Brandschutzwachen der Feuerwehr sind im Ernstfall mit der Evakuierung dieser Menschenmengen komplett ausgelastet.
• Akute Einsturzgefahr: Die untere Saalzwischendecke bietet keinen Brandschutz. Bei einem Feuer brennt sie sofort durch. Die Hitze weicht die ungeschützten Aufhängungen und Stahlträger im Dachboden auf. Verstärkt wird dieses Risiko durch die zu schwach dimensionierten Dachsparren.
• Erschwerter Löscheinsatz: Ein schneller Löschangriff ist unmöglich, da der Zugang zum Dachbereich zu eng ist und vor der Halle kein Platz für ein Drehleiterfahrzeug der Feuerwehr existiert.
• Fazit: Aufgrund der baulichen Mängel reicht die Evakuierungszeit für die hohe Besucherzahl im Ernstfall nicht aus.
Was bedeutet das?
Da die Sicherheit oberste Priorität hat und kein Menschenleben gefährdet werden darf, war diese sofortige Schließung aus sicherheitstechnischer Sicht unumgänglich. Um die heutigen Brandschutzstandards annähernd zu erreichen, muss der gesamte Decken- und Dachbereich grundlegend saniert werden.
Der Ablauf bis zur möglichen Wiedereröffnung der Friedeburg ist an einen mehrstufigen Prozess gebunden:
• Frühjahr 2027: Erwartete Fertigstellung des bau- und brandschutztechnischen Gutachtens.
• Finanzierung & Politik: Anschließende Bewertung der Kosten-, Haushalts- und Fördersituation sowie der politische Beschluss zum weiteren Vorgehen.
• Umsetzung: Erstellung der Ausschreibungsunterlagen, Vergabe der Aufträge und die eigentliche Bauzeit.
Blick nach vorn: Eine Chance für mutige Entscheidungen
Vor uns liegt zweifellos eine anspruchsvolle Phase, in der erhebliche Investitionen nötig sein werden.
Sobald alle Zahlen und Fakten vorliegen, wird die Politik den genauen Zeit- und Finanzierungsrahmen erarbeiten müssen, beides ist noch nicht absehbar. Dass der Erhalt der Friedeburg fraktionsübergreifend ein wichtiges Anliegen ist, haben die jüngsten Haushaltsdiskussionen gezeigt – auch die WIN hat sich hier klar positioniert.
Wir stehen also vor einer herausfordernden, aber vor allem richtungsweisenden Zeit.
Im neuen Rat muss das Projekt mit Entschlossenheit und neuen Impulsen angegangen werden, um die Friedeburg für die Zukunft nachhaltig zu stärken.
Schweren Herzens, aber ohne Alternative: Die Feiern und Events müssen warten.
Wir sollten alles daransetzen, dass die Pause nicht zu lang wird.